Chemieunfall: Rettungsassistenten brauchten Atemschutz


Köln (BF) – Auf einem Speditionsgelände in der Geestemünder Straße in Köln-Niehl kam es gestern Abend gegen 21:09 Uhr zu einem Chemieunfall, bei dem ein Speditionsmitarbeiter verletzt wurde. Die Rettungsassistenten brauchten Atemschutz und Schutzanzug, um den Patienten zu versorgen.

Zwei mit einer stark ätzenden Chemikalie beladene Stahlfässer wurden durch einen Gabelstapler im unteren Bereich beschädigt und rund 400 Liter der Substanz liefen aus und ergossen sich in die Speditionshalle.

Ein Speditionsmitarbeiter, der sich in der unmittelbaren Nähe der Fässer aufhielt, stürzte offensichtlich in der Flüssigkeitslache und wurde sofort von Kollegen aus der Lache herausgezogen. Während die Arbeitskleidung der Kollegen dabei oberflächlich verunreinigt wurde, war die Kleidung des gestürzten Mitarbeiters völlig durchtränkt. Die Speditionsmitarbeiter riefen sofort die Leitstelle der Feuerwehr Köln an und informierten über den Unfall und eine verletzte Person.

Die Leitstelle alarmierte den Löschzug der zuständigen Feuerwache Weidenpesch und Unterstützungskräfte der Feuerwache Chorweiler, Spezialfahrzeuge der Gefahrstoffeinheit der Feuerwache Ostheim und der Freiwilligen Feuerwehr Löschgruppe Heumar, einen Notarzt und einen Rettungswagen, den Einsatzführungsdienst und den Gerätewagen-Atemschutz.

Bei Eintreffen der Feuerwehr standen die betroffenen Mitarbeiter ausserhalb der Halle auf dem Speditionsgelände und konnten den Einsatzleiter über die Situation kurz informieren.

Rettungsassistenten brauchten Atemschutzgeräte und Schutzanzüge

Zur Versorgung des Verletzten mussten sich die Rettungsassistenten des Rettungswagens der Feuerwehr mit Atemschutzgeräten und Schutzanzügen ausrüsten, um den Patienten zu entkleiden, bevor er im Rettungswagen behandelt werden konnte. Aufgrund der Atemwegsbeschwerden war schnell klar, dass der Verletzte ins Krankenhaus transportiert werden musste.

Um sicher stellen zu können, dass keine giftigen Substanzen durch den Patienten ins behandelnde Krankenhaus eingeschleppt werden, wurde der Patient in einem Spezialcontainer zur Dekontamination verletzter Personen geduscht und nach vollständiger Reinigung an einen zweiten, nicht verunreinigten Rettungswagen der Feuerwehr übergeben.

Da auch bei den weiteren Kollegen des Verletzten Verunreinigungen der Kleidung erkennbar waren und eine vorsorgliche Untersuchung im Krankenhaus notwendig war, wurden auch diese vor Ort geduscht und mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Bis zum Morgen des 11.11.2011 befanden sich alle Speditionsmitarbeiter vorsorglich zur Beobachtung im Krankenhaus.

Nach der Erstversorgung des Patienten konnten dann auch die drei Rettungsassistenten der Feuerwehr ihre Schutzkleidung ablegen und duschen. Die Rettungsdienstmitarbeiter konnten nach der Dekontamination zur Wache einrücken.

Erster Einsatz des Dekon-Systems

Das System zur Dekontamination verletzter Personen wurde anlässlich der Vorbereitung zur Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2006 in Zusammenarbeit mit dem Land NRW für den Katastrophenschutz entwickelt und hat sich bei dem gestrigen Einsatz erstmals in einem Echteinsatz bewähren können.

Parallel zur Versorgung der verletzten und betroffenen Speditionsmitarbeiter gingen Trupps mit Chemikalienschutzanzügen in die Halle vor, um Proben der ausgelaufenen Substanz zu nehmen und die genauen Angaben über den Stoff von den defekten Fässern abzulesen.

Analytische Task-Force nahm Proben

Die entnommenen Proben wurden im Labor der Analytischen Task Force der Feuerwehr Köln, die erst im Jahre 2009 als eine von sieben bundesweiten Spezialeinheiten in Köln eingerichtet wurde, innerhalb weniger Minuten analysiert. Erst die Übereinstimmung zwischen den Analyseergebnissen der Feuerwehr und den Angaben auf den defekten Fässern erbrachte die notwendige Sicherheit über die Identität des ausgelaufenen Stoffes. Diese Informationen konnten dann an das behandelnde Krankenhaus zur Klärung der weiteren Behandlung übermittelt werden.

Die von der Spedition in der Eile irrtümlich bereitgestellten Datenblätter über den Stoff erwiesen sich nach der Stoffidentifizierung durch die Feuerwehr als falsch. Für die weiteren Maßnahmen zur Eindämmung und die Entsorgung der Flüssigkeit wurden die Planungen über verwendbare Materialien und Entsorgungsmethoden konkretisiert. Die Lache wurde mit Bindemittel gebunden. Zur Reinigung und Entsorgung wurde eine Spezialfirma beauftragt.

Bei dem ausgelaufenen Stoff handelt es sich um Benzoylchlorid, einen Stoff der in der Forschung und Industrie als Lösungsmittel und Reagenz verwendet wird. Im Kontakt mit Wasser wird Salzsäure und ein Konservierungsstoff freigesetzt. Messungen im Umfeld der Halle, wiesen während des gesamten Einsatzes keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen auf. Eine Gefährdung des Umfelds der Speditionshalle kann ausgeschlossen werden.

Nach etwa sechs Stunden konnte die Einsatzstelle zur Reinigung der Speditionshalle an die Fachfirma übergeben werden. Aufgrund der starken Geruchsbelästigung muss die Halle bis zur endgültigen Reinigung gesperrt bleiben.

Dieser Chemieunfall zeigte eindrucksvoll, wie notwendig und richtig die in den vergangenen Jahren erzielten Verbesserungen im Bereich der Gefahrenabwehr bei atomaren, biologischen und chemischen Risiken sind. In Zusammenarbeit mit dem Land NRW und anderen Feuerwehren wurden in Köln umfangreiche Einsatzpläne und Konzepte erstellt und in die technische Umsetzung investiert. Die ehrenamtlichen Einheiten wurden in diese Konzepte eingebunden und für Sonderaufgaben spezialisiert. Es wurde deutlich, dass die medizinische und technische Rettung aus einer Hand eine entscheidende Voraussetzung für die durchgängige Rettungskette für die Menschen in Köln und für einen wirksamen Umweltschutz ist.

Insgesamt waren 66 Einsatzkräfte der Feuerwehr Köln und des Kölner Rettungsdienstes im Einsatz.

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