Kreis Pinneberg stellt eigene LNA-Gruppe auf


Pinneberg (RKiSH) – Am Montag hat eine neue Gruppe von Leitenden Notärzten im Kreis Pinneberg die Arbeit bzw. einen Rufbereitschaftsdienst aufgenommen.

Ein Bahnunglück mit zahlreichen Verletzten, ein Amokläufer oder auch eine große Zahl akut erkrankter Personen – immer, wenn mehr als sieben Personen gleichzeitig ernsthaft verletzt werden oder gefährdet sind, liegt im Kreis Pinneberg ein so genannter „Größerer Notfall“ vor. Dann wird neben den eingesetzten Notärzten zusätzlich ein Leitender Notarzt hinzugezogen. Er koordiniert die medizinischen Sofortmaßnahmen und trifft Entscheidungen, was mit den betroffenen Patienten geschehen soll. Gemeinsam mit dem organisatorischen Leiter Rettungsdienst bildet der Leitende Notarzt die Technische Einsatzleitung (TEL), die vor Ort alle wesentlichen medizinischen und organisatorischen Entscheidungen gemeinsam trifft.

Ab sofort gibt es auch im Kreis Pinneberg eine eigene Gruppe von Leitenden Notärzten (LNA), deren Mitglieder sich den Rufbereitschaftsdienst teilen. Initiator dieser Gruppe ist Dr. Ernst-Peter Horn, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und OP-Management am Klinikum Pinneberg, der gleichzeitig seit Juli 2009 auch der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes des Kreises ist. Als Sprecher der Gruppe wurde Frank Bartelsen, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie des Regio Klinikums Elmshorn, berufen.

„Wir wünschen uns schon seit längerem erfahrene Ärzte aus unserem Einzugsgebiet als Leitende Notärzte, die die Region und die anderen Mitarbeiter des Rettungsdienstes persönlich kennen“, erläuterte Michael Reis, Geschäftsführer der Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH). Bis dahin musste stets ein Leitender Notarzt aus anderen Regionen angefordert werden; eine Zusammenarbeit, die allerdings durch die längere Anfahrtszeit eine optimale Einsatzführung erschwerte.

Mit der neuen LNA-Gruppe im Kreis Pinneberg sollen auch die Forderungen des schleswig-holsteinischen Landesrettungsdienstgesetzes optimiert  werden. In enger Abstimmung mit dem Rettungsdienst muss der Leitende Notarzt in einem Großschadensfall weitreichende medizinische Entscheidungen treffen. Nach Ansicht von Michael Reis und Dr. Ernst-Peter Horn könne das nur ein Arzt, der Land und Leute sowie die Gegebenheiten vor Ort gut kenne.

Die Beteiligten sind sich einig, dass die Kommunikation schon vorher stimmen müsse. Immerhin gebe es im Kreis Pinneberg mit etwa 300.000 Menschen, zwei großen Autobahnen, einer Flughafen-Einflugschneise und der Nähe zur Elbe jede Menge Gefahrenpotenzial.

Insgesamt werden an drei Standorten im Kreis Pinneberg etwa 60 Notärzte eingesetzt, die verschiedenen Fachrichtungen angehören. Über die Zusatzqualifikation „Leitender Notarzt“ verfügen 14 Ärzte, von denen sich wiederum sechs derzeit den Rufdienst teilen. Sie organisieren untereinander die Rufbereitschaft, sodass zu jeder Tag- und Nachtzeit ein LNA zur Verfügung steht, und treffen sich monatlich zu internen Fortbildungen. Glücklicherweise müssen sie nicht häufig alarmiert werden. Die RKiSH rechnet mit 20 bis 40 Einsätzen im Jahr.
Die Anforderungen an Leitende Notärzte gehen über die für „normale“ Notärzte deutlich hinaus. Neben dem „Fachkundenachweis Rettungsdienst“ oder der „Zusatzweiterbildung Notfallmedizin“ muss eine von der Bundesärztekammer zertifizierte Fortbildung mit Abschlussprüfung absolviert werden. Damit haben die betreffenden Ärzte die notwendige Qualifikation, um bei einem so genannten Großschadensereignis mit mehreren Verletzten oder Erkrankten die medizinischen Maßnahmen am Schadensort zu leiten und zu koordinieren.

Die RKiSH, in deren Auftrag die Leitenden Notärzte tätig werden, organisiert die einheitliche Durchführung der Notfallrettung und des qualifizierten Krankentransportes in den Kreisen Dithmarschen, Pinneberg, Rendsburg – Eckernförde und Steinburg. Zum Rettungsdienst in Pinneberg gehören die sechs Rettungswachen in Elmshorn, Uetersen, Barmstedt, Pinneberg, Quickborn und Wedel.

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