Demonstration wird Rettungseinsatz


Stuttgart (rd.de) - Eine nicht ganz freiwillige Lehrstunde zum Thema Grenzen des Demonstrationsrechts erhielten gestern etwa 1.000 Schüler bei ihrer angemeldeten Demonstration gegen den Stuttgarter Superbahnhof. Die offizielle Bilanz spricht von 116 Verletzten. Bei Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften der Polizei und Demonstranten sind im Laufe des Donnerstags viele Demonstranten und einige Polizeibeamte verletzt worden. Beim Aufstellen der Absperrgitter rund um die zukünftige Baustelle für die Grundwasseraufbereitungsanlage waren die Einsatzkräfte von Anfang an ständig von Demonstranten blockiert worden, ebenso die Fahrzeuge. Ausgangspunkt war eine angemeldete Schülerdemonstration, die sich gegen die Pläne zum Bau des unterirdischen Hauptbahnhofs richtete. Am Versammlungsort vermischten sich dann Bürger, die geplante Baumfällarbeiten verhindern wollten, mit der Schülerdemo. In aufgeheizter Stimmung setzten die Polizeibeamten Pfefferspray ein und lösten die Blockade mit Wasserwerfern auf. Wie die Polizei berichtet, hat die integrierte Leitstelle Stuttgart um 20.00 Uhr insgesamt 116 Verletzte gezählt. 106 Personen wurden ambulant versorgt. Die meisten Verletzungen entstanden infolge des Einsatzes von Pfefferspray. Unter den Verletzten waren auch sechs Minderjährige, vier 16-Jährige, ein 14-Jähriger und ein Zwölfjähriger. Zehn weitere Menschen wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Die Rettungskräfte wurden von der Eskalation der Gewalt erst einmal völlig überrascht. Die ersten Notrufe wurden nach Angaben der TAZ mit der Auskunft bedacht, es stünde ein Notarztwagen im Park, an den sich Verletzte wenden könnten.

2 Responses to “Demonstration wird Rettungseinsatz”

  1. campesino on Oktober 2nd, 2010 15:35

    Ich war als Demosanitäter im Einsatz.
    Es wurden allein von uns rund 380 Patienten versorgt.
    Die Zahl von 116 Verletzten ist falsch und bezieht sich nur auf die Patienten, die schlussendlich in Kontakt mit DRK oder Feuerwehr kamen. Zusätzlich ist eine hohe Dunkelziffer einzurechnen.

    Der Satz „Eine nicht ganz freiwillige Lehrstunde zum Thema Grenzen des Demonstrationsrechts“ ist schon fast zynisch. Ich würde es eher als Lehrstunde zum Thema Grenzen der Demokratie bezeichnen.

    Der Polizeieinsatz war unverhältnismäßig gewalttätig.

  2. Mario Gongolsky on Oktober 4th, 2010 11:18

    Der Einleitungssatz über die Grenzen des Demonstrationsrechts hat offenbar weithin für Verwirrungen gesorgt. Ich wollte damit nicht Partei ergreifen. Die Demonstration war genehmigt, allerdings verlagerte sich der Versammlungsort auf eine Fläche, die von der Polizei gesichert werden sollte. Hier prallten also konkurrierende Schutzinteressen aufeinander. Ob die eingesetzten Mittel hierbei verhältnismäßig waren, wollte ich nicht beurteilen.

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