Erdbeben in Mittelitalien


L´Aquila/Italien (rd.de) – Erdbebenmeldungen der ersten Stunden, erwecken immer den Eindruck, die jeweilige Region wäre glimpflich davon gekommen. Doch das Erdbeben dürfte nach ersten Bildern aus den Katastrophengebiet zu urteilen, eine weit höhere Opferzahl erzeugen, als derzeit gemeldet.

Das Erdbeben, welches inzwischen übereinstimmend von den Forschern der der amerikanischen USGS und des Euro-Mediterranean Seismological Centre bei Paris mit einer Stärke von 6.3 auf der Richter-Skala angegeben wird, ereignete sich heute morgen um 3:32 Uhr unserer Zeit. Das Epizentrum befindet sich 6 Kilometer südlich von Pizzoli mit 3.378 Einwohnern und 7 Kilometer nordwestlich von L´Aquila mit über 70.000 Einwohner. Auch die Stadt Terni mit seinen 110.000 Einwohnern, nur 60 Kilometer vom Epizentrum entfernt durfte beschädigt worden sein.

Letzten Monat hatten Mitteilungen des Gran Sasso Instituts, einer italienischen Forschungseinrichtung für Teilchenphysik, für Aufregung gesorgt. Das Institut liegt am Fuße des Gran Sasso Felsmassivs, unmittelbar in der Erdbebenregion. Die eigentlichen Forschungsstätten liegen in Tunneln unter dem Bergmassiv. Der Techniker Giampaolo Giulia warnte vor einem möglichen Erdbeben in der Region. Sein Verdacht gründete sich auf Messungen steigender Radon-Gas-Austritte an Erdspalten. Giulia sagte ein schweres Beben für den 29. März 2009 voraus. Nach Informationen der italienischen Presse, wurde Giampaolo Giulia von Chef des Katastrophenschutzes Guido Bertolaso als „Schwachkopf“ bezeichnet und angeblich wurde wegen der öffentlichen Unruhestiftung sogar Anzeige gegen Giulia erstattet.

Ganz ohne wissenschaftlichen Rückhalt sind Versuche Erdbeben vorzeitig vorher zu sagen indessen nicht: Gasaustritte gelten sehr wohl als ein früher Erdbebenindikator, doch nicht jeder steigenden Gaskonzentration folgt auch tatsächlich ein Erdbeben. Änderungen des Magnetfeldes sind ein anderes Alarmzeichen unmittelbar vor einem Erdbeben, an dem die Forscher arbeiten. Tiere scheinen diese Veränderungen früh wahrzunehmen und verändern ihr Verhalten. Die praktische Nutzung solcher Erkenntnisse ist hingegen schwierig. Die Trefferquoten längerfristiger Erdbenenvorhersagen sind zu gering, um Evakuierungen auf Verdacht vorzunehmen.

In Italien wird derzeit für die Erdbebenregion der Notstand ausgerufen. 150.000 Haushalte sind aus Sicherheitsgründen von Stromversorger von Netz abgeklemmt worden, um Brände und Gasexplosionen zu verhindern. Tausende Menschen sind obdachlos und graben mit bloßen Händen in den Trümmern.

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