Funkmaststreit beigelegt


Potsdam / Werder (pm/rd.de) – Der ursprünglich auf dem Gelände der Zollschule im Werderaner Ortsteil Plessow (Landkreis Potsdam-Mittelmark) geplante Funkmast für den künftigen Digitalfunk wird an einem neuen, etwa ein Kilometer entfernten Standort auf der anderen Seite der Bundesstraße B1 errichtet.

Der ursprünglich geplante Standort war funktechnisch geeignet, kostengünstig, mit der Kommune abgestimmt und was die Strahlenbelastung betrifft unbedenklich. Er verfügte bereits über eine rechtskräftige Baugenehmigung. Doch um den Standort gab es Streit: Eine Bürgerinitiative stemmte sich gegen das Vorhaben.

Schließlich wurde ein neuer Standort gefunden. Doch die Bauplanänderung erzeugt weitere Kosten in Höhe von 100.000 Euro. Nachdem die Stadt Werder sich bereit erklärt hat, die zusätzlichen Kosten zu übernehmen, gab das Innenministerium gestern Grünes Licht für den neuen Funkmaststandort.

Digitalfunk für die Rettung ab 2013

Das künftige Digitalfunknetz benötigt in Brandenburg etwa 170 Funkstandorte. Knapp 50 davon wurden in den letzten Monaten bereits errichtet. Viele weitere Standorte befinden sich derzeit in unterschiedlichen Errichtungsphasen. Geplant ist die Aufnahme des digitalen Funkbetriebs bei der Landespolizei im Jahr 2012. Ein Jahr später sollen die Feuerwehren und Rettungsdienste folgen, wobei die Entscheidungen der kommunalen Träger zur Einführung des Digitalfunks noch ausstehen.

2 Responses to “Funkmaststreit beigelegt”

  1. auanichhaun on November 18th, 2010 12:16

    Eine ausführliche Darstellung der Ereignisse kann man hier nachlesen
    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11939733/60889/

    Mit diesem Theater haben sich die Bürger keinen Gefallen getan, aber in einer Demokratie muss man wohl damit leben.

  2. Manuel on November 18th, 2010 12:27

    ..wobei Brandenburgs Landespolizei, Feuerwehren, Rettungsdienste „einiges“ an Problemen erwarten dürfte:

    In der Ausgabe 44/10 vom 30.10.2010 der Zeitschrift „Der Spiegel“ ein
    Beitrag „Mobilfunk: Milliarden im Funkloch“ vorhanden. Dieser setzt sich
    schonungslos mit den erheblichen nicht abstellbaren Mängeln und Risiken
    des neuen BOS-Digitalfunks für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten
    auseinander.

    – Bisher genannte Kosten von rd. 3.6Mrd Euro, für die jeweiligen
    Bundesländer nochmals mind. dieselbe Summe: Dies wird u.a. lt. Berliner
    Morgenpost v. 25.2.2010 noch übertroffen. Hier werden Summen von mind.
    10Mrd Euro genannt – Ende nach oben offen. Nicht berücksichtigt sind
    die laufenden Betriebskosten pro Jahr. Beispiel Bayern: Rd. 10 Mio Euro
    für den Analogfunk, beim Digitalfunk lt. ersten vorsichtigen Schätzungen
    mind. 37Mio/Jahr. Entspricht einer rd. 4-fachen Kostensteigerung.
    Ähnlich verhält es sich in allen anderen Bundesländern.

    – Offenbar mehr Lobbyismus als Nutzen beim Digitalfunkprojekt: Wird
    DMO-Digital-Direktfunkbetrieb ohne Relaisstation/Umsetzer an
    Einsatzstellen durchgeführt, treten oftmals erhebliche
    Beeinträchtigungen der Funkverbindungen trotz unterschiedlicher
    Gesprächsgruppen auf. Dieser Umstand wird durch die Fa. Motorola lt.
    einer mir vorliegenden EU-Patentschrift „European Patent Application“
    vom 26.1.2005 auch eingeräumt. Hier heisst es auf der Seite 2, Satz
    25-30 u.a. sinngemäss, dass ohne TMO-Betrieb über
    Relaisstationen/Umsetzer und der damit wegfallenden
    Zeitschlitz-Synchronisation keine Möglichkeit besteht, DMO-Interferenzen
    zu minimieren/verhindern.

