Krankenkassen fordern mehr Mitsprache im Rettungsdienst  


Dresden (pm/rd.de) – Die gesetzlichen Krankenkassen in Sachsen begrüßen die Pläne der Landesregierung, Leistungen des Rettungsdienstes künftig ausschreiben zu wollen. Um einen qualitativ hochwertigen, aber zugleich finanzierbaren Rettungsdienst sicherzustellen, brauche es mehr Wettbewerb.

Die zunehmende Morbidität der älter werdenden Bevölkerung, ein verändertes Inanspruchnahmeverhalten und eine bessere Ausstattung der Rettungsfahrzeuge mit Medizintechnik und Medikamenten haben neben anderen Einflüssen zu enormen Kostensteigerungen beim Rettungsdienst der letzten Jahre beigetragen. Von 2005 bis 2012 (Prognose) erhöhten sich die jährlichen Gesamtkosten um rund 53 Millionen Euro, was einer Gesamtsteigerungsrate von etwa 46 Prozent entspricht.

Diese Entwicklung ist eine gemeinsame Herausforderung für alle am Rettungsdienst Beteiligten. Die Aufgabe steht, einen qualitativ hochwertigen, aber zugleich finanzierbaren Rettungsdienst sicherzustellen. Das erfordert die Bereitschaft zu größerer Kostensensibilität.

Diese kann es nach Ansicht der Krankenkassen nur durch Wettbewerb geben. Monopolisierung in Form einer Kommunalisierung des Rettungsdienstes bedeute hingegen Stillstand und die Hilfsorganisationen von einer Beteiligung am Rettungsdienst auszuschließen.

Krankenkassen fordern mehr Mitsprache

Die Krankenkassen sprechen sich dafür aus, ein vollumfängliches Vergabeverfahren durchzuführen, weil damit Lohndumping wirksam verhindert wird. Neben der Personalgestellung fließen die Kosten für Fahrzeuge, Medikamente und Rettungswachen als Bestandteile in die Kalkulation ein. Nur qualifiziertes Personal kann die hohen Standards des Rettungsdienstes erfüllen. Es sollte klar sein, dass diese Fachleute nicht zu Billiglöhnen zu haben sind.

Der Verband der Ersatzkassen kritisiert in seiner Pressemitteilung, dass bei der Standortwahl der Rettungswachen und der Vorhaltung von Technik Eigeninteressen dominieren würden. Notwendige strukturelle Veränderungen kommen seit Jahren nicht voran. Die gesetzlichen Krankenkassen in Sachsen haben einen Sicherstellungsauftrag für die notärztliche Versorgung ohne die erforderlichen Kompetenzen erhalten zu haben. Es sei an der Zeit, diesen Missstand zu überwinden.

20 Responses to “Krankenkassen fordern mehr Mitsprache im Rettungsdienst  ”

  1. Peter Beck via Facebook on Mai 2nd, 2012 12:59

    Zitat: “Die Krankenkassen sprechen sich dafür aus, ein vollumfängliches Vergabeverfahren durchzuführen, weil damit Lohndumping wirksam verhindert wird.”

    Solch ein Quatsch… Der Rettungsdienst läßt sich doch nur durch die Personalkosten variieren… Niedrige Löhne = geringere Kosten… Wenn dies das Ziel der Krankenkassen ist, dann gute Nacht… Denn ein guter Rettungsdienst benötigt einen motivierten Rettungsdienstler…

  2. Peter Beck via Facebook on Mai 2nd, 2012 12:59

    Zitat: “Die Krankenkassen sprechen sich dafür aus, ein vollumfängliches Vergabeverfahren durchzuführen, weil damit Lohndumping wirksam verhindert wird.”

