Falck kritisiert geplantes Rettungsdienstgesetz


Köln (rd.de) -In scharfer Form hat die deutsche Falck Rettungsdienst GmbH die geplante Novelle des Rettungsdienstgesetzes in Sachsen Anhalt kritisiert. Das Unternehmen ist der Ansicht, der Entwurf verstoße gegen Europa-, Bundes- und Landesrecht.

Die unbefristete Verlängerungsklasel für etablierte Leistungserbringer und die pauschale Verlängerung bestehender Genehmigungen bis 31. Dezember 2013 untergräbt nach Ansicht von Falck die geltenden europäischen und deutschen Ausschreibungsregeln.

In einer Pressemitteilung macht die deutsche Falck Rettungsdienst GmbH deutlich, dass man auf eine Einhaltung des Vergaberechts besonderen Wert legt. Dabei verweist das Unternehmen auf den Gleichbehandlungsgrundsatz und dem Paragraphen zur Berufsfreiheit des Grundgesetzes. Falck pocht demnach auf seinen Anspruch auf Gleichbehandlung und einen ungehinderten Marktzutritt.

24 Responses to “Falck kritisiert geplantes Rettungsdienstgesetz”

  1. Thomas W. on November 4th, 2010 11:55

    Herzlichen Glückwunsch Falck,

    die Demontierung des deutschen Rettungssystems, Zerstörung des Ehrenamts und Einführung der Billiglohnrettung hat begonnen.
    Schade, bis jetzt hat alles einigermaßen gut funktioniert.
    Aber Falck hat sich ja leider auch einen guten Mann vom Malteser eingekauft um sich in das System rein zu wurschteln.
    Gar nicht gut für alle Feuerwehren und vor allen Dingen die etablierten Hilfsorganisationen.

    Armes Deutschland.

  2. Poldi on November 5th, 2010 14:32

    Ich kann dir nicht zustimmen Thomas, denn sonst dürfte es nirgends in Europa einen funktionierenden Rettungsdienst geben, wenn nach deiner Leseart keine Hilfsorganisationen beteiligt wären. Gerade die Hilfsorganisationen haben eine stetige Weiterentwicklung des Rettungsdienstes in Deutschland seit Jahrzehnten behindert, um ihre Billigarbeiter (Ehrenamtliche und Zivis) einsetzen zu können und damit reichlich Kohle zu machen. Die Hilfsorganisationen gehören auch in Deutschland auf ihre ureigensten Aufgaben zurück gestutzt, so wie es bsp. in Frankreich, Italien, Schweiz, Skandinavien, Ungarn usw. der Fall ist. Der Rettungsdienst gehört in die Hände von Berufsrettern und nicht in die Hände von Freizeitrettern, die nach 8 Stunden Arbeit am Abend mal schnell retten gehen.
    Es wurde in den letzten 30 Jahren viel versäumt, deshalb ist es zeit, dass frischer Wind in den bundesdeutschen RD kommt und ich hoffe, dass sich Falck hier einbringt. Das Ehrenamt wird dadurch mit Sicherheit nicht zerstört und auch keine Billiglohnrettung wird eingeführt, denn die haben bereits die Hirogs, allen voran das DRK seit 1998 in Baden-Württemberg bereits eingeführt. Billig hat bisher nur DRK und Co. gerettet, deshalb verstehe ich deine Bedenken nicht. Es kann nur besser werden ohne DRK und Co. Die Hiorgs können und sollen sich voll auf den Katastrophenschutz konzentrieren. Das DRK wurde für die Hilfe für Soldaten in Kriegsfällen gegründet und diese Aufgabe war die erste, die man dem RK genommen hat, weil eben auch in militärischen Kämpfen Profiretter erforderlich sind. Sollten die ehrenamtlichen Retter irgendwelche Bedenken haben, dass sie zu kurz kommen, so steht es jedem offen, sich berufliche im RD zu betätigen. Übrigens, auch Falck oder andere Private können im Rahmen eines Vereins „Ehrenamtliche“ beschäftigen, aber ich will hier mal von Nebenberuflichen sprechen. Um Ehrenamtliche zu beschäftigen braucht es keine Hilfsorganisationen herkömmlicher Prägung, denn die Ausbeutung sollte endlich der Vergangenheit angehören

