DGU: „Standardisierte Abläufe retten Leben“


Berlin (DGU) – In den letzten Jahren ist die Sterberate schwerverletzter Unfallopfer in der Klinik um die Hälfte gesunken – auf unter 10 Prozent. Diese positive Entwicklung sei vor allem einer besseren Erstversorgung im Krankenhaus zuzuschreiben, erklären Unfallchirurgen und Orthopäden im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), der vom 28. bis 31. Oktober in Berlin stattfinden wird. 

Bei einem Schwerverletzten entscheidet jede Minute über Leben und Tod. In der Notfallversorgung besonders wichtig sind daher ein gut eingespieltes Schockraum-Team und festgelegte Abläufe. Wie die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Diagnose mittels Ganzkörper-Computertomografie (CT) die Sterberate schwerverletzter Patienten in Schockräumen senken konnte, ist Thema im Rahmen des DKOU 2014.

Zirka 35.000 Patienten mit solch einem Polytrauma werden pro Jahr in die Schockräume deutscher Krankenhäuser eingeliefert. „Dann zählt jede Minute, und jeder Handgriff muss sitzen“, sagt Professor Dr. Bertil Bouillon, Präsident der DGU. „Der Schockraum muss ein gut organisierter Ort professioneller Teamarbeit sein“, ist sich der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sporttraumatologie der Kliniken der Stadt Köln sicher.

Festgelegte Abläufe seien ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Überleben der Patienten und hätten in den vergangenen Jahren die Sterberate erheblich gesenkt, teilte die DGU mit. Das zeige auch eine vor kurzem veröffentlichte Studie. Dafür hatten Unfallchirurgen des Uniklinikums Essen Informationen über rund tausend Polytrauma-Patienten ausgewertet, die von 2002 bis 2011 bei ihnen erstversorgt worden waren.

Bemerkenswert sind dabei vor allem zwei Ergebnisse: Nach Einführung der „S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung“ der DGU im Jahr 2011 sank die Sterberate der Patienten, die das Krankenhaus lebend erreichten, nahezu um die Hälfte. „In der Leitlinie finden sich Empfehlungen, die von der Zusammensetzung der Schockraumteams über die Größe und Lage der Räume bis zu detaillierten Hinweisen für die Untersuchung und Behandlung der Patienten reichen“, erklärt Professor Dr. Reinhard Hoffmann, Generalsekretär der DGU. Außerdem weisen die Mediziner einen statistischen Zusammenhang zwischen der Zunahme computertomografischer Ganzkörperuntersuchungen und der Abnahme der Sterberate nach.

„Um die Versorgung von Polytrauma-Patienten in Deutschland weiter zu verbessern, sollten diese erfolgreichen Prozesse weiter standardisiert und in interdisziplinären Teams organisiert werden“, fordert Hoffmann von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt/Main.

(26.09.2014)

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?