Leichtsinn oder Heldenmut?


Andreas Bauer sprang nachts allein in den Fluss.

Andreas Bauer sprang nachts allein in den Fluss.

Ludwigsburg (DLRG/rd.de) – Ein DLRG-Rettungsschwimmer rettet eine Person aus der starken Strömung des Neckars bei Ludwigsburg-Hoheneck. Nachts, alleine, im Dunkeln und ohne Sicherungsleine: viel zu riskant, aber erfolgreich.

Am Freitag, den 17.07.2009 wurde die DLRG-Wasserrettung des Landkreises Ludwigsburg gegen 22 Uhr durch die Rettungsleitstelle des DRK zu einem Einsatz zur Menschenrettung alarmiert.

„Person im Neckar im Bereich der Kläranlage Hoheneck“, lautete das Einsatzstichwort.

Zehn Einsatzkräfte der DLRG Ludwigsburg/Remseck, welche sich zum Einsatzzeitpunkt im Wasserrettungszentrum Schießtal befanden, rückten binnen zwei Minuten mit dem Gerätewagen-Wasserrettung und einem weiteren Bootsgruppenfahrzeug an die Einsatzstelle aus. Während das erste Boot an der Schiffsanlegestelle Hoheneck in den Neckar gebracht wurde, trafen parallel weitere Kräfte aus dem Stadtgebiet sowie ein Rettungswagen des DRK an der Einsatzstelle ein.

Der Rettungsschwimmer und Rettungstaucher Andreas Bauer stieg dem Rettungswagen zu. Der RTW fuhr stromabwärts. Die Besatzung des Rettungswagens samt des Rettungsschwimmers konnte bereits nach kurzer Fahrt die Person im Neckar ausfindig machen.

Andreas Bauer zögerte nicht lange und begab sich unter Einsatz seines eigenen Lebens in den Neckar, um die Person zu retten. Dies gelang ihm, trotz starker Strömung und erheblichem Hochwassers, innerhalb von nur wenigen Minuten. Er schaffte es, die Frau an das rettende Ufer zu bringen, wo sie sofort von der Rettungswagenbesatzung versorgt wurde.

„Diese Lebensrettung war nur durch das beherzte und schnelle Reagieren des Rettungsschwimmers Andreas Bauer möglich. Hierfür gebührt ihm Respekt und Anerkennung“, urteilt die Pressemitteilung des DLRG offiziell. Doch in der lokalen Presse finden sich hierzu auch kritische Stimmen von seinen Kollegen, ja sogar von Bauer selbst.

Die starken Regenfälle haben den Neckar zu einem reißenden Fluss gemacht. Zusätzlich erhöhte Treibgut das Risiko. Alleine und ohne Sicherung in den Fluss – dass hätten die meisten Rettungsschwimmer nicht gemacht. Andreas Bauer weiß das. Er wollte das Eintreffen seiner Kollegen nicht abwarten, weil sich die zu rettende Person einem Stauwehr näherte. Ein späteres Eingreifen hätte zu spät sein können.

15 Responses to “Leichtsinn oder Heldenmut?”

  1. thomaswagner on Juli 21st, 2009 09:55

    In meinen Augen war das bodenloser Leichtsinn! Wäre er dabei samt Opfer auch ums Leben gekommen, hätte niemand von Heldenmut gesprochen, sondern von absolutem Leichtsinn.
    Landauf, landab wird Rettungsschwimmern immer wieder gepredigt, kein unnötiges Risiko einzugehen und bei einer so offensichtlich hohen Gefahr für Leib und Leben auf eine Rettung zu verzichten; es waren schliesslich ofenbar keine weiteren Wasserrettungskräfte in unmittelbarer Nähe. Da es sich bei Herrn Bauer um einen offensichtlich Ortskundigen handelt, hätte gerade er wissen müssen, dass bei derartigen Umständen die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls nicht mehr aus dem Wasser zu kommen viel zu hoch war, meiner Meinung nach bei mehr als 50 % (Hochwasser, damit verbunden sehr hohe Fliessgeschwindigkeit, Treibgut, , niedrige Wassertemperatur,keine Sicht, keine Eigensicherung).
    Ich frage mich eher, ob es sich hier um einen Fall von Profilneurose handelt oder einfach nur von absoluter Dummheit… Und zu welchem Zweck befand sich Bauer eigentlich in einem RTW?