  3. charlie-zulu on November 5th, 2010 17:02

    „Zerstörung des Ehrenamtes“,.. Einführung Billiglohn-Rettung?! Das Ehrenamt ist doch der Inbegriff für Billiglohn und steht für für Vernichtung von voll bezahlten Stellen..
    Zu dem hat Falck doch bereits einige Ausschreibungen verloren.. da waren wohl einige billiger..

    Dieses rumgehacke auf Falck ist zum Kotzen.

  4. Mattthias P. on November 5th, 2010 22:47

    Juristisch gesehen muss man dem vorstoß recht geben. In einem Staat vo gleichbehandlung geprädigt wird kann man nicht eine derartige 2 Klassenwirtschaft machen. Und die Sache mit der „Billiglohnrettung“ kann klar verhindert werden. Jedoch ist es Aufgabe des Staates, als oberste Instanz der zivilen Gefahrenabwehr diese Praktiken zu unterbinden.
    Und solange alle sich an geltendes Gesetz und Standarts halten kann es einem doch egal sein, wem der RTW gehört und welcher Name draufsteht.
    Fakt ist, man kann nicht erwarten, dass in Deutschland ein Beruf freiwillig und ehrenamtlich gemacht in dem man in allen anderen Ländern zum Teil verdammt gutes Geld verdienen kann. Insofern ist das System der Ehrenamtlichkeit (und die von den Hiorgs propagierte Selbstverständlichkeit) gnadenlos überholt.
    Wer Rettungsdienst macht gehört auch ordentlich dafür bezahlt.

  5. RettASS on November 6th, 2010 15:55

    Nicht nur von den Maltis,da ist auch noch wer von Promedica dabei und sie kommen wie Heuschrecken.Komunalisierung des RD ist das einzige was richtig ist ,denn da gibts dann keine sorgen mehr.

  6. Thomas G. on November 13th, 2010 18:47

    In meinen Augen hat hier in Deutschland kein Ausländischer Anbieter und kein privater Anbieter das Recht den Retuungsdienst durchzuführen. Der Rettungsdienst muß im Kommunalmodell durchgeführt werden. Denn der Rettungsdienst ist nicht da um Geld zu verdienen sondern muß nur Kostendeckend arbeiten und darf keinen Gewinn erziehlen.

  7. Björn on November 16th, 2010 10:32

    @ Poldi: Hier kann ich nur im schärfsten Maße widersprechen. Es waren die Hilfsorganisationen, die den Rettungsdienst überhaupt erst geschaffen haben. Noch bis in die 70er gab es kaum „hauptberufliche“ Retter und ohne das Drängen, allen voran seitens des DRK, wären wir heute nicht so weit, wie wir sind, gäbe es viele Rettungsdienstgesetze nicht, gäbe es in den Augen der Bevölkerung weiterhin nur den „Krankenwagenfahrer“.