    Im Analogfunk nennt sich das Phenomen z.B. „Zustopfeffekt“ u.a. wegen
    unzureichender Nachbarfrequenzselektion bzw. Trennschärfe. Dies macht
    sich jedoch lt. bisher vorliegenden Infos nicht derart gravierend
    bemerkbar macht und ist mit den bisherigen Analogfunkgeräten keineswegs
    der Normalzustand.

    – Kein einheitl. Digitalfunkstandard in Europa. Deutschland plant den
    Aufbau eines TETRA-Systems U.a. die Schweiz, Frankreich, Tschechien und
    weitere Länder funken aber mit TETRA-POL. Beide Systeme sind
    untereinander z.B. wegen unterschiedlicher Kanalzugriffsysteme
    inkompatibel. Somit ist kein grenzüberschreitender Funkverkehr möglich.

    – Die im Spiegel-Beitrag erwähnten Berliner Polizisten stehen
    unverändert im digitalem Funkloch. Hierzu u.a. Querverweis auf Berliner Morgenpost v. 5.3.2010 „Berliner Polizei hat zuwenig Sendemasten. Gegenüber mir selbst beklagten sich mehrere Berliner Polizisten im Juli 2010 unabhängig
    voneinander, dass es beim Digitalfunk immer wieder zu
    Verbindungsabbrüchen- bzw. Nichtzustandekommen käme. Auch mehrere
    Messfahrten im Sommer 2010 konnten das Problem nicht nachhaltig
    ergründen und beseitigen. Im Direktverkehr zwischen den Geräten ohne
    Relaisstation treten lt. mir gegenüber gemachten Aussagen von Berliner
    Polizisten im Nov. 2010 z.B. bei Verkehrskontrollen ab ca. 150m
    Entfernung massive Reichweitenproblem auf. Innerhalb von Gebäuden oder
    U-Bahnstationen erweist sich der Digitalfunk im Vergleich zum Analogfunk
    als schlicht unbrauchbar.

    Dies deckt sich mit Aussagen eines ranghohen holl. Feuerwehrangehörigen
    Anfang 2010 mir gegenüber, nach denen auf der grünen Wiese trotz
    optischer Sicht zu den Kollegen ab ca. 200m Entfernung grosse
    Reichweitenprobleme auftraten. Derartiges ist beim bisherigen Analogfunk
    nicht mal ansatzweise möglich.

    – Der Digitalfunk basiert auf dem Bündelfunksystem. Kommt es hier zu
    Ausfällen/Störungen, sind dabei ALLE Einsatzkräfte von Polizei,
    Feuerwehr, Rettungsdiensten gleichermassen von betroffen. Beim
    bisherigen Analogfunk arbeiten alle Kanäle/Frequenzen jeweils unabhängig
    voneinander. Schlimmstenfalls fallen einzelne Kanäle/Frequenzen aus,
    jedoch keine kompletten Bereiche – dies ist technisch unmöglich. Somit
    merkt z.B. die Feuerwehr nichts von Funkproblemen bei der Polizei und
    umgekehrt. Grunsätzlich sind für derartige Fälle genügend
    Reservekanäle/Frequenzen verfügbar.

    – „Eindrucksvolle“ Demonstration der Digitalfunkzuverlässigkeit am
    1.10.2010: Während des unter grossem Medienaufwand erfolgten Starts des
    Digitalfunkpilotprojekts in Frankfurt/Main brach nach kurzer Zeit die
    Funkverbindung zwischen den Feuerwehren Frankfurt/Main und Berlin
    zusammen – pikanterweise unter Anwesenheit von Hessens Innenminister
    Boris Rhein. Glücklicherweise sprach man nur übers Wetter, statt reale
    Einsätze abzuwickeln.