    Solch ein Quatsch… Der Rettungsdienst läßt sich doch nur durch die Personalkosten variieren… Niedrige Löhne = geringere Kosten… Wenn dies das Ziel der Krankenkassen ist, dann gute Nacht… Denn ein guter Rettungsdienst benötigt einen motivierten Rettungsdienstler…

  3. Stefan Uh via Facebook on Mai 2nd, 2012 13:14

    Die spinnen ja wohl, die Kassen. Haben die sich mal angeschaut, wieviel Prozent der Ausgaben im Gesundheitssystem im Rettungsdienst getätigt werden? Anstatt Lohndumping im Rettungsdienst aktiv zu fördern könnte man auch einfach ein paar der unzähligen und überflüssigen Kassen dicht machen.

  4. Stefan Uh via Facebook on Mai 2nd, 2012 13:14

    Die spinnen ja wohl, die Kassen. Haben die sich mal angeschaut, wieviel Prozent der Ausgaben im Gesundheitssystem im Rettungsdienst getätigt werden? Anstatt Lohndumping im Rettungsdienst aktiv zu fördern könnte man auch einfach ein paar der unzähligen und überflüssigen Kassen dicht machen.

  5. Jens Jassens via Facebook on Mai 2nd, 2012 13:31

    @Peter: Genau so ist es…

  6. doggi on Mai 2nd, 2012 14:11

    unfassbar !

  7. Kranker Pfleger on Mai 2nd, 2012 14:27

    Kostenreduzierung ist mitnichten nur über Personalkosten möglich.

    Eine wirksame Reduzierung von Kosten ist im Einkauf von RD-Fahrzeugen, Dienstbekleidung, Medizintechnik und Verbrauchsmaterial möglich ohne daß es zu einem Qualitätsverlust kommt. Auch gemeinsame Abrechnungsstellen für Transportkosten sowie ggf. Personal konnen zur effizienten Senkung der Kosten genutzt werden.

    Einsparungen sind weiterhin bei Führungskräften möglich. Warum muß es in jedem Landkreis, auch bei Anbietern die der selben Dachorganisation angehören, einen eigenen Geschäftsführer der “RD gGmbH” nebst eigenem RD Leiter geben?

  8. der Münchner on Mai 2nd, 2012 14:57

    Zitat: “Der Verband der Ersatzkassen kritisiert in seiner Pressemitteilung, dass bei der Standortwahl der Rettungswachen und der Vorhaltung von Technik Eigeninteressen dominieren würden. ”

    In Bayern brauchen wir für sowas keine Kassen, hier macht sowas gleich das Innenministerium mit seinem TRUST Gutachten. Dies führte in München zu Streichungen von RTW Schichten. Es wurde aber auch ein Notarztstandort im einwohnerstarken südöstlichen Landkreis eingerichtet. Dafür wurde leider der Notarztstandort Rechts der Isar geschlossen. Nun fahren das Ottobrunner NEF (das neue Lkr NEF) und das NEF aus Neuperlach immer in die Stadt, da die Lücke dort nicht geschlossen wurde. Seltsamerweise verwundert das jetzt einige Entscheider. Dabei fällt dieses Loch jedem Fremden auf, der einen Stadtplan lesen kann. Die FRPs der Lkr FW haben jedes Jahr auch mehr Einsätze (2009 waren es 2.500, 2011 nun knapp 3.000). Tja, glaube kaum, dass die Kassen da was besseres planen werden.

  9. André Fürstenberg via Facebook on Mai 2nd, 2012 15:21

    Billig billig billig! Wer kann es billiger? BOLLEG! Bald steht auch er vor Ihrer Tür: http://www.youtube.com/watch?v=49EOslVtYtA

  10. Christoph on Mai 2nd, 2012 16:24

    Es ist völlig legitim, dass die Krankenkassen hier auch ein Wörtchen mitsprechen wollen. Allerdings wird der Faktor Kosten überwiegend über die Gehälter der Kollegen reguliert. Das Einkaufsgemeinschaften für Fahrzeuge etc. Sinn machen und m. E. auch Standart sein müssen, auch HiOrg-übergreifend ist keine Frage. Das Standesdenken wird uns aber noch einige Jahre begleiten.
    Denn z.B. den Jahrespraktikanten (der auf einen Job hofft) für wenig Geld als festen Mitarbeiter zu übernehmen ist nunmal einfacher, als mit irgendwelchen Großhändlern über Preise zu verhandeln.
    Es gibt noch viel zu tun, vorallem in den Chefetagen sämtlicher RD-Anbieter!