    Baden-Württemberg als Beispiel für Billiglohnrettung anzuführen zeugt von sehr wenig Sachkenntnis und sehr viel Populismus. Im an den TVÖD angelehnten Tarifvertrag wurden für Rettungsassistenten einige Besonderheiten gegenüber dem TVÖD herausgearbeitet, so z.B., dass ein RA eben nicht wie ein Angestellter mit zweijähriger Berufsausbildung bezahlt wird sondern wie ein Angestellter mit dreijähriger Ausbildung. Richtig ist sicher, dass man im Rettungsdienst – wie in so ziemlich jedem nicht-akademischen Beruf im Sozial- und Gesundheitswesen – nicht reich wird. Aber das weiß man, bevor man diesen Beruf ergreift. Dass in einzelnen DRK-Kreisverbänden, die aufgrund drohender Insolvenz den Rettungsdienst in gGmbH ausgegliedert haben und somit aus der Tarifautomatik der Landestarifgemeinschaft ausgeschert sind, tatsächlich untertariflich bezahlt wird, ändert nichts an der Tatsache, dass man nicht flächendeckend von „Billiglohnrettung“ sprechen kann. Die Krux liegt doch hier eindeutig bei den Kostenträgern, die gedeckt durch das SGB weiterhin nur eine marginale Grundlohnsummensteigerung leisten müssen, während Verdi regelmäßig höhere Gehaltsforderungen durchsetzt. Zu Recht, wie ich meinen will, dennoch muss sich auch jeder Beschäftigte im Rettungsdienst die Frage gefallen lassen, wie der entsprechende Kreisverband das finanzieren soll, die Schere klafft mit jedem Gehaltsabschluss weiter auseinander. Insofern gefährden Ehrenamtliche keine Arbeitsplätze. Im Gegenteil: Sie retten sie! Denn wenn man sich anschaut, wo es diese Probleme gibt, wo gGmbH gegründet wurden, dann in der Regel dort, wo die Betriebsräte nach § 99 BetrVerfG ihre Zustimmung zum Einsatz Ehrenamtlicher verweigerten.

    Warum ein Ehrenamtlicher qualitativ schlechter retten soll als ein Hauptamtlicher, erschließt sich mir im Übrigen nicht. Eine freiwillige Feuerwehr auf dem Land löscht den Wohungsbrand schließlich auch nicht schlechter als eine Berufsfeuerwehr in der Stadt. Wenn ich einen neuen Mitarbeiter zum Rettungssanitäter oder -assistenten ausbilden lasse, sehe ich zwischen ihm und dem ehrenamtlich Tätigen allerhöchstens den Unterschied, dass zweiterer mit etwas mehr Idealismus an die Sache herangeht, der Rest ist doch dann nur eine Frage der Routine. Dass diese bei einem Hauptamtlichen in der Regel höher ausgeprägt ist, stelle ich nicht in Frage, sehe aber keine extrem großen Unterschiede. Ach ja: Ich bin selbst hauptamtlicher Rettungsassistent gewesen, habe aber im Laufe der Zeit gelernt, Standesdünkel abzulegen.

    Übrigens: Nicht das DRK wurde für die Hilfe von verwundeten Soldaten gegründet, es war die internationale Rotkreuzbewegung. Aus der ursprünglichen Idee entwickelte sich schnell der Anspruch, nicht nur Soldaten zu helfen sondern jedem in Not geratenen Menschen, insofern war die Entwicklung vom württembergischen Sanitätsverein als erste anerkannte nationale Hilfsgesellschaft zum Begründer des modernen Rettungsdienstes in den amerikanischen und französischen Besatzungszonen eine logische Konsequenz.

    In Österreich fiel Falck übrigens auch auf die Nase und verlor eine Ausschreibung gegen das ÖRK. Denn neben dem Preis für den Rettungsdienst spielen für die Entscheider zum Glück auch die assoziierten Tätigkeiten eine Rolle, das Rote Kreuz leistet bekanntlich nicht nur Rettungsdienst. Denn ob das Engagement in Sachen Zivil- und Katastrophenschutz, Breitenausbildung der Bevölkerung usw. ohne die Säule Rettungsdienst unter den Ehrenamtlichen weiterhin noch so groß ist, das darf bezweifelt werden. Nicht zu Letzt wurde auf Druck der österreichischen Bevölkerung der Ausschreibung des ÖRK Vorzug gegeben. Übrigens: Das Patientenoutcome sieht in Österreich nicht wirklich schlechter aus als in anderen westlichen Ländern. Und das, obwohl im ÖRK mind. 30% des Rettungsdienstes rein ehrenamtlich getragen ist.

    Ich bin der Ansicht, dass die Falck Rettungsdienst GmbH als gewinnorientiertes Unternehmen unterm Strich eine Schlechterstellung für Mitarbeiter und Patienten darstellt. Synergieeffekte aus Bevölkerungs-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst werden leichtfertig aufs Spiel gesetzt, regionale Arbeitsplätze gefährdet.

