DRF hat PEERs ausgebildet


Filderstadt (DRF) – Die Deutsche Rettungsflugwacht (DRF) ist die erste Luftrettungsorganisation in Deutschland, die ein organisationsweites PEER-System etabliert. Anfang 2008 hatte die DRF das Projekt zur Einsatznachsorge und Stressbewältigung für ihre Einsatzkräfte initiiert. Nun haben 20 Mitarbeiter der DRF-Luftrettungszentren ihre PEER-Ausbildung abgeschlossen. Sie sollen ihre Kollegen dabei unterstützen, belastende Erlebnisse aus dem Einsatzgeschehen zu verarbeiten.

In Studien, in denen Mitarbeiter aus dem Rettungswesen zu hilfreichen Erfahrungen nach belastenden Einsatzsituationen befragt wurden, werden Gespräche mit Kollegen fast immer an erster Stelle genannt. Gerade in der Luftrettung werden Einsatzkräfte besonders häufig mit außergewöhnlichen und möglicherweise traumatisierenden Situationen konfrontiert.

„Um diese anspruchsvolle Tätigkeit jahrelang gesund ausüben zu können, ist es notwendig, regelmäßig miteinander über Einsätze und dabei auch über möglicherweise belastende Erlebnisse zu sprechen. Einsatzkräfte müssen auch an sich selbst und ihre Kollegen denken, sich gegenseitig beobachten und eigene Möglichkeiten der Stressbewältigung kennen“, so Dr. Jörg Braun, Ärztlicher Leiter der DRF, zu den Gründen für die Initiierung des Projektes.

Der Bedarf und das Ausmaß an Einsatznachsorge sind sehr unterschiedlich. Einige Menschen kommen ohne Unterstützung gut zurecht, für andere sind einfache Hilfestellungen zur Verarbeitung von belastenden Erlebnissen genau das Richtige. Wieder andere brauchen mehr, eventuell auch professionelle Unterstützung.

PEERs sind Kollegen, die Kollegen helfen. Sie sind in psychosozialer Notfallhilfe ausgebildet und sollen ihren Kollegen durch bestimmte Interventionsformen, wie z.B. strukturierte Gespräche, Mittel und Wege aufzeigen, wie sie mit belastenden Einsätzen umgehen können.

Dabei arbeiten sie eng mit professionellen Fachkräften zusammen, die sie in ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit unterstützen und beraten. Darüber hinaus sind Peers kollegiale Ansprechpartner im Einsatzalltag und vermitteln auch präventiv Stressverarbeitungstechniken, die einem langfristigen Stressmanagement dienen.

Bisher wurden in Kooperation mit dem Schweizer Institut für Psychotraumatologie unter der Leitung von Dr. Gisela Perren-Klingler Piloten, Rettungsassistenten und Notärzte der Luftrettungszentren Niebüll, Rendsburg, Bremen, Stuttgart, Freiburg und Zwickau ausgebildet, die auch für die übrigen Luftrettungszentren zur Verfügung stehen. Langfristiges Ziel ist es, an allen Stationen ausgebildete Peers zur Verfügung zu haben.

Die insgesamt 40-stündige Peer-Ausbildung erfolgte in zwei Stufen. In zwei Schulungsteilen wurde den Teilnehmern unter anderem vermittelt, woran sie Reaktionen bei traumatischem Stress erkennen, welche Reaktionen normal und welche pathologisch sind und wie sie Menschen mit Stress-Symptomen via Körper und Sprache beruhigen. Auch die Anwendung und Durchführung von Einzel- und Gruppendebriefings ge-hörte zum Ausbildungsinhalt.

Vermittelt wurde darüber hinaus, wie sich die PEERs selbst vor Belastungen schützen können. Im Rahmen von praktischen Übungen wurden die jeweiligen Techniken realitätsnah trainiert. An die PEER-Ausbildung schließen sich weitere Schulungsmaßnahmen, wie z.B. Kommunikations- und Wahrnehmungstrainings, an. Außerdem unterliegen die PEERs einer regelmäßigen Supervision durch erfahrene professionelle Fachkräfte.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?