Einsatzaufträge der Leitstelle Rostock abgefangen?


Rostock (rd.de) – In Rostock sollen angeblich sämtliche Einsatzaufträge der Rettungsleitstelle mitgeschnitten worden sein. Am Freitag (16.08.2013) wurden Wachen der Freiwilligen Feuerwehren Mitte und Groß Klein durchsucht. Betroffen ist offenbar die digitale Alarmierung.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, übertrugen noch unbekannte Personen über „dienstfremde Rechentechnik“ persönliche Daten, unter anderem den Namen von Patienten sowie eine Kurzbeschreibung der jeweiligen Verletzungen bzw. Erkrankungen. Auch Details zu alarmierten Kräften und dem Einsatzort sollen abgegriffen worden sein.

Diese „Rechentechnik“ fanden Beamte der Polizei im Rahmen der Durchsuchungen bei den Feuerwehren. Es handelt sich hierbei um PCs, die nicht offiziell von der Stadt angeschafft worden waren.

Für die Durchsuchungen holte die Staatsanwaltschaft keine richterliche Anordnung ein. Es sei „Gefahr im Verzug“ gewesen, heißt es in der Presseinformation der Staatsanwaltschaft. Andernfalls hätten Beweismittel vernichtet werden können. Der Stadtfeuerwehrverband kritisiert die Aktion. „Das Vorgehen der Polizei war absolut unangemessen“, betont Stadtwehrführer Steffen Grafe gegenüber rettungsdienst.de. „Wir haben uns als Stadtfeuerwehrverband rechtlichen Beistand gesucht. Zu keiner Zeit sind die Freiwilligen Feuerwehren in das Verfahren mit einbezogen worden.“

Der Stadtwehrführer stellt klar: „Wir wehren uns dagegen, dass ein Generalverdacht gegen die Freiwilligen Feuerwehren entsteht. Die Enttäuschung bei den Kameraden ist aber jetzt schon riesengroß. Ich hoffe sehr, dass wir durch diese Aktion nicht auch Mitglieder verlieren werden.“

Laut Feuerwehr ermittele die Polizei bereits seit mehreren Monaten in ihren eigenen Reihen. Offenbar besteht der Verdacht, dass Pressevertreter gezielt von Einsatzkräften über Vorfälle in Rostock informiert worden sind. Teils sollen Journalisten sogar vor der Polizei an Einsatzorten gewesen sein.

11 Responses to “Einsatzaufträge der Leitstelle Rostock abgefangen?”

  1. Hanseretter on August 19th, 2013 16:14

    Steht da irgendwas Neues?

  2. Dirk Klaus via Facebook on August 19th, 2013 16:23

    Ich bin ja mal gespannt wie es da mit der Rechtsstaatlichkeit aussieht 😉

  3. Dirk Klaus via Facebook on August 19th, 2013 16:23
  4. Wolfgang Singer via Facebook on August 19th, 2013 17:34

    Wenn es so zutrifft ist eher die Ursache das Übel und nicht das Vorgehen der Polizei. Einsatzdaten gehören zu einer bestimmten Personengruppe und wer die weitergibt zieht völlig zu Recht den Unmut der Staatsmacht auf sich.

  5. Hanseretter on August 20th, 2013 00:05

    Ich weiß, dass die Presse in manchen Gebieten mitalarmiert wird.
    Schließlich muss der Mensch mit dem Rückenschild „Presse“ auch Ansprechpartner haben….
    Man macht sich die Presse zum Freund oder man lässt es.

  6. doggi on August 20th, 2013 09:06

    Die nachstehende Pressemitteilung zeigt zeigt die Brisanz des gesamten Vorgangen und ich kann die Reaktion der Kollegen gut verstehen.

    „“PRESSEMITTEILUNG

    Vier Feuerwehren der Hansestadt Rostock nicht mehr einsatzbereit

    Heute Abend kam es im Rahmen einer Informationsveranstaltung über die Polizeiaktion vom 16.08.2013 dazu, dass eine Vielzahl der anwesenden Kameradinnen und Kameraden aufgrund der bestehenden Verdächtigungen sowie der Ihnen entgegengebrachten Behandlung seitens der Stadtverwaltung hat beurlauben lassen und bis zur Klärung der Vorwürfe nicht mehr für den Einsatzdienst zur Verfügung steht.

    Daraufhin mussten die Wehrführungen der Ortswehren Warnemünde, Groß Klein, Stadt-Mitte und Gehlsdorf dem Brandschutz- und Rettungsamt mitteilen, dass die Einsatzbereitschaft ihrer Wehren nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

    Der Stadtfeuerwehrverband sowie die betroffenen Ortswehren bedauern sehr, dass es dazu gekommen ist und fordern daher eine schnelle Aufklärung der Vorwürfe.

    Steffen Grafe, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes

    Stadtfeuerwehrverband Hansestadt Rostock
    Steffen Grafe
    Stadtwehrführer der Hansestadt Rostock
    Vorsitzender Stadtfeuerwehrverband
    Geschäftsstelle:
    Erich-Schlesinger-Straße 24
    18059 Rostock „“

