EU forciert Einführung des automatischen Fahrzeugnotrufs


Brüssel (rd.de) – Eigentlich hätte der automatische europäische Fahrzeugnotruf „eCall“ bereits 2010 eingeführt werden sollen. Doch die Idee einer freiwilligen Umsetzung durch die Industrie schlug bislang fehl. Gestern hat die Europäische Kommission den Druck erhöht: Ab 2015 soll der eCall in allen Neufahrzeugen an Bord sein.

Eine schleppende Unterstützung der EU-Mitgliedsstaaten und Streitigkeiten um technische Details haben eine verpflichtende Einführung in Neufahrzeugen immer weiter verzögert. Die Europäische Kommission hat nun Schritte eingeleitet, die das Notrufverfahren ab 2015 zur Standardausstattung aller Neufahrzeuge machen soll.

Das eCall-System erkennt einen schweren Aufprall und die Airbagauslösungen selbständig, ortet das Unfallfahrzeug und übermittelt die Unfalldaten in die nächste Rettungsleitstelle. Auch eine Sprechverbindung ins Fahrzeuginnere wird hergestellt.

Wegen des speziellen Datenformats müssen dafür europaweit alle Leitstellen entsprechend aufgerüstet werden. Die Mobilfunkunternehmen sollen eCall-Notrufe bevorzugt weiterleiten für die Leitstellen erkennbar machen.

Entgegen der Ankündigungen, hat sich die Kommission dazu entschlossen, die freiwillige Einführung des Systems bis 2015 mit Empfehlungen an die Mitgliedsstaaten zu unterstützen. Wie der Rede von EU-Kommissarin Neelie Kroes zu entnehmen ist, haben Kostengründe zum Festhalten am Verfahren der freiwilligen Einführung geführt. Erst eine Direktive aus Brüssel könnte Industrie und Mitgliedstaaten zur Einführung zu verpflichten. Eine Empfehlung ist hierzu als vorbereitender Rechtsakt zu verstehen.

Für Neuwagenkunden soll das Notrufsystem mit 100 Euro zu Buche schlagen. Nicht viel für mehr Sicherheit: Durch den eCall ließen sich nach Berechnungen der EU durch schnellere Hilfeleistung bis zu 2.500 Menschenleben im Jahr retten und die Zahl der Schwerverletzten um 10 bis 15 % senken.

One Response to “EU forciert Einführung des automatischen Fahrzeugnotrufs”

  1. Jörn on Oktober 8th, 2012 11:49

    Dass sich eCall nicht nur zur (wünschenswerten) Verbesserung der Hilfeleistung im Notfall eignet, sondern vor allem der Fahrzeugindustrie dient, um kostenpflichtige Mehrwerte abschöpfen zu können, zeigt eindrucksvoll dieser aktuelle Beitrag der „VDI Nachrichten“:

    http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Notruf-im-Auto-entfacht-Debatte-ums-vernetzte-Auto/60671/1 vom 04.10.2012

    Somit spielt das Rettungswesen einmal mehr nur den Türöffner für mit teilweise extrem hohen Kosten verbundene Angebote der Wirtschaft, wie schon das in der Retterszene hinlänglich bekannte Beispiel „HilfeHandy“ der Steiger-Stiftung zeigte.

    Und dass es gerade die in Brüssel ansässige und von Lobbyisten aus der Wirtschaft „unterwanderte“ Europäische Kommission ist, die eCall forciert einführen möchte, wundert einen da schon gar nicht mehr…

    Sonnige Grüße – zurzeit aus dem Westen der Republik

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