Ein Notruf kann teuer werden


Bremen (rd.de) – In den letzten Tagen berichten Zeitungen in Nordrhein-Westfalen über das Risiko, nach einem Notruf für den Rettungseinsatz zur Kasse gebeten zu werden. Dabei geht es um den Umstand, dass die Krankenkassen rettungsdienstliche Versorgungen ohne Transport nicht bezahlen müssen.

Das Onlineportal Der Westen berichtete über den Fall eines Ehemannes, der sich in Mülheim an der Ruhr um medizinische Hilfe für seine asthmakranke Frau bemühte. Der Ärztliche Notdienst stellte dem Mann erst in zwei Stunden medizinische Hilfe in Aussicht. Das war natürlich zu lang für seine Frau mit Atemnot und deshalb wendete sich der Mann über die 112 an den Rettungsdienst. Der Notarzt kam, sah und behandelte. Nachdem sich der Zustand der Frau deutlich verbesserte, konnte auf eine Krankenhauseinweisung verzichtet werden. Die Rechnung über 160 Euro muss das Ehepaar aber selbst berappen, weil der Rettungsdienst nach den Buchstaben des Gesetzes heute keine medizinische Versorgungsleistung sondern eine reine Transportleistung ist. Die Krankenkasse wies die Rechnung der Stadt Mülheim kurzerhand zurück.

Nun hat die Westdeutsche Zeitung die Situation für den Kreis Rhein-Neuss abgeklopft. Auch hier gilt wie überall, die Krankenkasse muss ambulante Versorgungen durch den Rettungsdienst nicht erstatten. Wenn keine missbräuchliche Alarmierung vorliege, wird in Meerbusch, Korschenbroich, Jüchen und Grevenbroich erst gar keine Rechnung gestellt. In Dormagen und Neuss werden die Einsätze hingegen abgerechnet. Ob die Kasse zahlt oder nicht, ist vom Einzelfall abhängig. Dort, wo die Alarmierung des Rettungsdienstes angemessen erscheint, haben die Kostenträger in der Regel einen Spielraum für Kulanzentscheidungen.

4 Responses to “Ein Notruf kann teuer werden”

  1. Janina on Dezember 15th, 2011 10:20

    Kann die Wiederauferstehung des Themas an der bevorstehenden Novellierung des Rettungsdienstgesetzes in NRW liegen?

    Die Krankenkassen nehmen dieses Thema immer wieder gerne auf um politischen Einfluß vor Gesetzesänderungen zu nehmen und weg vom Gebührenrecht der Kommunen hin zum Entgeltrecht zu kommen.

    Bei Entgelten dürften die Kassen eine Kostenübernahme für Fehlfahrten vereinbaren, im Gebührenrecht dürfen die Kassen tatsächlich nur zahlen, wenn die Fahrt in die Klinik ging.

    Legen z. Z. die Kreise die Kosten für Fehlfahrten auf die anderen -beförderten- Benutzer des Rettungsdienstes um, ist deren Kalkulation systematisch rechtswidrig. Das wurde in Schleswig-Holstein schon einmal gegen einen Kreis so vom dortigen Oberverwaltungsgericht entschieden. Die Kommunalabgabengesetze S.-H. und NRW sind sehr ähnlich.

    Das Bundessozialgericht hat in seinen Fehlfahrtenentscheidungen gegen die Patienten u. a. keine Gefahr der Verunsicherung der Bevölkerung durch solche selbst zu tragenden Kosten gesehen…..

    Somit kann es eigentlich den Ärger gar nicht geben…..(Grins)

  2. Manuel on Dezember 15th, 2011 11:29

    Beim ersten Mal ging das Posting wohl „versehentlich unter“:

    Originalteilzitat

    ….der sich in Mülheim an der Ruhr um medizinische Hilfe für seine asthmakranke Frau bemühte. Der Ärztliche Notdienst stellte dem Mann erst in zwei Stunden medizinische Hilfe in Aussicht. Das war natürlich zu lang für seine Frau mit Atemnot und deshalb wendete sich der Mann über die 112 an den Rettungsdienst. Der Notarzt kam, sah und behandelte.

    Original-Teilzitat:

    Auch hier gilt wie überall, die Krankenkasse muss ambulante Versorgungen durch den Rettungsdienst nicht erstatten.

    Im Klartext: Der Ehemann ist medizin. Laie und tat genau das, was bei aktuter Atemnot getan werden muss: Unverzüglich medizin. Hilfe anfordern. Der ärztl. Notdienst mit einer 2std. Wartezeit ist natürlich zu lang. Genau deswegen rief er die 112 an. Dass es NACHTRÄGLICH auf KEINEN AKUTEN Notfall sondern auf eine „ambulante Versorgung“ hinauslief, konnten weder Ehemann noch die betr. Ehefrau als medizin. Laien wissen. Somit BRAVO „lieben Krankenkassen und Gesetzgeber“, dererlei Punkte auf den Betroffenen abzuwälzen!

    Zukünftig siehts wohl so aus, dass z.B. bei schweren Blutungen der Ersthelfer, bzw. Betroffene um ähnliche Folgekosten zu sparen NICHT die 112 sondern den sinngemäss medizin. Bereitschaftsdienst anruft, und dabei längere Wartezeiten in Kauf nimmt.

    Dass der Betroffene in der Zwischenzeit buchstäblich ausläuft und dabei den Exitus erleidet, wird wohl von Krankenkassen bzw. Gesetzgeber billigend in Kauf genommen, frei nach dem sinngem. Motto „das Blut hat genügend Gerinnungsstoffe so dass die Blutung selbst wieder aufhört“.

    Um es krass zu sagen, gleicht sich die soziale Kälte in Deutschland immer mehr der Kühltemperatur eines Leichenschauhauses an, worin wohl der Gesetzgeber bzw. gewisse Krankenkassen „unnütze Kostenverursacher“ gerne sehen würden!

  3. Phil on Dezember 15th, 2011 13:15

    Fazit: Da kann man als RD’ler nur drauf hinweisen, dass es für den Patienten finanziell sicherer ist, ihn zum Krankenhaus mitzunehmen – Damit keine Rechnung für eine ambulante Behandlung kommt und maximal die 10 EUR Eigenanteil fällig werden.

  4. Hanseretter on Dezember 15th, 2011 14:06

    Als in den Gegenden, in denen ich gefahren bin und teilweise auch noch fahre, Hilfeleistungen noch nicht abgerechnet werden konnten, führte das zu Transporten, die nicht nötig gewesen wären, nicht, um die Patienten zu entlasten, sondern damit der Einsatz abgrechnet werden konnte.

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