Mindestlohn für Rettungsfachkräfte: BVRD ist dafür


Bremen (rd.de) – Mindestlohn für Rettungsfachkräfte? Die von www.rettungsdienst.de angestoßene Diskussion rief jetzt auch den Berufsverband für den Rettungsdienst (BVRD) auf den Plan. Er ist für Lohnuntergrenzen in dieser Branche und begründet auch warum.

Als „erfreulich“ bezeichnet es BVRD-Vorsitzender Martin Ritter, „dass die Kolleginnen und Kollegen in der Pflege für ihre anstrengende und verantwortungsvolle Tätigkeit auch endlich einen Mindestlohn erwarten dürfen“. „Selbstverständlich könnte man sagen, dass derlei für die im Rettungsdienst und Krankentransport tätigen RettungsassistentenInnen und RettungssanitäterInnen nicht notwendig wäre, da eine Vielzahl von ihnen ja bei Arbeitgebern angestellt ist, die Tarifverträge haben, in welchen ein meist vernünftiges Entgelt für diese Tätigkeit vorgesehen wurde.“

Allerdings verzeichne der BVRD in den letzten Jahren immer häufiger ein Austreten einzelner Anbieter aus dem Tarifgefüge. Die Folge sei, dass für die dort Beschäftigten oftmals deutlich schlechtere Haustarife entstünden. Teilweise würden Situationen entstehen, „die man tatsächlich als prekäre Arbeitsverhältnisse bezeichnen muss“, so Ritter. Die betroffenen Kollegen wären durch das so entstehende Gehaltsgefüge mitunter sogar gezwungen, so genannte Transferleistungen des Staates in Anspruch zu nehmen – obwohl sie eine Vollzeitstelle in einem anspruchs- und verantwortungsvollen Teilbereich des Medizinwesens ausfüllten.

Auch im Hinblick auf die Bemühungen für eine weitere Professionalisierung des Berufsbildes „Rettungsassistent“ erscheine es wenig sinnvoll, noch mehr Kollegen auf diese Art ins soziale Aus zu schieben. „Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass für solche Tätigkeiten – wie es beim Pflegepersonal nun Kraft Gesetz geschehen musste – ein faires Entgelt gezahlt wird“, fordert Ritter. Doch die Unterwanderung gültiger Tarifordnungen durch verschiedenste Anbieter sowie die sich anbahnende Rekommunalisierungs-Welle im Zuge des aktuellen EuGH-Urteiles ließen befürchten, dass man an vielen Orten versuchen werde, am Personal noch mehr zu sparen.

„Im Sinne unserer Kolleginnen und Kollegen kann dies nicht sein“, teilte der BVRD auf Nachfrage von rettungsdienst.de mit. Es nähme ihnen nicht nur die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten, sondern es schmälere zudem auch die Spielräume für eine weitere Entwicklung des Berufsbildes. Deshalb solle man bedenken, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Gehaltsuntergrenze von sechs Euro für Rettungssanitäter und acht Euro für Rettungsassistenten zu fordern.

6 Responses to “Mindestlohn für Rettungsfachkräfte: BVRD ist dafür”

  1. hanky123 on August 12th, 2010 21:02

    Ich hoffe der der neue Berufsverband DBRD gelangt auch noch zu dieser generellen Haltung. Allerdings sind 6 € als Untergrenze indiskutabel!
    8,50 müssen die unterste Grenze sein! Ein Rettungsassistent muss zwingend als Fachkraft mindestens 11,50 bekomen!
    Kein Lohn unter 8,50€
    http://www.mindestlohn.de

