Geiselnahme in der Polizeiwache


Hamm (BF) – Am vergangenen Samstag, dem 4. September 2010, kam es auf der Hauptwache der Polizei an der Hohe Straße zu einer blutigen Geiselnahme. Täter schoss Polizisten mit einer Gaspistole mehrfach in den Kopf.

Der spektakuläre Übergriff begann in den frühen Nachmittagsstunden. Der 41-jährige Hammer war gegen 14.45 Uhr auf der Wache erschienen und hatte vorgegeben, endlich mit einem „Verantwortlichen“ über „seine Situation“ reden zu wollen. Diesen Verantwortlichen fand er in Person des 48-jährigen Polizeioberkommissars. Der Beamte stand ihm allein im Wachraum gegenüber. Mit einem Mal brannten dann bei dem bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getretenen Besucher alle Sicherungen durch. „Er ist plötzlich über den Tresen gesprungen und hat dem Beamten mehrfach ins Gesicht geschossen. Alles geschah völlig unvermittelt”, sagte Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel.

Die Tatwaffe hatte der Hammer offensichtlich selbst mit aufs Revier gebracht. Die Situation spitzte sich jedoch weiter zu, als er dem schwer verletzten Beamten dessen Dienstwaffe abnahm.

Kollegen aus dem hinteren, durch eine Glasscheibe abgetrennten Teil des Wachraums versuchten den Mann übers Telefon zur Aufgabe zu bewegen. Auch die Ehefrau des 41-Jährigen stand in Telefonkontakt mit ihrem Mann. Draußen wurde die Hohestraße abgesperrt und Beamte nahmen mit schusssicheren Westen Position ein. Der Durchbruch gelang schließlich einer Polizeibeamtin, die den Täter zur Aufgabe bewegen konnte.

Der Polizeibeamte befand sich insgesamt über eine Dreiviertelstunde in der Gewalt eines 41-jährigen Mannes, der offenbar psychisch krank ist. Der Mann wurde festgenommen und der blutüberströmte Kollege ins Krankenhaus gebracht. Der 48-Jährige schwebte offenbar zu keinem Zeitpunkt in Lebensgefahr. Dass es ihm am Sonntag schon wieder relativ gut ging, war jedoch keineswegs selbstverständlich. „Er hätte durchaus sein Augenlicht verlieren können”, sagte Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel über den Beamten, der noch zur Beobachtung im Krankenhaus verweilen musste.

Ein Psychiater stufte den 41-jährigen gestern als psychisch krank und weiterhin gefährlich ein. Daraufhin wurde eine Überführung in eine forensische Psychiatrie angeordnet. Wie Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel erläuterte, gilt der Mann damit zunächst als schuldunfähig.

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