Junge Wasserwachtler können nicht ausrücken


Rettungsring145München (BRK) – „Drei Personen auf dem See ins Eis eingebrochen!“ – und niemand kommt: Die Wasserwachtler können nicht losfahren, weil keiner ein Fahrzeug mit Anhänger fahren darf. „So könnte die Zukunft aussehen“, warnt die Vorsitzende der Wasserwacht Bayern, Ulrike Scharf.

Grund ist einmal mehr die EU-Führerscheinrichtlinie. Sie sieht vor, dass Inhaber der Führerscheinklasse C zwar Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen führen dürfen, aber eben keine Anhänger. Doch die sind nahezu täglich im Einsatz bei der Wasserwacht. Diese Regelung gilt seit 1. Januar für alle, die ihren Führerschein nach 1999 gemacht haben. Allein bei der Wasserwacht Bayern sind dies 2.425 junge Ehrenamtliche. „Das bedeutet, dass wir zwar zum Einsatz fahren können, aber das dringend benötigte Rettungsmittel auf dem Anhänger in der Garage bleiben muss. Das ist wirklich bürokratischer Wahnsinn!“, erläutert Scharf.

Jetzt ist die Politik gefordert, um die sich abzeichnenden dramatischen Folgen für die immerhin im Bayerischen Rettungsdienstgesetz festgeschriebene Wasserrettung zu verhindern. Es muss die – nun einmal EU-weit vorgeschriebene – Zusatzausbildung zum Führen von Fahrzeugen mit Anhängern von Dritten finanziert werden. „Die Kosten den jungen Ehrenamtlichen, die entweder am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen oder studieren, aufzubürden, ist nicht tragbar“, stellt die Vorsitzende der Wasserwacht Bayern fest und appelliert an Innenminister Joachim Herrmann, sich für eine Lösung bei den Kostenträgern einzusetzen. Scharf: „Es kann ja nicht ernsthaft gewollt sein, dass junge ehrenamtliche Wasserretter, die bereits ihre Freizeit für die Sicherheit anderer opfern, nun auch noch rund 944 Euro für den Anhängerführerschein aus eigener Tasche bezahlen müssen“.

2,3 Millionen Euro Extrakosten

Bereits jetzt schon wendet die Wasserwacht Bayern aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden rund 11 Millionen Euro auf, um die Wasserrettung in Bayern zu sichern. Nun müsste die Wasserwacht Bayern nochmals rund 2,3 Millionen Euro aufbringen, um allen jungen Ehrenamtlichen den Erwerb des Anhängerführerscheins zu bezahlen. Scharf: „Das können wir nicht mehr leisten.“ Wenn sich nichts tut, fürchtet die Vorsitzende: „Wir werden diese jungen Leute verlieren.“ Das könnte dramatische Auswirkungen auf das Rettungssystem haben: Die vom Bayerischen Rettungsdienstgesetz vorgeschriebene Hinterlegung von Dienstplänen zur Sicherstellung des Wasserrettungsdienstes kann dann nicht mehr gewährleistet werden.

5 Responses to “Junge Wasserwachtler können nicht ausrücken”

  1. sebi19222 on Februar 18th, 2010 11:12

    Dieses Problem mit den EU-Führerscheinen, wird das ehrenamtliche Rettungswesen noch lange beschäftigen.
    Die ehrenamtlichen Kräfte erhalten für ihre Arbeit keinen cent…. aber sollen Gelder in ihr Ehrenamt stecken? Wo sind wir? Meiner Meinung nach sollte den die Bundesländer und der Bund, mehr für seine ehrenamtlichen Helfer machen, ohne ehrenamtlich geht nichts mehr… und das wissen sie… aber ich finde es nicht gut wenn ehrenamtliche für die viele Freizeit die sie opfern ach noch in die eigene Tasche greifen müssen…. sorry musste aber mal raus….

  2. Deichschubser on Februar 18th, 2010 12:22

    Da kommen mir echt die Tränen. Klar, das sind erhebliche Mehrkosten, aber dass die anfallen werden, das ist seit Jahren bekannt. Die Feuerwehren und HiOrgs haben jahrelang die Köpfe in den Sand gesteckt. Und jetzt kommt ganz ganz plötzlich ein Führerscheinnotstand. Wenn andere Problematiken in der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr genauso stiefmütterlich bearbeitet werden, dann GUTE NACHT.

  3. Hund Carina on Februar 18th, 2010 18:19

    Das ist mal wieder typisch deutsch! Man könnte ja eine Ausnahmeregelung entwerfen, aber nein… Stattdessen werden die ehrenamtlichen “ unbezahlbaren“ Helfer mehr oder weniger dazu gezwungen, sich den Kram selbst zu bezahlen. Hallo!!! GEHT´S NOCH???

  4. bluelight_tom on Februar 24th, 2010 17:33

    Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht wo das Problem liegt:

    Führerscheinklasse B:
    Zugfahrzeug 3,5 to + 750kg Anhänger (also 4250kg) ist erlaubt.
    Heißt, ein Wasserrettungsfahrzeug und zB ein Schlauchboot oder kleines
    Motorboot können gefahren werden.

    Für die Ergänzung BE könnte zB ein Rahmenvertrag mit einer örtl. Fahrschule geschlossen werden, so dass die allgemeine Belastung reduziert werden kann.
    Abgesehen davon, kostet der „E“-Teil lange nicht soviel wie zB C oder CE
    (zB Feuerwehrfahrzeuge). Und mal ehrlich, in die Situation einen Anhänger zu ziehen, kommt man privat auch schon mal. Also wäre es so eine Win-Win-Situatoion für Organisation und Einsatzkraft.

  5. Michagift on Februar 24th, 2010 19:19

    Erst wenn kein Ehrenamtlicher meh zum Dienst kommt, erst dann weiß die Regierung was es kostest das System am laufen zu erhalten.!

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