Lyse: Kein Gewinn bei Herzstillstand


Berlin (DGAI) – 2007 starben in Deutschland 139.808 Menschen an ischämischen Herzkrankheiten. Die meisten Todesfälle ereignen sich, bevor der Rettungswagen eintrifft oder auf dem Weg in das Krankenhaus.

Sind diagnostische Maßnahmen, Therapien und Infrastruktur vereinheitlicht, verbessert sich dadurch die Versorgung der Herzinfarktpatienten. Experten fordern deshalb im Vorfeld des Hauptstadtkongresses der DGAI für Anästhesiologie und Intensivtherapie (HAI) in Berlin ein standardisiertes Versorgungskonzept auf Basis evidenzbasierter Leitlinien.

„Das akute Koronarsyndrom ist ein häufiger Grund für Notarzteinsätze“, sagt Professor Dr. med. Bernd Böttiger, 1. Sprecher des wissenschaftlichen des Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI und Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universitätsklinik Köln. Bei der schwersten Form, dem sogenannten ST-Hebungsinfarkt, kommt es in vielen Fällen zum Herzstillstand. In einer europaweiten Studie mit über tausend Patienten wurde untersucht, ob die Injektion eines Medikamentes, das Blutgerinnsel auflöst, in einer solchen Situation die Chancen der Patienten erhöht. Diese Lysetherapie wird seit langem mit Erfolg bei sogenannten nicht reanimationspflichtigen Patienten durchgeführt. Sie kann die Herzkranzgefäße wieder durchgängig machen und den Schaden am Herzmuskel begrenzen.

Doch die Ergebnisse der „Thrombolysis in Cardiac Arrest“ oder TROICA-Studie haben die Hoffnungen nicht erfüllt. „Leider mussten wir feststellen, dass Patienten mit einem Herzstillstand nach Herzinfarkt von der Lysetherapie während der Wiederbelebungsmaßnahmen keinen Nutzen haben“, erklärt Studienleiter Böttiger.

Nach Herzinfarkt und Herz-Kreislaufstillstand ist auch die therapeutische Hypothermie eine einfache und sehr effektive Maßnahme. Die Abkühlung des Körpers auf 32 bis 34 Grad Celsius verbessert bei Menschen, die nach einem Herzstillstand wiederbelebt werden, deutlich die Überlebenschancen. Dieses Verfahren gilt als eine der wichtigsten Neuerungen der letzten Jahre im Bereich der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Terminhinweis:
HAI 2009 – 11. Hauptstadtkongress der DGAI für
Anästhesiologie und Intensivtherapie mit Pflegesymposium bis 19. September 2009, bcc Berliner Congress Center

Information:
www.hai2009.de

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