Druckkammerbehandlung: Hessen geht mit gutem Beispiel voraus


Traunstein/Wiesbaden (pm) – Für Notfälle besteht in Deutschland zur Zeit keine gesicherte und rasche Versorgung mit hyperbarem Sauerstoff. Am 10. Februar 2012 entschied das Hessische Sozialministerium in einer unbürokratischen Lösung, die Druckkammerversorgung für Notfallpatienten in diesem Bundesland zu sichern.

Mit der Anbindung an die Asklepios Paulinen Klinik als „Zentrum für hyperbare Notfall- und Intensivmedizin“ konnte das Druckkammerzentrum Wiesbaden seitdem bereits 21 Notfälle untersuchen und sieben Patienten behandeln und dies fast immer nachts.

„Und es geht doch! Wir freuen uns sehr darüber, dass die Hessische Landesregierung gemeinsam mit Druckkammer-Betreiber, Krankenkassen und der Hessischen Krankenhausgesellschaft eine Lösung dieser schon lange unbefriedigenden und für Unfallopfer gefährlichen Situation gefunden hat“, begrüßt Dr. med. Christian Heiden, Vorstand des Verbandes Deutscher Druckkammerzentren (VDD e.V.) die neue Entwicklung. „Wir wünschen uns, dass dieses Beispiel bundesweit Schule macht.“

Die Druckkammerbehandlung ist z.B. bei CO-Intoxikation, schwerer Rauchgasvergiftung, Tauchunfall (Dekompressionskrankheit, DCS) u. a. lebensrettend und deshalb international Standard in deren Behandlung. Der in ihr verabreichte Hyperbare Sauerstoff (HBO) ist die einzig wirksame Therapie, Spätschäden zu verhindern. Die Finanzierung der Versorgung für Notfallpatientinnen und -patienten, die direkt vom Rettungsdienst in die Druckkammer gebracht werden, ist jedoch momentan weder durch das ambulante noch stationäre Abrechnungssystem gedeckt, obwohl diese Behandlung auch von den zuständigen deutschen Behörden als wirksam und sinnvoll anerkannt sind. Vor allem sind auch die hohen Vorhaltekosten für die 24-stündige Bereitschaft einer Druckkammer bisher nicht gedeckt.

Wiesbaden hat bereits rund um die Uhr zu tun

Die Lösung des Problems fand man in Hessen in der Anbindung des Wiesbadener Druckkammerzentrums an der Asklepios Paulinen Klinik. Damit diese die Druckkammer refinanzieren kann, hat ihr nun das Hessische Sozialministerium den Versorgungsauftrag „Zentrum für hyperbare Notfall- und Intensivmedizin“ zugewiesen. „In Hessen hat man den Fehler im System erkannt und einen pragmatischen Weg gefunden“, betont Michael Kemmerer, Geschäftsführer des VDD e.V. und der Druckkammerzentren Rhein-Main-Taunus GmbH. Auch das bisher oft ins Feld geführten Argument, dass hohen Vorhaltekosten insgesamt verhältnismäßig wenige Behandlungsfälle gegenüberstehen, scheint die Praxis zu widerlegen. „Seit dem 10. Februar haben wir sieben schweren Rauchgasvergiftungen und CO-Intoxikation versorgt und 14 weitere Patienten mit den Klinikärzten gemeinsam untersucht“, berichtet Kemmerer. „Diese Fälle beruhen überwiegend auf Wohnungsbränden und defekten Heizungsanlagen. In den wärmeren Monaten werden wir uns dann verstärkt um Tauchunfälle zu kümmern haben. Eine bundesweit flächendeckende, gesicherte Druckkammer-Versorgung ist auch abseits der Ballungszentren wie Rhein-Main nötig. Es geht hier um Menschenleben.“

Bereits im Januar hatte der VDD e.V. auf der „boot 2012“ in Düsseldorf gemeinsam mit der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM e.V.) sowie den deutschen Tauchsport- und Versicherungsverbänden erneut auf den fehlenden staatlichen Versorgungsauftrag und die ungesicherte Finanzierung in der Druckkammer-Notfallversorgung aufmerksam gemacht.

(Foto: VDD e.V. / Druckkammerzentrum Rhein-Main-Taunus GmbH)

One Response to “Druckkammerbehandlung: Hessen geht mit gutem Beispiel voraus”

  1. Matthias Voß on März 3rd, 2012 09:40

    Krankenkassen müssen zahlen, auch wenn die HBO in der Ausschlußliste des BGA ist. Ich habe das mal durchgezogen, die Einschaltung des MDK verlangt, dieser verlangte ein Gutachten des Druckkammerarztes, dieses kam postwendend, auch mit Hinblick auf ambulante Versorgung. Es gibt beim Tauchunfall keine Bheandlungsalternativen, es droht Tod oder Organverlust, wobei eine Lähmung mit Organverlust gleichbedeutend ist. Genau darin ist auch die rechtliche Basis zur Aushebelung des von ärztlichen Eigeninteressen bestimmten Ausschlusses der HBO in der Liste des gemensamen Bundesaussschusses zu sehen. Dieser Ausschluß beruht neben Pfründedenken natürlich auch auf der Unkenntnis weiter Teile der Ärzteschaft über die Indikationen der HBO.

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