  7. der Münchner on August 20th, 2013 10:11

    so richtig erhellend ist weder dieser Bericht, noch der im Link von Klaus angegebene. Es geht um Digitalfunk. So einfach mitschneiden ist hier nicht. Es können sich nur offizielle Geräte in die jeweiligen Gruppen einbuchen und das ist dann auch dokumentiert. Sind Feuerwehr und Rettungsdienst in Rostock in einer gemeinsamen Gruppe oder wie wurde hier sonst der Datenverkehr umfassend „abgegriffen“? Auch die Aussage, dass die Reporter vor der Polizei am Unfallort waren spricht hier eher gegen die Polizei (der Reporter wurde ja maximal parallel verständigt). Trotzdem hat aber Wolfgang recht. Die unautorisierte Weitergabe ist ein Gesetzesverstoß.
    Dass PCs gefunden wurden, die nicht von der Stadt angeschafft wurden, als Kriterium für illegales Tun zu sehen, finde ich weit hergeholt, da gerade Kommunen und Staat nur das nötigste finanzieren. Es gibt auch Ermittler, die sich privat angeschaffte PCs in ihre Amststube stellen um einigermaßen aktuelle Hardware zu besitzen.
    Durch die Einführung des Digitalfunks wird es für Journalisten natürlich schwerer zeitnah über Ereignisse informiert zu werden. Sie sind damit zwangsläufig auf Insiderinformationen angewiesen. Es sollte aber vielleicht ein Modus gefunden werden (Info SMS von der ILS/EZ Polizei), der solche illegalen Wege überflüssig macht und dem Informationsbedürfnis der Bevölkerung (für die werden ja die Zeitungen und Berichte gemacht) entgegen kommt.

  8. doggi on August 20th, 2013 13:40

    vielleicht sollte man zunächst mal anfangen die BOS Geräte im privaten Besitz und Betrieb so langsam einzusammeln…….. von den illegalen Scannern rede ich gar nicht….

    Heute kann jeder mit einem bisschen techn. Versändnis die BOS Frequenzen -auch digital- hacken.

    ebay sei Dank gibt es alles was du benötigst nahe zu problemlos zu beschaffen. Als findiger Journalist wäre mir das sicher auch nicht unbekannt geblieben.

    Ich kann die Rostocker Kameraden gut verstehen. Letztlich sollten sie aber dennoch darüber nachdenken waas wäre wenn ?

  9. Michael_Fw on August 20th, 2013 14:45

    Vielleicht ein paar aufklärende Worte zu dem was hier passiert ist.

    Zunächst einmal ist festzustellen, dass es sich nicht um den Digitalfunk sondern um die digitale Alarmierung handelt. Was ist hier also passiert:

    Die Alarmierungsdaten der Leitstelle, die neben der Einsatzadresse auch personenbezogene Daten enthalten, werden über die digitale Alarmierung an die Meldeempfänger der zu alarmierenden Einsatzmittel übertragen. Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass der Versand der Datenpakete zumeinst über das analoge UKW-Funknetz (2m, 4m, oder 70 cm) erfolgt. Das Problem am guten alten 4m- oder 2m Funk ist leider, dass ich er mit gringem technischen Aufwand (mittels Scanner) mitgehören werden kann. Gleiches gilt in diesem Zusammenhang für die über Funk übermittelten Datenpakete der digitalen Alarmierung. Dieses Datenpakete können ebenfalls über einen Scanner erfasst und mittels Zusatzsoftware, die es leider kostenfrei im Internet gibt, auf einem angeschlossenen Rechner in Klarform dargestellt werden. In vielen Feuerwehren stehen heute Rechner mit angeschlossenen Scannern, die nur zum Zwecke des Mitlesens der Alarmierungsdaten angeschafft wurden. Teilweise steuern Feuerwehren über weitere Module hierüber sogar Hallentore oder Schrankenanlagen.

    Zum wirklichen Problem wird das ganze nun, wenn die Daten das Feuerwehrgebäude verlassen. Durch nachgeschaltete Serverapplikationen gelangt der gesamte Alarmierungsverkehr nun nämlich ins Internet und wird auf alle, mittels App ausgerüsteten Smartphones der Kameraden gepusht. Somit ist plötzlich jeder Hinz und Kunz in Besitz von personenbezognene medizinischen Daten. Und genau das ist aus meiner Sicht die eigentliche Schweinerei. Ich würde nicht wollen, dass alle Mitglieder der bei mir ansässigen freiwiligen Feuerwehr über den Einsatzgrund des Rettungsdienstes in meiner Wohnung Kenntnis erlangen.

    In der Tat kann hier kein Generalverdacht erhoben werde. In Verantwortung steht letztendlich der Träger der jeweiligen Feuerwehr bzw. derjenige, der diese Rechner eingerichtet und betrieben hat. Der Träger hat dafür zu Sorgen zu tragen, dass Recht und Ordnung in seinem Zuständigkeitsbereich, auch in den Feuerwehren, eingehalten werden. Und da Feuerwehrgerätehäuser keinen rechtsfreien Raum darstellen, muss bei bestimmten Verdachtsmomenten auch der Eingriff von Polizei oder Staatsanwaltschaft legitimiert sein. Anzumerken ist hierzu auch noch, dass insbesondere Angehörige der Feuerwehren eine besondere Verpflichtung zum Umgang mit einsatzbezogenen Daten erhalten haben. Sie sollten also über die Kosequenzen bei Missbrauch derartiger Informationen wissen.

    Abhilfe kann nur die Verschlüsselung der Alarmierungsdaten leisten. Alarmmeldungen können dann nur noch von den Meldeempfängern entschlüsselt werden, die über einen definierten Codeschlüssel verfügen. Bei allen anderen, insbesondere Scannern, wird dann nur noch Datensalat aus Buchstaben und Zahlen angezeigt.

  10. SH on August 20th, 2013 16:57

    @Münchner: Es geht im Bericht nicht um Digitalfunk, sondern um digitale Alarmierung und die kann sehr einfach decodiert werden.

  11. der Münchner on August 21st, 2013 09:34

    @Michael_FW
    @SH
    Danke für die Aufklärung.

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