Bundesrat winkte Berufsanerkennungsgesetz durch


Berlin (rd.de) – Der Bundesrat segnete den Gesetzentwurf zur leichteren Anerkennung ausländischer Berufsausbildungen ab. Die Regierung wurde aufgefordert, den Nachweis erworbener Qualifikationen in Gesundheitsberufen weiter zu präzisieren.

Der Gesetzesvorstoß der Bundesregierung zur vereinfachten Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse passierte am Freitag den Bundesrat. Hintergrund ist, dass rund 300.000 in Deutschland lebende Ausländer unterhalb ihrer Berufsqualifikation arbeiten müssen, weil ihr im Ausland erworbener Berufsbildungsabschluss hier nicht anerkannt wird. Mit dem neuen Gesetz haben sie die Möglichkeit vom 1. März 2012 an, binnen drei Monaten ihre Ausbildung anerkennen zu lassen. Auf diesem Wege sollen mehr Fachkräfte gewonnen werden.

Bei den Gesundheitsberufen empfiehlt der Bundesrat eine Kenntnisprüfung vorzunehmen, die eine Gleichwertigkeit der Berufsqualifikation sicherstellt. Das Verfahren der Defizitfeststellung sei besonders bei den Gesundheitsberufen sehr aufwändig. In Fällen, in denen die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Herkunftsland besonders desolat sind, kann die Feststellung von Ausbildungsdefiziten sogar unmöglich sein. Daher sollte Antragstellerinnen und Antragstellern hier ein Wahlrecht eingeräumt werden, sich anstelle der individuellen Defizitprüfung für eine standardisierte Kenntnisprüfung zu entscheiden.

In der Praxis, so vermuten Fachleute, könnte die Prozedur bei vielen Berufen auf eine Teilanerkennung hinauslaufen. Immerhin wird der ausländische Bewerber danach wissen,  in welchen Punkten er sich nachqualifizieren muss.

2 Responses to “Bundesrat winkte Berufsanerkennungsgesetz durch”

  1. thomaswagner on November 7th, 2011 19:43

    Man darf gespannt sein, wie sich die künftige Praxis im RD diesbezüglich darstellt.
    Es wäre dabei auch denkbar, dass sich Personal, das sich in Deutschland anerkennen lassen will, sogar eher „abqualifizieren“ muss um in Deutschland im Rettungsdienst arbeiten zu können, z.B. bei einem Wechsel aus den Niederlanden oder Skandinavien nach Deutschland. Wird zwar wohl kaum vorkommen, im Gegensatz zur umgekehrten Richtung, aber dennoch…
    Und wie soll denn überhaupt eine „Teilanerkennung“ für die rettungsdienstliche Praxis aussehen? Pauschale Anerkennung als RettSan für jedermann/frau?

  2. Jörn on November 8th, 2011 10:14

    @thomaswagner: Interessanter Ansatz, den Sie hier verfolgen. Noch spannender als die Tatsache, dass das RETTUNGS-MAGAZIN diese erst auf den zweiten Blick hochinteressante News hier platziert hat.

    Da auch nach rund 130 Tagen BuFDi immer noch kein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist und ab 2013 den HiOrgs viele FSJ-Plätze durch die „Gleichschaltung“ mit dem BFD (ab 01.01.2013 gilt die 1:1-Regelung, die die jetzige 40:60-Regelung ersetzen wird) verloren gehen (könnten), könnten die Themen „Migration“ und „Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse“ eine Dynamik entwickeln wie vor ca. 40 Jahren der Wehrersatzdienst/Zivildienst. Ausländische Docs mit zum Teil gewaltigen sprachlichen Problemen haben wir ja schon im Notarztdienst. Und es haben viele (private RD-Schulen, Zeitarbeitsfirmen etc.) nur darauf gewartet, dass der Bundesrat das Berufsanerkennungsgesetz „durchgewinkt“ hat. Denn ab Frühjahr 2013 (vielleicht schon eher?) können sie mit den Qualifizierungsmaßnahmen (Deutsch als Fremdsprache, modulare RettAss-/RettSan-Ausbildung) für „Willige“ (vor allem aus Osteuropa) beginnen – und die Agenturen für Arbeit, Jobcenter und andere staatliche Förderer werden mit im Boot sitzen! Und nicht, dass ich nun Beifall aus der falschen Ecke bekomme: Ich finde es richtig und wichtig, dass Bundestag und Bundesrat die längst überfälligen Reformen in die Wege geleitet haben – denn Deutschland ist de facto ein Einwanderungsland und jede(r) sollte sich der Chancen, die hierin liegen, bewusst machen. Schließlich leben wir im dritten Jahrtausend und nicht mehr im nationalstaatlich geprägten 19. Jahrhundert.

    Neblige Grüße aus dem Südwesten unserer Republik

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