    – Für den Digitalfunk werden im Vergleich zum jetzigen Analogfunk u.a.
    PC-Server zum Gesprächsaufbau benötigt. Die Folgen von
    PC-Serverstörungen/Ausfällen sind hinlänglich bekannt und waren z.B. für
    Niedersachsens Polizei deutlich spürbar. Während des Ausfalls beim
    NIVADIS-System am 3.10.2010 konnten zwar Einsatzorte beschickt, die
    Einsätze jedoch nicht schriftlich weiterbearbeitet werden. Niedersachsens
    Polizei war rd. 2 Tage buchstäblich gelähmt. Passiert ein solcher
    Vorfall bei Digitalfunk-PC-Servern können voraussichtlich Einsätze von
    Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten etc..nur sehr verzögert beschickt
    werden. Auf die Rechtfertigung politisch Verantwortlicher/Lobbyisten des
    Digitalfunks bezgl.daraus resultierender Todesfälle darf man in diesem
    Zusammenhang gespannt sein.

    – Spiegel-Teiloriginalzitat: „Das Digitalsignal lässt sich verschlüsseln,
    der Code aber auch knacken“. Genau das passierte 2006 in Aachen mittels
    PC und Soundkarte und einer relativ simplen Software.

    – Abhörgefahr des Analogfunks: Stellt sich die Frage, was gefährlicher
    für Einsatzkräfte und Bevölkerung ist: Beim Analogfunk ein paar
    „ungeladene Zaungäste“ zu haben, oder beim vermeintlich abhörsicheren
    Digitalfunk bei Störungen/Ausfällen die Nichterreichbarkeit von
    Einsatzkräften bzw. Leitstellen? Die „wirklich sensiblen“ Einsätze
    werden schon lange per Handy abgewickelt.

    – Vorübergehender Analogfunk in den Niederlanden: Trifft nicht ganz zu.
    Lt. Aussagen eines ranghohen niederländischen Feuerwehrangehörigen mir
    gegenüber, bestehen alle 4 Feuerwehrgewerkschaften auf die sofortige
    permanente Wiedereinführung des Analogfunks. Hierzu u.a.
    Querverweis auf „Funkmagazin punkt de“ v. 11.9.2010: „Niederlande:
    Feuerwehren kritisieren den digitalen BOS-Funk“. Im genannten Artikel 2
    Querverweise auf die Problematik. U.a. ein Querverweis auf einen
    TV-Beitrag beim Sender NOS.

    – Kein neuwertiges sondern „renovierungsbedürftiges“ Analogfunksystem in
    Deutschland: Nur teilweise zutreffend. Unbestritten sind noch viele
    teils über 30 Jahre alte Geräte z.B. FuG 7b, FuG-10a etc.. in Gebrauch.
    Anderseits sind genügend Neugeräte u.a. der Hersteller Icom, Kenwood,
    Motorola im Angebot bzw. in Benutzung, alle mit entsprechender
    TR-BOS-Zulassung. Brandenburgs Polizei setzt u.a. das Handgerät Motorola
    MX3013 ein. Als weitere Beispiel die Gerätemodelle, Icom IC-Fug13,
    Kenwood TK-290 FuG 11b, Rexon RL-328S. Die Berliner Polizei hat in
    normalen Streifenwagen zum Grossteil sog. RDN-Geräte im Einsatz. Alle
    hier genannten Gerätemodelle sind keine 15 Jahre alt, oder noch älter.
    Somit also problemlos Ersatzteile verfügbar. Zahlreiche weitere
    Gerätemodelle (Hand-bzw. Mobil) für 4m und 2m sind mühelos im Internet
    bei dt. Funkfachhändlern auffindbar.

    Würden u.a. die vorgenannten Neugeräte angeschafft, erübrigt sich auch
    das Problem, aus Ersatzteilen „grottenalter Funkgeräte“ ein neues
    zusammenzubasteln. Von der „zwanghaften“ Umrüstung auf einen offenkundig
    mangelhaften Digitalfunk ganz abgesehen.

    Angesichts der hier genannten Mängel und Risiken minimiert sich das
    im Spiegel-Bericht genannte Ausfallrisiko beim Digitalfunk keineswegs.

    Private Arbeitgeber wären bei Zur-Verfügungstelltung mangelhafter Arbeits-bzw. Produktionsmittel spätestens im Havarie-bzw. Unglücksfall wegen den daraus resultierenden Haftungs-und Regressansprüchen dringend mit einem guten Anwalt beraten. Es ist nicht nachvollziehbar, warum politisch Verantwortliche für den BOS-Digitalfunk davon ausgenommen erscheinen.

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