Freiwilligendienst gefährdet Rettung in Österreich


Österreich baut auf seine Zivildiener im Rettungsdienst (Foto: ÖRK)Wien (rd.de) – Auch in Österreich ist eine Debatte um den Fortbestand der Wehrpflicht entbrannt. Ein Wegfall des Zivildienstes hätte nach Meinung des Österreichischen Roten Kreuz unter anderem dramatische Folgen für die Funktion des Rettungsdienstes.

Der Zivildienst dürfe nicht durch einen Freiwilligendienst ersetzt werden, warnt Oberösterreichs Rotkreuz-Präsident Leo Pallwein-Prettner in einem Gespräch mit den OÖNachrichten und befürchtet Gefahren für das Rettungswesen. Nachdem jeder vierte Zivildienstleistende im Rettungsdienst tätig sei, brauche man kein freiwilliges Sozialjahr, sondern einen Pflichtdienst, um die Funktion des Rettungsdienstes zu sichern.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Rotkreuz-Generalsekratär Wolfgang Kopetzky in einem Interview mit dem Ö1-Morgenjournal. Er befürchtet, dass es für das freiwillige Sozialjahr nicht genügend Bewerber gibt und im Gesundheitswesen eine Anstellung von zusätzlichen hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern notwendig wird, was zwangsläufig zu einer Systemverteuerung führe. Im gleichen Interview schränkt Kopetzky jedoch ein: „Es geht nicht um billige Arbeitskräfte für das Rote Kreuz, oder für andere Trägerorganisationen. Es geht darum, jungen Menschen etwas für ihr weiteres Leben mitzugeben und natürlich darum, ein Staat von seinen Bürgern erwarten kann, einen gewissen Teil ihrer Lebensarbeitszeit dem Sozial- und Gesundheitswesen zu spenden“, so der Rotkreuz-Generalsekretär.

3 Responses to “Freiwilligendienst gefährdet Rettung in Österreich”

  1. thomaswagner on Januar 15th, 2011 17:01

    Diese Diskussion habe ich aus eigener Erfahrung bereits bei dem Ausschreibungs-Desaster in Tirol mitbekommen.
    In der heutigen Zeit, wo auch in Österreich jeder Arbeitnehmer zuerst einmal auf die Sicherung seiner Existenz, sprich seinen Arbeitsplatz, achten muss, einen verpflichtenden Freiwilligendienst zur Sicherung eines Grundanspruchs zu verlangen ist meiner Meinung nach vollkommen weltfremd und ignorant den Betroffenen gegenüber. Auch in Österreich ist das Recht auf Gesundheit verfassungsgemäß definiert und garantiert, so dass es nicht sein kann dass der Rettungsdienst eines ganzen Staates mit der Wehrpflicht und daran angekoppelt dem Zivildienst steht und fällt. Was für ein Armutszeugnis!
    Zudem gilt auch in Österreich das Recht auf freie Berufswahl. Wie lässt sich damit bitte ein Pflichtdienst, auch wenn er vielleicht nur zeitlich begrenzt ist, im Sozial- und Gesundheitswesen rechtfertigen? Auf die Neigungen und Interessen jedes Einzelnen wird dabei nicht mal ansatzweise Rücksicht genommen. Von einem zwangsverpflichteten Person kann man bekanntlich nicht die gleiche Begeisterung erwarten wie von einer Person, die sich freiwillig für eine derartige Beschäftigung gemeldet hat, mit den bekannten Abstrichen in punkto Engagement, Zuverlässigkeit, Interesse und damit eben einfach Qualität. Wo soll denn die Grenze sein in punkto Alter, „Verwendung“ und Zahl dieser Pflichtstellen? Und wie bitte kann man sich dann noch erdreisten, vor einem derartigen Hintergrund auch noch von „hoher Qualität“ zu sprechen, mit der die Verantwortlichen ja so gern den Rettungsdienst in Österreich beschreiben?

  2. Poldi on Januar 17th, 2011 15:38

    Ohne Zivis und Ehrenamtliche ist der Östereichische Rettungsdienst am Ende. Es ist überfällig, den Rettungsdienst in Österreich endlich mit Berufspersonal durchzuführen um die propagierte Qualität auch endlich zu schaffen. Bin gespannnt, wie sich das in Tirol noch entwickelt. Das ÖRK ist in seiner Entwicklung bei den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts hängengeblieben, als ein Oberösterreicher das Rote Kreuz als Monopolisten installiert hat. auch damals wurden massig „dumme“ für den Rot-Kreuz Dienst requiriert, diese Zeit sollte eigentlich vorbei sein und damit meine ich jegliche „Zwangsarbeit“ egal für wen.

  3. thomaswagner on Januar 17th, 2011 19:19

    @Poldi: Dass der Österreichische Rettungsdienst ohne Zivis und Ehrenamtliche am Ende ist, das ist leider unbestreitbar eine traurige Tatsache, da geb ich Dir völlig recht. Allerdings finde ich den Vergleich mit einer Epoche im vergangenen Jahrhundert etwas unpassend. Natürlich stimmt es dass das Rote Kreuz damals als Monopolist etabliert wurde, nur geht es heute ja nicht nur um „Zwangsrekrutierung“ von Personal, sondern vielmehr um die Qualifikation und davon abgeleitet die Qualität des Personals. Damals waren die Aufgaben für das Rotkreuz-Personal noch etwas anders geartet. Ausserdem gibt es auch in Österreich die bekannten Organisationen Malteser, Johanniter und Samariterbund sowie Privat-Anbieter wie das Grüne Kreuz.
    Leider hat man in Tirol, dessen gesamte Neuvergabe in einem neuen und für ganz Österreich als Vorbild bzw. Modell geltenden System enden sollte, die Chance nicht genutzt, ein echtes auf Qualität basierendes System, nämlich in erster Linie mit hauptamtlichen Personal, aufzubauen. Stattdessen versucht man mit aller Gewalt die Quadratur des Kreises durchzuführen, die mathematisch ja schon nicht möglich ist, und das gegen alle Widerstände. Da dieses beispiellose Desaster und der unbeschreibliche Ausbund an Inkompetenz der Landespolitik als Modell für ganz Österreich gelten soll, kann man nur sagen: Armes Österreich und gute Nacht…
    Kleine Anmerkung: Ich kenne die Tiroler Verhältnisse aus eigener Erfahrung.

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