  8. grizzly01 on November 17th, 2010 15:51

    @Björn: Zu der Lobeshymne auf das DRK kann man stehen wie man will – sie gibt einen subjektiven Eindruck wieder. Zum Ehrenamt sei gesagt, dass wir aktuell über eine dreijährige Ausbildung im Rettungsdienst reden, mit anderen Worten: über eine weitere Professionalisierung unseres Berufsbildes. Ich habe noch NIE gehört, dass die Lufthansa am Wochenende Hobby-Piloten sucht, die mal eben einen Passagierjet fliegen. Zu Falck: Bitte keine falschen Infos streuen: Das ÖRK hat in Tirol gewonnen, weil Falck zu teuer war. Oder anders herum: Das ÖRK hat Falck um mehrere Millionen Euro unterboten, obwohl alle Fachleute zweifeln, dass dieser Preis überhaupt die Kosten deckt . Nun die Frage: Wer betreibt Preisdumping? Es ist im Übrigen auch unfair in den Raum zu stellen, dass Falck eine Verschlechterung für Mitarbeiter und Patienten bedeutet. Was stützt Deine Aussage? Falck hat in Deutschland doch bislang überhaupt keine Rettungsdienste aktiv. Warten wir doch einfach mal ab, was passiert.

  9. charlie-zulu on November 18th, 2010 10:11

    „Dass in einzelnen DRK-Kreisverbänden, die aufgrund drohender Insolvenz den Rettungsdienst in gGmbH ausgegliedert haben und somit aus der Tarifautomatik der Landestarifgemeinschaft ausgeschert sind, tatsächlich untertariflich bezahlt wird, ändert nichts an der Tatsache, dass man nicht flächendeckend von “Billiglohnrettung” sprechen kann.“

    Erst die Ausschreibungen mit aller Gewalt (Preis) gewinnen und hinter her nicht wissen, wie man das ganze finanzieren soll. Dann nimmt das ganze auch seinen lauf,.. gGmbH, weniger Gehalt.
    Was ein großer Blödsinn.

    „Insofern gefährden Ehrenamtliche keine Arbeitsplätze. Im Gegenteil: Sie retten sie!“

    So lange es noch Personen gibt, die eine derartige Meinung innerhalb der eigenen Reihen vertreten und scheinbar wirklich daran glauben, wird sich verdammt noch mal nichts ändern.

    Ehrenamtliche retten Vollzeitarbeitsplätze? Ja, natürlich.

    Mal einen ehrenamtlichen Typen fragen wo er hauptberuflich arbeitet.

    Oh, Tischler? Jau, habe ich auch gelernt. Meinst du, ich könnte deinen Chef mal fragen, ob ich mal nebenher bei ihm Arbeiten darf? Mir reicht es auch, wenn ich am Tag nur nen Zehner kriege als Spritgeld. Mir macht der Job Tischler ja Spaß, von daher geht das schon klar.
    Ich könnte auch noch ein paar Freunde mitbringen, die machen alle gerne Tischlerarbeiten..

    Wie,.. wieso fragst du jetzt was mit deinem Arbeitsplatz ist? Klar, sicher, mit 10€ / Tag bin ich etwas günstiger als du mit 15€ / Stunde.

    Was soll schon passieren, nur weil ich die gleiche Arbeit wie du erledige?!

    Mh, die hälfte der Vollzeitarbeitsplätze wird überflüssig? Ach was,.. nur weil wir etwas aus Spaß für wenig Geld machen?

    Denn wenn man sich anschaut, wo es diese Probleme gibt, wo gGmbH gegründet wurden, dann in der Regel dort, wo die Betriebsräte nach § 99 BetrVerfG ihre Zustimmung zum Einsatz Ehrenamtlicher verweigerten.