  2. Rettertom2001 on August 14th, 2010 23:37

    Was ist das eigentlich für eine Diskussion um Mindestlohn im Rettungsdienst ??
    Bedenke man einfach einmal die Wichtigkeit des Berufsbild „Rettungsassistent/-in“ und Verantwortung in diesem Beruf.
    Wenn ein Schreiner, oder Schlosser z.B. ein Fehler in seinem Job macht, dann nimmt er sich ein neues Werkstück und macht es neu. Macht ein RA/-in einen Fehler, so kann es Menschenleben gefährden oder sogar Kosten. Ein Schreinergeselle, bzw. Schlossergeselle (als Beispiel) hat einen weitaus höheren Stundenlohn als der RA-in. Wie kann das? Der Schreiner/Schlosser (als Bsp.) hat meistens eine 5-Tage Woche und ist an den gesetzlichen Feiertagen meistens „zu Hause“, wohingegen es für den RA-in es keine Feiertage im klassischen Sinne gibt. Die Kollegen und Kolleginnen sind rund um die Uhr für „JEDEN“ da, der sie braucht. Über dem RA steht nur noch der Notarzt. Und da soll für das Berufsbild des RA über Mindestlohn gesprochen werden??? Das ist echt peinlich!! Ich wünsche denen, die solche Gedanken haben, einen Mindestlohn für das Berufsbild RA-in abzulehnen, das sie mal an einen unterbezahlten , unmotivierten RA/in gelangen und dieses zu spüren bekommen! Ferner gibt es führende Mitglieder des BVRD die einmal Ihren Standpunkt überdenken sollten, Nicht von Mindestlöhnen reden und die eigenen Mitarbeiter „daheim“ unterbezahlen !!!
    In diesem Sinne !!
    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Runge
    LRA

  3. reddingsmeister on August 17th, 2010 01:45

    Andere Berufsgruppen tragen ebenso viel Verantwortung in Sachen Sicherheit, dazu zählt auch der Schreiner und der Schlosser, wie ein RA die Verantwortung für den Patienten trägt. Der Vergleich hinkt also gewaltigt. Unbeachtet dessen, ist ein Mindestlohn für alle Berufsgruppen Bundesweit notwendig. Die Diskussion darum ist sicher gut und wichtig. Nur sollten sich alle Gewerkschaften und Interessenvertreter gemeinsam für einen Einheitlichen Mindestlohn für das gesamte Bundesgebiet bemühen. Es gibt schließlich noch Berufsgruppen die finanziell weitaus schlechter dastehen und auf Zusatzleistungen angewiesen sind.

  4. charlie-zulu on August 17th, 2010 11:50

    >>Andere Berufsgruppen tragen ebenso viel Verantwortung in Sachen Sicherheit<<
    So ehrlich muss man sein: In der Regel nicht.

    Selbstverständlich ist jeder Beruf wichtig, sonst gäbe es ihn schließlich nicht. Wenn es aber um die direkte Verantwortung für Menschenleben geht, (und darauf bezieht sich der post von Thomas ja) schränkt sich das schon "etwas" ein.

    Allerdings kann man auch anders herum argumentieren: Du sagst, andere Berufsgruppen tragen ebenso viel Verantwortung? Gut. Wieso verdienen diese (und welche..) dann teilweise wesentlich mehr? Welche steht (noch) schlechter da als wir?

  5. reddingsmeister on August 21st, 2010 02:24

    Einfache Antwort: So gut wie jeder Handwerker oder Industriearbeiter trägt oft ein hohes Maß an Verantwortung. Auch diese sind mal besser und mal schlechter bezahlt. Wenn eine Arbeit unsachgemäß ausgeführt wird entsteht ein hohes Risiko, dass es auch zu Unfällen kommt. Entweder direkt während der Ausführung oder anschließend, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind und andere gefährdet werden. Ich habe das Gefühl, dass hier der RD künstlich hochstilisiert wird. Sicher, wenn es schiefgeht, muss man darauf vertrauen können, dass der RD gut funktioniert. Andererseits ist es besser wenn ein Unfall von vornherein vermieden wird.

    Wie Thomas schrieb, und darauf beziehe ich mich nun einmal, ist es nämlich nicht so, dass der Schlosser oder Schreiner sich einfach ein neues Werkstück nimmt wenn es schiefgegangen ist. Hier gibt es durchaus viele Facetten in den verschiedensten Berufen, die durchaus berechtigt gut bezahlt werden, die ein hohes Maß an Verantwortung und Qualitätsbewusstsein benötigen.

  6. hanky123 on August 27th, 2010 10:11

    Die allerbeste Lösung ist die, wenn man keinen Mindestlohn braucht! Wenn für alle Beschäftigte im RD ein Bundeseinheitlicher Tarifvertrag Betreiber unabhängig gelten würde. Mit einer angepasssten Lohngestalltung angepasst nach Quallifikation, Funktion und Betriebszugehörigkeit.

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