  11. Christian Puts via Facebook on Mai 2nd, 2012 17:43

    Das ist ja wieder typisch,
    nimmt man die Daten von Wikipedia hatten die Krankenkassen 2009 gesamt (Privat und gesetzlich) Ausgaben in höhe von 186,9 Mrd. €
    Allein die Verwaltungskosten liegen gesamt bei 12,6 Mrd. €

    Man nehme die wunderschöne Formel zur errechnung des Prozentsatzes aus der schule (p%=W/G) und stelle folgendes fest:
    Die angenommenen jährlichen Kosten für den RD: 53 Mio. € (W)
    Die jährlichen Ausgaben von Krankenkassen: 186,9 Mrd. € (G)
    p%=53.000.000/186.900.000.000
    p%=0,000283574104
    p%=0,0283%

    Das macht den Kuchen sicher fett wenn man dort an der Preisschraube dreht….. ist ja nicht so als lägen die Verwaltungskosten bei 6,74%

  12. Alexander on Mai 2nd, 2012 20:02

    Kosten reduzieren. Aber gerne. Fangen wir doch mal den KK sekber an.
    Der Lohn einer Sozialversicherungsfachangestellten liegt ungefähr bei 2200 brutto für 38 1/2 Std. die Woche. Da könnte man bestimmt etwas dran drehen. So viel kriegt ein RA mit Zulagen gerade eben bei 48 Std.

    Die Verwaltungskosten sind die höchsten. Also erst an die eigene Nase fassen.
    Ausgaben werden eingespart und zwar immer zu erst beim Personal.
    Aber wir wollen mal abwarten, bis der Chef der AOK plötzlich einen RTW/NEF braucht und keiner so schnell kommt weil die AOK einen RTW gestrichen hat. Dann liegt er eben länger da und muss warten bis sein Apoplex versorgt wird. Dann ist das geschrei wieder groß.

    Beim RD kann man immer schnell die Preisschraube nach unten drehen, denn iwr haben keine Lobby.
    Also Liebe Kollegen und Kolleginnen organisiert euch. Gemeinsam sind wir stark und können uns wehren.

    In diesem Sinne einen ruhigen Dienst allen
    (P.S.: Natürlich möchte ich nicht das dem Chef der AOK was passiert, es sollte nur verdeutlichen das die Sparpolitik auch die besser verdienenden betrifft)

  13. Ingo vom roten Plus on Mai 2nd, 2012 20:15

    Erst die Krankenhäuser weg!
    Dann die Fachärzte weg!
    Dann die Hausärzte weg!
    Rettungsdienste werden geschröpft und reduziert!
    Dann sollen die RD – MA für Hungerlöhne arbeiten
    Auch die sind dann weg!
    Was bleibt sind die Krankenkassen, die sich immer mehr Geld in die Taschen stecken, damit die Vorstände ein tolles Leben haben!
    Aber es bleibt nun noch die Frage:
    Wann werden die Krankenkassen reduziert?
    Bei dem Streichkonzert, wird man auch bald mal fragen, brauchen wir noch Krankenkassen, wenn kein Mensch mehr lebt?
    Ich kann fast nur noch alle Krankenkassen verachten.

  14. Ingo vom roten Plus on Mai 2nd, 2012 22:00

    Ach ja, vergessen.
    Der ärztliche Notdienst wurde ja auch zusammengeschnitten.
    Wer darf es ausbaden?
    Na der Rettungsdienst!

  15. SH on Mai 3rd, 2012 02:34

    Na, Christian, das mit den 53 Mio € kann wohl nicht ganz stimmen. Bei uns hat EIN 24h-RTW ein Jahresbudget von etwas mehr als 500.000 Euro.
    Bei 53 Mio € würde das ja gerade mal für 106 RTW in Deutschland reichen.
    Ich denke mit rund 1% der Gesamtausgaben müsste das ungefähr hinhauen.

