Johanniter haben Genscher-Preis verliehen


Hannover (JUH) – Die diesjährigen Träger des Hans-Dietrich-Genscher-Preises und des Johanniter-Juniorenpreises wurden am vergangenen Donnerstag im Alten Rathaus zu Hannover bekanntgegeben. Die Jury entschied sich in beiden Fällen für mutige Einsätze bei der Wasserrettung.
 
Unter den zahlreichen Bewerbern aus dem ganzen Bundesgebiet fiel die Wahl für den Preisträger des Hans-Dietrich-Genscher-Preises 2009 auf Torben Breden, einen 30-jährigen Rettungsassistenten aus Osterholz-Scharmbeck.

Torben Breden hatte im August 2008 Dienst in der DRK-Rettungswache Osterholz-Scharmbeck und wurde zu einem Einsatz in Worpswede gerufen. Dort war in der Hamme ein Torfkahn mit einer 15-köpfigen Landfrauengruppe gekentert und trieb kieloben. Während die Besatzung des Rettungswagens bereits gerettete Personen versorgte, befanden sich noch weitere Frauen unter dem treibenden Boot. Torben Breden zögerte nicht und sprang sofort ins Wasser.

Nachdem er sich in der völligen Dunkelheit des Moorwassers tauchend seinen Weg durch die Bootsabdeckung erkämpft hatte, entdeckte er unter dem Rumpf in einer Luftblase zwei Verunglückte, die sich, da Nichtschwimmerinnen, krampfhaft am Boot festhielten. Torben Breden beruhigte die Opfer und brachte sie anschließend nacheinander wohlbehalten an Land, wo sie weiter versorgt wurden und das Unglück schadlos überstanden.

Der Johanniter-Juniorenpreis 2009 ging an Marina (14) und Selina Stolle (15) aus Bad Aibling. Ebenfalls im August 2008 waren die Cousinen zusammen mit ihrer Tante am Hofstätter See. Beim Schwimmen bemerkte Selina, dass die Frau neben ihnen auf einmal mit dem Gesicht nach unten im Wasser trieb. Nachdem sie auf Ansprache nicht reagierte entschlossen sie sich, die 81-jährige Frau an das rund 30 Meter entfernte Ufer zu schleppen.

Obwohl der Strand voller Menschen war, konnte keiner der anwesenden Badegäste helfen. Erst eine bewusst angesprochene Frau machte ein Ärztepaar ausfindig, das die Versorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes übernahm.

Selina Stolle übermittelte Grußworte ihrer Cousine Marina, die wegen einer Sprachstudienreise auf die Insel Malta nicht selbst anwesend sein konnte, und nahm die Auszeichnung mit sichtlichem Stolz entgegen. Selina Stolle ist Mitglied der Wasserwacht Bad Aibling im Bayrischen Roten Kreuz und Inhaberin des Deutschen Rettungsschwimmabzeichens.

Die Preisverleihung fand in feierlichem Rahmen statt und die Übergabe der Auszeichnungen wurde auch in diesem Jahr von Hans-Dietrich Genscher persönlich vorgenommen.

„Die Auszeichnungen gehen an Menschen, die mit ihrem beherzten Handeln eine wunderbare Geste der Menschlichkeit gezeigt haben und Beispielgeber für alle sein sollten“, so Genscher in seiner Festrede.

Hans-Peter von Kirchbach, Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH), betonte: „Unsere Preisträger heute sind Vorbilder mit couragierter innerer Haltung, die die Verantwortung für die Gemeinschaft ebenso in sich trägt wie die Zuwendung zum Nächsten.“

Die diesjährigen Preisträger für den Hans-Dietrich-Genscher-Preis und den Johanniter-Juniorenpreis wurden durch eine prominente Jury ausgewählt: Neben Prof. Dr. med. Siegfried Piepenbrock, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover und Landesarzt der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., und dem JUH-Präsidenten Hans-Peter von Kirchbach waren Uwe Schünemann, Niedersächsischer Minister für Inneres, Sport und Integration, Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil sowie Rebecca Siemoneit-Barum, Artistin, Moderatorin und Schauspielerin, Jurymitglieder für die Auszeichnungen 2009. Letztere konnte aufgrund aktueller Dreharbeiten zur neuen Staffel der „Lindenstraße“ nicht persönlich bei der Preisverleihung anwesend sein. Die Auszeichnung für den Johanniter-Juniorenpreis wurde daher von Cosima Viola übergeben, ebenfalls Schauspielerin aus der „Lindenstraße“.
 
Die Johanniter belohnen traditionell alle zwei Jahre besonderen Mut oder Einsatz bei der Hilfe am Menschen. Der Hans-Dietrich-Genscher-Preis, der heute bereits zum achten Mal verliehen wurde, richtet sich an Erwachsene, die sich in der Notfallrettung, der Rettungsmedizin oder als Lebensretter besonders verdient gemacht oder diesbezüglich wegweisende Konzepte und Strukturen entwickelt haben. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert. Mit dem Johanniter-Juniorenpreis werden Leistungen von Nachwuchsrettern bis zu einem Alter von 18 Jahren mit Sachpreisen ausgezeichnet.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?