  2. Status3 on Juli 21st, 2009 10:50

    …um das Ufer flußabwärts abzufahren, wie es im Artikel steht. Gerätewagen und Ähnliches war möglicherweise zu schwerfällig oder nicht für den Uferbereich geeignet. Von bodenlosem Leichtsinn würde ich hier allerdings auch sprechen.

  3. OliB on Juli 21st, 2009 12:47

    Aus der Ferne ist es immer leicht von Dummheit, Leichtsinn, Profilneurose oder unnötigem Risiko zu sprechen.
    Jeder wird mir recht geben, dass man solch eine Situation nur vor Ort in der entsprechenden Situation beurteilen kann.

    Das Ergebnis jedenfalls stimmt: Es konnte ein Leben gerettet werden. Dass der Einsatz riskant war steht außer Frage, wohl auch für Andreas. Aber ich glaube nicht, dass es sich für irgendetwas anderes lohnt, überhaupt so ein Risiko einzugehen.

    Und hinterher aus der Ferne des erleuchteten trockenen PC-Arbeitsplatzes zu schreiben, wie dumm die Aktion war, finde ich sehr unangebracht. Vielleicht sollten wir ja mal die Angehörigen der Geretteten fragen, wie dumm sie die Aktion fanden…

  4. thomaswagner on Juli 22nd, 2009 06:04

    Dass Herr Bauer mit dem RTW den Uferbereich abgefahren ist zwecks Suche ist schon klar, ich formuliere es ein wenig anders: Warum wird ein RTW, der zur Patientenversorgung vor Ort ist, mit Suchaufgaben betraut? Das ist nicht die Aufgabe eines RTW, da er gelände- und streckenbedingt unnötig Zeit verliert, wenn eine zu suchende Person plötzlich an einer ganz anderen Stelle auftaucht bzw. gerettet und an Land gebracht wird.

    @OliB: Wenigstens geben Sie mir recht, dass es riskant war. Trotzdem gibt es irgendwo auch Grenzen, und wenn das eigene Risiko zu hoch wird, und das war es nach Darstellung der Sachlage, dann springe ich nicht einfach hinterher. Es ist niemandem gedient wenn nachher zwei Tote zu bergen sind!
    Ihrer Aussage bezüglich des trockenen PC-Arbeitsplatzes entnehme ich, dass sie vielen Schreibern nicht die erforderliche Sachkenntnis zutrauen. Nun, ich bin seit fast 20 Jahren Rettungsschwimmer und bilde selbst Rettungsschwimmer und Rettungsdienstpersonal aus, und genau wie ich appellieren noch viele andere Ausbilder an die Vernunft und Besonnenheit des Fachpersonals. Niemand darf ein unnötig hohes Risiko eingehen, was den Einsatz erschwert oder unnötig vergrössert. Auch im Landrettungsdienst gibt es Situationen, wo man sich sich besser zurückhält.

  5. ABB on Juli 22nd, 2009 14:17

    So hier mal gern ein kleiner Einblick in die Realität.

    NEF war am Ausgangspunkt also sollt das mal zur Patienten versorgung reichen, qualfiziert ist der Mensch ja auch, muss er auch mal schaffen für sein Geld. Deswegen nicht ganz so tragisch das der RTW unterwegs war.

    Bei den Verhältnissen war klar das es kein Taucheinsatz wird deswegen war die Entscheidunggleich los zu fahren und zu suchen.

    ca. 2 km weiter Fluss ab konnten man leise Rufe hören, da noch (nach letztem Stand über Funk, eh schlechte Kommunikation) kein Boot im Wasser war, war dann persönlicher Einsatz gefragt. Risko war gegeben doch in den 30 sek. zum überlegen die man hatte und da die Person eindeutig noch am Leben war. War der entschluss ins Wasser zu gehen klar. Die Gefahr wurde als akzeptabel eingeschätzt, im nachhinein kann man alles zerpflücken, doch da hat man Stunden für. Die Situation schien machbar zu sein sonst wär ich nicht rein. Immerhin hängt mir an meinem Leben auch etwas, an der Küste muss man auch je nach Ausstattung der Station nur mit seinen schwimmerischen Fähigkeiten klar kommen, so war das hier auch.