  10. charlie-zulu on November 18th, 2010 10:19

    Zum letzten Absatz: Nicht in der Lage die gewonnene Ausschreibung umzusetzen mit den gegebenen Mitteln (was ja vorher bekannt sein muss),.. also wird an der Gehaltsschraube gedreht, weil man keine Billigarbeiter „einstellen“ darf.

    „Eine freiwillige Feuerwehr auf dem Land löscht den Wohungsbrand schließlich auch nicht schlechter als eine Berufsfeuerwehr in der Stadt.“
    ..und diese Behauptung stützt sich genau wo drauf?

    „Ach ja: Ich bin selbst hauptamtlicher Rettungsassistent gewesen, habe aber im Laufe der Zeit gelernt, Standesdünkel abzulegen.“
    Traurig genug.

  11. MM on November 19th, 2010 13:48

    Generell ist es doch relativ egal unter welcher Fahne oder Emblem gerettet wird, oder? De Facto muss die Hilfe da ankommen, wo Sie gebraucht wird.
    Und was die „armen“ HiOrg’s angeht, es gibt genug DRK Kreisverbände, in denen die Geschäftsführer als kleine Fürsten ihr Familien“imperium“ leiten und führen.
    Manchmal wäre es gut, wenn ein effizienter, privater Betreiber bestimmte Strukturen übernehmen könnte und auch eine Firma wie Falck würde sich im Katastrophenschutz engagieren, wie Sie bereits mehrfach verlauten ließen. Das Argument zählt also nicht. Und für jeden der persönliche Anreiz: Ein multinationaler Konzern bietet auch natürlich auch multinationale Möglichkeiten den eigenen Horizont zu erweitern. Aber das will ja keiner…

  12. redneckreindeer on November 19th, 2010 19:45

    Ich würde eher sagen das die meisten davor Angst haben, das ein privater Dienstleister Geld verdienen will. Und das ist auch nicht verkehrt aber wie dies zu stande kommt. Ein Unternehmen will Geld verdienen, wie kann man gut Geld verdienen? Richtig, in dem man spart. Das hat die Industrie schon seit Jahren immer gezeigt und das egal in welchen Bereichen. Es sicherlich egal welcher Name auf dem Auto steht, aber was ist mit dem Arbeistplatz? Wie ist mein RTW/KTW gestaltet? Wie sieht es mit den Wachen aus? Gibt es dann keine „Nachtruhe“ (also im Bett liegen und schlafen wenn es ruhig ist)mehr? Zuschläge fallen weg, das Gehalt sinkt und es werden andere Abstriche gemacht, damit die Firma verdient.
    Diese Ängste kommen nicht von sonst wo, das hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt.

  13. Sebastian P on November 19th, 2010 20:09

    @charlie-zulu:

    Ich finde dein Tischler-Beispiel super. Allerdings müssen wir weiterdenken:
    Der Chef der Tischlerei steht vor dem Problem, dass er seine Ware nicht mehr los wird – Sie ist zu teuer.
    Dadurch, dass nun einige Tischler für die 10€ arbeiten, kann er den Preis soweit senken, dass die Ware abgenommen wird. Dadurch muss er nicht Insolvenz anmelden und kann noch einige Mitarbeiter in einer Vollzeitanstellung beschäftigen.

    Und jetzt zurück zum Rettungsdienst:
    Klar, blockieren ehrenamtliche Kräfte Personalstellen. Ich glaube, das steht ausser Frage. Allerdings steht man vielerorts vor einer Kostenproblematik.
    Was würde passieren, wenn der Wachleiter sagt: Ab nächsten Monat komplett ohne Ehrenamtliche, dafür mit 4 Hauptamtlichen mehr. Da allerdings nicht mehr Geld reinkommt und somit die Kosten nicht stiegen dürfen, bekommen nun ALLE Hauptamtlichen 300 Euro weniger im Monat. Wäre das eine bessere Situation??

