Kreisübergreifende Rettung


v.l.n.r.: Egbert Gördes (Kreis Borken) sowie die beiden in Schermbeck stationierten Rettungsassistenten Johannes Janßen und Martin Stawinoga vor der Wache Schermbeck

v.l.n.r.: Egbert Gördes (Kreis Borken) sowie die beiden in Schermbeck stationierten Rettungsassistenten Johannes Janßen und Martin Stawinoga vor der Wache Schermbeck

Borken/Wesel (pm) – Zur Verbesserung der Hilfsfristen arbeiten die Kreise Borken und Wesel im Rettungsdienst enger zusammen.

Verkehrsunfall in Erle: Mit Blaulicht und Martinshorn kommt der alarmierte Rettungswagen angebraust – aber nicht aus Borken, sondern aus Schermbeck. Über die Kreisgrenze hinweg rückt das Fahrzeug also zum Einsatz aus. Dies sei nichts Ungewöhnliches mehr, teilt jetzt Heribert Volmering von der für den Rettungsdienst zuständigen Borkener Kreisverwaltung mit. „Seit kurzem haben wir dafür eine verbindliche Regelung mit dem Kreis Wesel getroffen“, erläutert der Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung weiter. Ziel der Absprache ist es, die sogenannte Hilfsfrist für Erle zu gewährleisten.

Diese Frist besagt, dass der Rettungsdienst bei Notfällen innerhalb von 12 Minuten vor Ort sein soll. Im Kreis Borken funktioniert dies laut Volmering in annähernd 95 Prozent aller Fälle auch. Probleme seien aber in Randbereichen wie dem Raesfelder Ortsteil Erle nicht auszuschließen. Aufgrund der Entfernung könne die eigentlich zuständige Rettungswache in Borken beispielsweise bei hohem Verkehrsaufkommen oder schlechter Witterung die Hilfsfrist nicht immer einhalten.

„Wir haben daher Kontakt mit dem Kreis Wesel aufgenommen, um auszuloten, ob eine Versorgung Erles durch dessen Rettungswache in Schermbeck möglich ist“, schildert Egbert Gördes, zuständiger Abteilungsleiter im Fachbereich Sicherheit und Ordnung, wie es dann zu der Kooperation kam. Zunächst galt es zu klären, ob es die Einsatzzahlen in Erle überhaupt zulassen, den Rettungswagen von Schermbeck zu ordern. Schließlich diene das Fahrzeug natürlich vorrangig dem Rettungsdienst in der Standortkommune. Da sich aber gezeigt habe, dass dort eine hohe Versorgungssicherheit gewährleistet werden könne, sei nachbarschaftliche Hilfe möglich. „Daraufhin gab es eine mehrmonatige Versuchsphase, die nun belegt, dass der Einsatz des Rettungswagens aus Schermbeck für Erle einen zeitlichen Vorteil bringt“, freut sich Gördes. Und das, obwohl der Schermbecker Rettungswagen nicht direkt von der Kreisleitstelle Borken alarmiert wird. Vielmehr haben sich die Borkener Einsatzdisponenten zunächst an ihre Kollegen in der Kreisleitstelle Wesel zu wenden, die dann je nach Lage entscheiden, ob der Schermbecker Rettungswagen zum Einsatz kommen kann.

Vertreter der Kreise Wesel und Borken haben sich angesichts der positiven Ergebnisse der Versuchsphase jetzt darauf verständigt, die Zusammenarbeit dauerhaft fortzusetzen. Wird in Erle somit ein Rettungswagen benötigt, kommt er in der Regel aus Schermbeck. Nur wenn das Schermbecker Fahrzeug nicht verfügbar ist, gibt es einen Einsatz für den Borkener Rettungswagen. Von der Kreisstadt Borken aus wird auch weiterhin der Notarztwagen für den Raum Erle eingesetzt, da der Notarztdienst in Schermbeck anders organisiert ist.

2 Responses to “Kreisübergreifende Rettung”

  1. Marcus on November 20th, 2010 10:54

    Mir scheint, als wollen uns die Kreise Borken und Wesel diese kreisübergreifende Kooperation als „rettungsdienstliches Ei des Kolumbus“ verkaufen, das nach deren Vertreter bestimmt auch einmalig in Deutschland sein muss (das war jetzt ironisch).

    Was z. B. bei uns in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten auch OHNE Vereinbarungen mit den angrenzenden Landkreisen tagtäglich praktiziert wird – und das ohne einer vorherigen Versuchsphase! – sollte doch eigentlich bundesweit üblich sein.

    Die entsprechenden Kreisvertreter sollten sich schämen, dass sie diese jetzt geschlossene Vereinbarung auch noch pressewirksam an die große Glocke hängen. Eigentlich gehörten sie verklagt, dass die politische Ebene die kreisübergreifende Nachbarschaftshilfe all die Jahre über wohl verweigert hatte.

  2. Status3 on November 20th, 2010 13:15

    Naja so feiern muss man sich für diesen „Erfolg“ auch nicht. Sowas sollte selbstverständlich sein und ist es in vielen Regionen Deutschlands schon.

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