    Auf ein Boot oder Fahrzeug zu warten hätte ca. 5 Minuten gedauert, da diese sich etwas oberhalb gesammelt haben, wegen den engen Platzverhältnissen. Nochmal Plus 500 Meter.

    Vielen Dank

  6. campesino on Juli 22nd, 2009 15:08

    Ich finde es sehr arrogant, hier dermaßen über Herr Bauer herzuziehen und ihm unprofessionelles Verhalten vorzuwerfen.
    Herr Wagner, Ihr erster Kommentar, insbesondere die letzten beiden Sätze, ist beleidigend und diffamierend. Ich frage mich, wie Sie zu solchen Aussagen kommen.

    Herr Bauer hat das Risiko abgewogen, das musste er, denn dazu war er ausgebildet. Er hat sich dann, in Kenntnis der Situation, dazu entschieden, sein Leben aufs Spiel zu setzen, wahrscheinlich in der Zuversicht, dass er die Situation beherrschen würde.
    Er hat die Situation beherrscht und die Person gerettet. Der Erfolg gibt ihm Recht und er hat Respekt für seine Entscheidung verdient.

    Das heißt nicht, dass man nicht darüber sprechen sollte, wie hier eine Risikoabwägung ausgesehen hat. Als Ausbilder oder Leiter sollte man dazu anhalten, sich nicht in ein solches Risiko zu begeben. Jeder von uns hat den festen Vorsatz, das auch nie zu tun. Und wenn es soweit ist, tut man es vielleicht doch. So ist das. Und vielleicht ist das dann, wie in diesem Fall, auch gut so.

  7. GuyFawkes on Juli 22nd, 2009 19:38

    Ich kann Campesino und auch OliB nur zustimmen.

    Natürlich ist in der Theorie immer alles anders und wir alle kennen auch die „Gefahren an der Einsatzstelle“ doch manchmal -und das hat Herr Bauer auch zutreffend beschrieben- bleiben einem nur wenige Sekunden um eine Entscheidung zu treffen. Das diese dann nicht immer zu 100% „richtig“ ist wird wohl stimmen.
    Wobei ich grundsätzlich davon absehen würde hier von „richtig“ oder „falsch“ zu sprechen. In meinen Augen gibt es hier eher ein „zweckmäßig“ oder „unzweckmäßig“ und von dieser Seite aus hat Herr Bauer sicher zweckmäßig gehandelt.

    Aber es ist immer einfacher auf Andere einzuschlagen.
    Ich finde es gut wie hier gehandelt wurde, wenn es auch nicht unbedingt nachahmenswert bzw mit Vorsicht zu genießen ist.

  8. auanichhaun on Juli 23rd, 2009 14:10

    Meine Meinung als Retter & Wasserretter -> inakzeptabel

    Ende der Meinungsäußerung

  9. thomaswagner on Juli 28th, 2009 09:21

    Nachdem zum Einen laut dieses Beitrages Herr Bauer im Nachhinein selbst Zweifel an der Richtigkeit seiner Vorgehensweise, ebenso wie anscheinend auch einige seiner Kollegen, zum Anderen selbst die Überschrift erkennen lässt, dass es hier absolut zwei verschiedene Ansichten gibt, kann ich nicht verstehen warum sich hier einige Zeitgenossen dermaßen ungebührlich aufführen.
    Ich habe eine Meinung dazu, und die habe ich geäussert. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass mir Diffamierung und Beleidigung vorgeworfen wird. Und auch meine Meinung wird dadurch nicht beeinflusst.
    Zum Schluss sei noch zu meiner Frage, warum ein RTW als Suchfahrzeug eingesetzt wird, noch gesagt, dass im Beitrag nichts von einem NEF stand. Diese Aussage kam erst im Kommentar von Herrn Bauer, so dass meine Frage also durchaus berechtigt war.

  10. campesino on Juli 28th, 2009 20:05

    „Ich frage mich eher, ob es sich hier um einen Fall von Profilneurose handelt oder einfach nur von absoluter Dummheit…“

    Dieser Satz ist beleidigend und diffamierend. Eine solche Äußerung steht ihnen nicht zu. Wie kommen Sie dazu, einem Retter e n t w e d e r Profilneurose o d e r Dummheit zu unterstellen?