  14. Daniel on November 23rd, 2010 14:39

    Weshalb wohl wird von den Kassen seit jeher so erfolgreich das Budget der Rettungsdienste gedrückt? Weil sie den Einsatz Ehrenamtlicher voraussetzen. Wenn in einer Entgeltverhandlung festgeschrieben wird, dass 20% der Dienststunden ehrenamtlich erbracht werden müssen, dann erübrigen sich doch alle weitere Diskussionen über den Erhalt von Arbeitsplätzen durch ehrenamtlich Tätige im Rettungsdienst. Die vielerorts gewachsenen Strukturen durch HiOrg machen sich die Kassen geschickt zunutze. Dort, wo Entgelte über eine Gebührenordnung festgelegt werden, fehlt den Kassen diese Möglichkeit der Einflussnahme, weshalb sie dieses System seit Jahren kritisieren und versuchen, es zu kipppen. Interessanterweise gehen dort, wo keine Ehrenamtliche im Rettungsdienst tätig sind, auch keine Arbeitsplätze verloren.
    Ehrenamt ja, aber nur dort, wo keine sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze eingespart werden.

  15. charlie-zulu on November 24th, 2010 12:29

    @Sebastian P on November 19th, 2010 20:09
    „Der Chef der Tischlerei steht vor dem Problem, dass er seine Ware nicht mehr los wird – Sie ist zu teuer.
    Dadurch, dass nun einige Tischler für die 10€ arbeiten, kann er den Preis soweit senken, dass die Ware abgenommen wird. Dadurch muss er nicht Insolvenz anmelden und kann noch einige Mitarbeiter in einer Vollzeitanstellung beschäftigen.“

    Diese Argumentation mag zwar auf den ersten Blick schlüssig sein, macht aber so viel Sinn wie die Behauptung das Schwarzarbeit Vollzeitstellen sichert.
    Da spart der Arbeitgeber auch,.. “ und kann wenigstens den Rest weiter beschäftigen. “
    Ist klar. Es ist ja nun auch nicht so, dass DRK etc aufgrund der Einsparungen für die Hauptamtlichen absoluten Topgehälter zahlt.

    Ist es insgesamt nicht eher genau anders herum? Erst die Möglichkeit, Billigpersonal im RD zu beschäftigen, ermöglicht es doch den „Abenteuer Menschlichkeit“-Typen und Konsorten, solche unterirdischen Preisangebote bei Ausschreibungen zu machen.

    Es wird doch von Anfang an damit gerechnet, dass die Hälfte des Personals nur Spritgeldpersonal ist, dass von einigen wenigen hauptamtlichen be- und überwacht wird.

    Gäbe es die Möglichkeit erst gar nicht kämen vielleicht mal realistische Preisangebote hervor. Vielleicht würde dann die eine oder andere Org merken, dass sie dieses Geschäft gar nicht halten kann.

    @Sebastian P on November 19th, 2010 20:09
    Allerdings steht man vielerorts vor einer Kostenproblematik.
    Was würde passieren, wenn der Wachleiter sagt: Ab nächsten Monat komplett ohne Ehrenamtliche, dafür mit 4 Hauptamtlichen mehr. Da allerdings nicht mehr Geld reinkommt und somit die Kosten nicht stiegen dürfen, bekommen nun ALLE Hauptamtlichen 300 Euro weniger im Monat. Wäre das eine bessere Situation??

    Wie oben beschrieben kommt diese Situation doch überhaupt erst zu Stande, weil die Org gar nicht in der Lage ist und war, mit realen Preisen zu arbeiten. Das ganze System eben jener Org stützt sich darauf, dass sie Billigpersonal und nur wenige Aufpasser unterhält.

    Eine absolute Fehlkalkulation die nicht nicht geschützt oder gar unterstützt werden darf. Die Org gehört sofort raus.

  16. Christian on November 25th, 2010 11:55

    Ich sagte schon immer die BF sollte in jeder Stadt den kompletten RD übernehmen und die leute der Hilios einkaufen.

