Großschadensfälle ohne Ehrenamt kaum zu bewältigen


Münster (ps) – 72.925 Einsätze absolvierten Feuerwehr und Rettungsdienst der Stadt Münster in den vergangenen beiden Jahren. Die Einsatzerfahrungen aus 2008 und 2009 machen klar, dass eine Gefahrenabwehr in Großschadensfall ohne ehrenamtliche Einheiten kaum zu leisten wäre.

Die vielfältigen Anforderungen, die dabei an die Feuerwehr gestellt wurden, lassen sich an der Bilanz 2008 / 2009 ablesen: Gezählt wurden 45 064 Einsätze in der Notfallrettung, 4267 technische Hilfeleistungen und 1811 Brandalarmierungen. Wegen technischer Umstellungen in der Leitstelle legt die Feuerwehr in diesem Jahr erstmals eine Bilanz für zwei Jahre vor. „Wir beobachten bereits seit mehreren Jahren, dass die Zahl der technischen Hilfeleistungen kontinuierlich zunimmt. Dies ist vor allem auf extreme Wetterlagen zurückzuführen, die stets einen sprunghaften Anstieg hilfesuchender Anrufe in der Leitstelle zur Folge haben“, fasst Feuerwehr-Chef Benno Fritzen zusammen. „Mehrere, teils parallele Großeinsätze stellten das Management der Gefahrenabwehr in den beiden vergangenen Jahren auf die Probe.“

Unwetter forderten Berufsfeuerwehr und Hilfsorganisationen

Wie bereits beim Sturm „Kyrill“ 2007 kam die Leitstelle der Berufsfeuerwehr auch beim Unwetter am 30. Mai 2008 an ihre Kapazitätsgrenzen. Ein schweres Gewitter mit extremen Niederschlägen tobte in dieser Nacht über Münster und setzte innerhalb weniger Minuten Straßen und Keller unter Wasser. 1300 Notrufe gingen zwischen 23.30 Uhr und 2 Uhr in der Leitstelle der Feuerwehr ein. Beide Löschzüge der Berufsfeuerwehr, alle 20 Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr und das Technische Hilfswerk nahmen den Kampf gegen die Fluten auf. Über 500 Einsatzkräfte waren mit 60 Fahrzeugen im Einsatz. Das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter-Unfallhilfe, der Malteser Hilfsdienst und der Arbeiter-Samariter-Bund stellten zusätzliche Rettungswagen in Dienst und entlasteten so die Berufsfeuerwehr von Aufgaben im Rettungsdienst. Als der Einsatz am nächsten Morgen endete, wies die Statistik 530 Einsatzstellen aus, die innerhalb von zwölf Stunden abgearbeitet worden waren.

Es war der größte Einsatz der Feuerwehr Münster seit „Kyrill“ 2007. „Dieser Großeinsatz hat ganz deutlich gezeigt, dass die Gefahrenabwehr in der Stadt Münster ohne ehrenamtliche Einheiten weder effektiv noch wirtschaftlich zu leisten ist“, erläutert Benno Fritzen. „Auch mit Unterstützung aller übrigen Hilfsorganisationen sind wir bei Masseneinsätzen mit umgestürzten Bäumen und voll gelaufenen Kellern nicht in der Lage, überall sofort und umfassend zu helfen. Wir sind dann gezwungen, Prioritäten zu setzen und zunächst dort zu helfen, wo sich Menschen oder Tiere in unmittelbarer Gefahr befinden. Wir hoffen, dass die Bürgerinnen und Bürger dafür Verständnis haben.“

Die größte Katastrophenschutzübung in der Geschichte der Stadt Münster stand im September 2009 auf dem Programm: Unter dem Titel „Rescue 2009“ stellten sich mehr als 2000 Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Polizei, der Hilfsorganisationen und des Technischen Hilfswerks der Aufgabe, einen „Massenanfall von Verletzten“ zu bewältigen. Benno Fritzen: „Die Übung hat gezeigt, dass die geplanten Konzepte und die Absprachen zwischen den Organisationen auch im Ernstfall funktionieren würden. Wichtige, durch die Übung gewonnene Erkenntnisse fließen jetzt in die Überarbeitung der Konzepte ein.“

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?