  16. Achim on Mai 3rd, 2012 09:16

    @Christian

    Man muss zu deiner Rechnung aber noch ergänzen daß die von dir angeführten 53 Mio € nur die Kosten für das Land Sachsen darstellen! Und die 186 Mrd Bundesweite Kosten im Gesundheitswesen.
    Was man den Krankenkassen zugute halten muss ist der Umstand daß sie nun doch erkannt haben daß der Rettungsdienst ein wichtiger Faktor im weiteren Verlauf vieler Erkrankungen und Verletzungen darstellt. Wenn hier was versiebt wird können die Folgekosten enorm ansteigen. Abgesehenvon den persönlichen Schicksalen der Betroffenen!
    Daher sehe ich den Wunsch auf mehr Einflussnahme in die Einheitlichkeit der Qualität der Rettungsdienstbetreiber durchaus als berechtigt an. Prinzipiell ist es ja so daß bei Vergaben nach Dienstleistungskonzessionen es nahzu zu keinem Wettbewerb für die Konzessionsnehmer kommt. Wenn man mal drin ist ist man drin. Dies gilt dann im RD genauso wie für den Bierausschank auf dem Volksfest. Gerade bei den drei grossen RD Konzessionsländern Bayern, Ba.Wü. und Hessen kann man erkennen daß es so gut wie keine k.o. Kriterien für die RD Betreiber gibt.
    Die Gefahr einen Kostenvorteil allein auf dem Rücken der Beschäftigten zu erzielen ist natürlich groß. Allerdings kommt es darauf an wie durch das betreffende Landesparlament die Ausschreibungskriterien modelliert werden. Hier könnte sich das Land Sachsen durchaus als Musterländle, wie wir Schwaben sagen, etablieren.

  17. Rene on Mai 3rd, 2012 13:49

    Was wird wohl passsieren wenn der RD Dienstleister Geld verdienen muss um sich zu finanzieren, eine Meldung ” am Ort geheilt ( BvO )” wirdt es dann nicht mehr geben, da wir nur Geld verdienen, wenn wir den Patienten transportieren. Denn nur ein TRAPO Schein wird von den Kassen bezahlt. bei einer BVO ist zumindest der RTW umsonst da. In meinen über 20 Jahren im RD liegt die Quote BvO im Schnitt bei ca. 30 – 40 %. Wenn wir nun alles transportieren müssen um Geld zu verdienen Na dann gute Nacht. Dann stecken die KK das wenige gesparte Geld in viele neue KH mit unzähligen Diagnostikmöglichkeiten und schon beisst sich die Katze wieder in den Schwanz.

  18. Achim on Mai 3rd, 2012 15:37

    @Rene
    Mir ist jetzt nicht ganz klar auf was Sie hinaus wollen?

  19. Ingo vom roten Plus on Mai 3rd, 2012 21:45

    Na Achim, ist doch klar!
    Es wird immer Transportiert!
    Egal was es ist und wenn es “nur” eine kleine Hautrötung von nicht mal 1 cm ist!
    Ich diskutiere schon lange nicht mehr, deswegen.

  20. mc-maeggie on Mai 24th, 2012 22:55

    Über was diskutiert ihr eigentlich? Deutschland ist nachwie vor gespalten.Ich kann es nicht mehr erhören und lesen was in Deutschland abgeht.Warum wird eigentlich die Arbeit eines RA / RS nicht honoriert,geht bitte in die KH da ist der Lohn dem Westgehalt angepasst worden!Beim Rettungsdienst bleibt es wie es ist und das ist mir nach zwanzig Jahren im RD zublöd! Und jetzt müssen wahrscheinlich einige Hydrosaphulus um ihren Job bangen und deshalb kommt dieses schwachsinnige Gelaber heraus.Mein AG hat uns gesagt wir würden zuviel verdienen!Ich sag aber:” Ich verdiene im Gegensatz zu den alten Bundesländern 1000€ zuwenig.! Aber wir feiern ganz dicke 20 Jahre deutsche Einheit.Viele Grüße an Frau Merkel sie hat bei Erich Honnecker viel gelernt.

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