  17. locco on November 25th, 2010 20:35

    Alles der BF zu übertragen, wäre nicht in jedem Landkreis sinnvoll. Was ich jedoch als sinnvoll erachte, sind Organisationen wie die Rettungsdienstkooperation in SH. Diese scheint, soweit niemand etwas anderes Berichten kann, ein vernüftiges Konzept auf die Beine gestellt zu haben. Hochwertige Fahrzeuge, stetes Training der Angestellten und eine 3jährige Ausbildung für Rettungssanitäter. Klingt gut und da kann auch keine Hilfsorganisation mithalten.

  18. Poca on Dezember 6th, 2010 18:21

    Ich hab selten so gelacht.

    Da vergleicht einer einen Rettungsassistenten mit einem Lufthansa-Piloten. Applaus für soviel Selbstbewusstsein. Wenn man sich auf dem Olymp der Anbetungswürdigkeit wähnt, muss man ja schon vor so viel Bescheidenheit den Hut ziehen. (nur Pilot, wäre Astronaut nicht angebrachter?)!

    Nur mal kurz zur Erinnerung: Wer Rettungsassistent werden will, kauft sich die Ausbildung mit einem Hauptschulabschluss, der eine Durchschnittsnote von 4,44 aufweisen muss – das absolut Unterste, was es gibt. Mehr muss gar nicht sein und würde vermutlich nicht mal zum Packer reichen. Eine einjährige Ausbildung. Ein Jahr mit einem weiteren, so genannten Anerkennungsjahr, was wohl kaum noch als Ausbildung gelten kann, wenn man sich die Praxis betrachtet. Und dann arbeitet man mit Leuten zusammen, die eine 520-Std.-Ausbildung vorweisen und fertig ist das qualifizierte Rettungsmittel. Das reicht in Deutschland aus, um im Rettungsdienst zu arbeiten. Und da ist es natürlich angebracht, sich mindestens auf die gleiche Stufe mit einem Lufthansa-Piloten stellen. Alle Achtung, insbesondere wenn man den Tagesbetrieb beider Berufe miteinander vergleicht. Die einen fahren als Liegend-Taxi 90% am Tag Omis vom Altenheim zum Zahnarzt und zurück während die anderen so ein lächerliches Flugzeug führen müssen.

    Ist das hier ein Komiker-Casting?

  19. charlie-zulu on Dezember 7th, 2010 14:58

    Nachdem der Beruf „Rettungsassistent“ nun runter gemacht wurde bleibt dennoch die Frage im Raum stehen, ob die Lufthansa nun Hobbypiloten für ihre Flüge beschäftigt oder nicht.

    Um mehr ging es, wenn ich den Kommentar von grizzly01 richtig interpretiere, auch nicht. Ein Vergleich der Ausbildungsinhalte oder Dauer wurde gar nicht gemacht und war auch nicht Sinn des Beitrages.

    Insofern ist das ein „interessanter“ Kommentar, Poca.

  20. Peter_Pan on Dezember 8th, 2010 20:49

    Eigentlich ging es ja um Falck und Billiglohn. Es gibt in Deutschland HiOs die Leiharbeitsfirmen gründen und die Kollegen dorthin „verfrachten“. So sind sie aus dem gültigen Tarifwerk der TVöD und der AVR ausgeschieden. Selbverständlich gibt es für diese Firmen auch ein Tarifwerk, dieses aber ist so aufgebaut das es moderne Sklaverei ist. Rettungsassistenten erhalten somit zum Bsp.: 1.000,- € netto und Rettungssanitäter 750,-€ netto. Bei gnädigen Arbeitgebern gibt es vielleicht Zuschläge für Nachtschichten und Überstunden. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld gibt es grundsätzlich nicht und egal wie alt man ist, es gibt nur noch 20-24 Tage Jahresurlaub. Schlimmer gehts nimmer! Also ist es doch egal wo man arbeitet. Die privaten sind auch nicht schlimmer, eher im Gegenteil, da sie einfach wirtschaftlicher arbeiten müssen und nicht das Geld mit vollen Händen rauswerfen können (wie es in den letzten Jahrzehnten passierte).

