Massenkarambolage: Schwerverletztenversorgung war optimal abgestimmt


Berlin (DGU) – Das Traumanetzwerk Mecklenburg-Vorpommern zur Versorgung Schwerverletzter bestand beim Unfall auf der A19 bei Rostock seine erste Bewährungsprobe. Es ermöglichte eine optimale Vernetzung zwischen den Rettungsdiensten, Leitstellen und Kliniken.

Durch eine abgestimmte Koordination konnten alle Verletzten innerhalb von zwei Stunden bestmöglich versorgt werden, teilt Professor Hartmut Siebert, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), mit.

Perfekte strukturelle und organisatorische Versorgungsstrukturen waren nötig, um die durch die Massenkarambolage bei Rostock teils schwerstverletzten Unfallopfer gleichzeitig unter größtem Zeitdruck kompetent und adäquat zu versorgen. Das Traumanetzwerk Mecklenburg-Vorpommern, ein Zusammenschluss von 17 unfallchirurgischen Kliniken, stellte eine solche Versorgungsstruktur sicher. Kurz nach Eingang der Unfallmeldung wurde vom Leiter der Unfallchirurgischen Universitätsklinik Rostock, Professor Thomas Mittlmeier, Katastrophenalarm ausgegeben und somit auch die im Traumnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern organisierten Kliniken zur Behandlung von Schwerverletzten aktiviert. Die Kliniken sind eingeteilt in drei verschiedenen Versorgungsaufgaben. Bei einer Katastrophe, wie einer Massenkarambolage, ist eine passgenaue Zuordnung der Unfallopfer auf die entsprechenden Kliniken möglich und nötig, um eine adäquate Versorgung abzusichern. Dabei werden Leichtverletzte in sogenannte lokale Traumazentren mit geringerer Versorgungstiefe und Schwerstverletzte in regionale bzw. überregionale Traumazentren mit der Möglichkeit zur Versorgung spezieller Verletzungsmuster, z.B. Polytrauma, verteilt.

Die besonderen Umstände an der Unfallstelle, die Schwierigkeit bei diesen Wetterverhältnissen mit luftgebundenen Rettungskräften nicht optimal eingreifen zu können, machten vor allem die Einbindung der lokalen Traumazentren zwingend erforderlich.

„Bei der Versorgung Schwerstverletzter zählt jede Sekunde. Dabei bedeutet eine falsche Klinikzuweisung immer einen unnötigen und möglichst zu vermeidenden Zeitverlust. Durch die bereits am Unfallort gut abgestimmte Kommunikation mit den Rettungsdiensten und die optimale Verteilung der Unfallopfer auf die am Traumanetzwerk Mecklenburg-Vorpommern beteiligten unfallchirurgischen Kliniken, konnten wir eine leistungsstarke Versorgung sicherstellen“ so Mittlmeier, der auch Leiter des Traumanetzwerkes Mecklenburg-Vorpommern ist.

Derzeit befinden sich noch vier Patienten in Intensivbehandlung. Die acht Schwerstverletzten wurden auf die regionalen Traumazentren Güstrow und Klinikum Rostock Süd sowie das überregionale Traumazentrum Uniklinik Rostock verteilt. Insgesamt gab es über 130 Verletzte.

Das TraumaNetzwerk DGU ist eine wegweisende strukturelle und organisatorische Innovation der Versorgung Schwerverletzter in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel ist die optimale Schwerverletztenversorgung rund um die Uhr unter standardisierten Qualitätsmaßstäben zu gewährleisten. Derzeit befinden sich bundesweit über 50 lokale Traumanetzwerke in Gründung.

Zum Zeitpunkt der Katastrophe trafen sich Unfallchirurgen, Vertreter der Rettungsdienstorganisationen und Notfallmediziner aus ganz Deutschland zum 3. Jahreskongress TraumaNetzwerk der DGU, um über die Verbesserung der Versorgungsqualität von Unfallopfern in Deutschland zu diskutieren. „Das Unglück bei Rostock macht uns sehr betroffen, da wir leider zusammen mit den hervorragend aufgestellten Rettungskräften nicht allen Unfallopfern wegen der in den Fahrzeugen ausgebrochenen Brände rechtzeitig vor Ort noch helfen konnten. Unser tiefes Mitgefühl gilt deshalb den Angehörigen der Verstorbenen, unser Dank aber all den vielen kompetenten Einsatzhelfern vor Ort und den Kollegen in den an der Versorgung beteiligten Kliniken“ so Professor Tim Pohlemann in seiner Funktion als Präsident der DGU bei der Eröffnung des Kongresses am 9. April in Berlin.

Das Unglück mit dieser singulären Dimension zeigt einerseits auf, wie wichtig eine strukturierte Vernetzung der Ersthelfer und der unfallchirurgischen Kliniken gerade in bevölkerungsarmen Flächenstaaten ist. Andererseits werden aber auch die Grenzen einer unfallchirurgischen Versorgung sichtbar. Die genaue Aufarbeitung der Katastrophe soll nun weitere wichtige Hinweise für die zukünftige Gestaltung des Traumanetzwerkes Mecklenburg-Vorpommern bringen.

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