  11. thomaswagner on Juli 29th, 2009 08:43

    Weil es meine Meinung ist, und die zu äussern steht mir sehr wohl zu, auch wenn Ihnen, lieber campesino, das nicht passt.
    Haben Sie auch mal daran gedacht, dass angehende und Jungrettungsschwimmer diese Seite besuchen und den Beitrag lesen? Ich sehe da eine große Gefahr, dass sowas nachgeahmt wird, denn schliesslich ist das bei Herrn Bauer gutgegangen, dann tut´s das bei mir auch…
    Und Sie werden nicht abstreiten können, dass im Rettungswesen genug Profilneurotiker unterwegs sind.

  12. t.angelini on August 18th, 2009 21:53

    Hallo, also ich bin der Bruder des sogenannten Helden,

    ich möchte mal eins klar stellen, wir werden für so etwas ausgebildet um genau in solchen Situationen schnell handeln zu können, um ein Menschenleben zu retten.
    Hätte mein Bruder nicht so schnell reagiert dann wäre es sekunden später zu einer sachbergung gekommen.

    Ein Beispiel:
    Ein Haus brennt, die Feuerwehrleute gehen doch auch in das brennende Haus um menschen zu retten, das ist Ihre Aufgabe, das ist doch auch nicht Leichtsinnig, oder?

    Wir werden genau auf solche Gefahren und Situationen immer und immer wieder geschult und trainiert, doch als Aussenstehender ist es immer leicht, oder auch danach zu sagen das war Leichtsinnig, in dieser Situation meines Bruders war es das einzig richtige.

    @campesino es war definitiv keine Dummheit, es war eine Dummheit von dir so etwas zu schreiben, dich hätte ich gerne in dieser Situation gesehen, oder ich glaube besser nicht! ( Vielleicht Neid?)

    Genau solche Leute brauchen wir egal in welcher Organistation, es ist nicht nach Lehrbuch keine Frage, es hat aber nichts in der Situation zugelassen.

    Danke

  13. t.angelini on August 18th, 2009 21:55

    @campesino sorry du warst nicht gemeint!!!!!!

    SORRY, vor lauter Aufregen habe ich falsch geschaut, sollte an thomaswagner gehen!

  14. thomaswagner on August 19th, 2009 10:39

    @t.angelini:
    Ich brauche mir mit Sicherheit von so einem wie Ihnen weder Dummheit noch Neid unterstellen zu lassen. Wie ich bereits schon sagte, ist das meine Meinung, und die werde ich mir nicht verbieten lassen, auch nicht von Ihnen. Und auch aufgrund Ihrer Beleidigungen hat und wird sie sich nicht ändern. Abgesehen davon frage ich mich nun allerdings schon, ob Sie jetzt als Sprachrohr Ihres Bruders agieren müssen, unter der Voraussetzung dass es sich tatsächlich um ein verwandschaftliches Verhältnis handelt…
    Weiterhin sollten Sie, bevor Sie mit Steinen werfen, erstmal aus dem Glashaus herausgehen, in dem Sie sitzen. Ihr Bezug auf die Feuerwehr beweist Ihre Unkenntnis und damit Ihren offensichtlich fehlenden Sachverstand und die Fähigkeit zu differenzieren. Die Feuerwehr ist dafür ausgebildet, Menschen aus brennenden Häusern zu retten. Soweit richtig. Aber erstens wird kein Feuerwehrmann allein ein brennendes Haus betreten, zweitens haben sie für diesen Fall die notwendige Ausrüstung dabei, besser gesagt, am Mann, und drittens sind die jeweiligen Teams gesichert und es steht immer ein Rettungstrupp bereit.
    Also erzählen Sie mir nicht ich wäre dumm! Abgesehen von Ihrer Falschadressierung und Ihrer gewöhnungsbedürftigen Formulierung, sollten Sie vielleicht mal lernen Ihre „Aufregung“ zu zügeln, oder machen Sie das im Einsatz genauso? Für mich bleibt es nach wie vor Leichtsinn.

  15. Sahnetaeter on August 20th, 2009 12:57

    Einsätze und Entscheidungen im Nachhinein zu beurteilen ist immer schwierig. Tatsache ist: Ein Menschenleben wurde gerettet, weil ein anderer Mensch bereit war, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Wie wir als Außenstehende das bewerten, ist unsere Sache, aber kein Grund, sich gegenseitig zu beleidigen.

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