    Denkt mal darüber nach

    Schönste Grüße

  21. Peter_Pan on Dezember 8th, 2010 20:52

    @Poca:

    Bitte auch zwischen den Zeilen lesen!!!! Vielleicht auch eine Weiterbildung im verstehen von Sarkasmus o.ä. machen 😉

  22. Lars Sauter on Januar 21st, 2011 15:42

    Also, bei den Vergabeausschreibungen handelt es sich um europäisches Recht. Weder die Hilfsorganistionen noch die Privaten haben hierauf einen Einfluss. Der Staat hat es ermöglicht, die „Billiglohnrettung“ einzuführen. Das ist ein Verbrechen vom Staat an die in hier arbeitenden Rettungsdienstler.
    Es gibt zwar Ehrenamtliche im Rettungsdienst. Wenn man sich jedoch einfach mal mit den Gebieten, wo dies zulässig ist, genauer unter die Lupe nimmt, wird ebenso Herausgefunden, das es sich hierbei um ehrenamtliche Kräfte handelt, die entweder aus familiäen Gründen aus dem hauptamtlichen Dienst ausgeschieden sind, oder es sich um Berufanfänger handelt, die so versuchen auf eine Hauptamtlichen Stelle zu kommen. Denn wir wissen doch alle, wie schwer es ist, eine hauptamtliche Stelle im Rettungsdienst zu bekommen.
    Desweiteren gibt es Städte und Landkreise, die eine ehrenamtliche Tätigkeit unterbinden, wie es zum Beispiel in Dresden der Fall ist.
    Was die Privaten Anbieter im Rettungsdienst angeht, sollte man erst mal hinter deren Struckturen schauen, um sich über Hintergrundwissen, ein klares Bild zu machen.

  23. Markus F. on August 31st, 2011 22:05

    Also da können sich die Hiorgs auf den Kopf stellen und mit den Füssen Fliegen fangen. Eins ist klar, die „Privaten“ sind am Start und nicht mehr aufzuhalten. Und das ist gut so!
    Die Hiorgs sind überwiegend nichts anderes, als gewinnorientierte Unternehmen welche unter dem Deckmäntelchen der Gemeinnützigkeit sehr viel Geld verdienen, den ehrenamtlichen Helfern immer vorhalten dass das Ehrenamt zu teuer ist und kein Geld vorhanden ist. Obendrein besteht die Führungsriege oft aus Mitarbeitern die sich „verdient gemacht“ haben und meist nicht über die notwendige kaufmännische Qualifikation verfügen
    Ich komme ursprünglich ebenfalls aus einer, bzw. 2 Hiorgs, in denen ich sowohl haupt als auch ehrenamtlich tätig war.
    Aktuell bin ich aus freien Stücken bei einem „Privaten“ RD bzw. KTP Unternehmen und hoffe das dies auch noch lange so bleibt.
    Die Bezahlung ist super, von der Flexibilität nicht zu sprechen.
    Die qualität ist hier genau wie bei den Hiorgs sehr gut bis befriedigend, was aber an jedem Mitarbeiter selber liegt.
    Von Seiten des Unternehmens bekommen wir alles was wir für nötig halten.

    Anfangs lachten meine Ex- Hiorg Kollegen mich aus, von wegen „nur noch KTW, wie ätzend“ dann habe ich einem Kollegen meine Verdienstabrechnung vorgelegt. Das Lachen verstummte!
    Gleichzeitig höre ich noch alle ehemaligen Kollegen stöhnen über die mikrigen Gehälter.

    Ach so und unbefristet ist mein Vertrag nach 18 Monaten auch noch.
    Aus Sicht eines Mitarbeiters kann ich nur sagen, das meine Entscheidung zu einem „Privaten“ zu gehen goldrichtig war.

  24. Sören on März 16th, 2012 13:16

    Hi,

    immer ran Falck. Vielleicht wisst ihr euer Kapital (den Mitarbeiter) besser zu schätzen als die HIOs. Das Feedback von jetztigen Falck Mitarbeitern ist durchweg positiv. Auch ich wäre bereit mit Falck neue Wege zu gehen…

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