Bewerbermangel: Zu wenig Freiwillige


Thomas Volk, Abiturient aus Miesbach, ist einer der wenigen, die beim BRK den  Bundesfreiwilligendienst absolvieren will. (Foto: BRK)

Thomas Volk, Abiturient aus Miesbach, will beim BRK den Bundesfreiwilligendienst absolvieren. (Foto: BRK)

München (BRK) – Der Zivildienst steht kurz nach seinem 50-jährigen Jubiläum vor dem endgültigen Aus. An die Stelle des Zivildienstes soll jetzt der Bundesfreiwilligendienst (BFD) treten, doch noch gibt es dafür beim BRK viel zu wenig Bewerber.

Für die einstmals in ganz Deutschland tätigen 90.000 Zivildienstleistenden sollen nach dem Plan des Bundesfamilienministeriums nun ab dem 1. Juli  die Bundesfreiwilligen treten. Auf 35.000 BFDler will man in Deutschland nach dem Willen des Familienministeriums insgesamt kommen. Das allerdings gestaltet sich zunehmend zum Problem, die Suche nach den Bundesfreiwilligen, ist nach den bisherigen Erfahrungen Stärks schwer.

Thomas Volk ist beim BRK derzeit einer der wenigen wirklich sicheren Kandidaten für den neuen Freiwilligendienst. Der 18jährige aus Miesbach hat gerade das G 8 Abitur hinter sich und will sich bis zum Studium neu orientieren. Ein Jahr wird er im Kreisverband Miesbach seinen Dienst ableisten. Die Gründe für den mageren Zuspruch für den neuen Bundesfreiwilligendienst liegen für Stärk auf der Hand: „Zu lange hat das Bundesministerium gebraucht, bis es mit seiner Werbekampagne Mitte Mai endlich in die Öffentlichkeit kam.“ Darüber hinaus fehlen bis heute viele Informationen. So ist bis heute die Kalkulation des Taschengeldes ungeklärt, nur spärlich kommen vom Bundesamt die einzelnen Details. So wusste man zum Beispiel auch lange Zeit nicht, ob das Kindergeld auch weiter an Teilnehmer des BFD gezahlt werden kann.

„Alles in allem zu viele Unklarheiten und Beeinträchtigungen, die davon ablenken und vergessen lassen, dass der BFD eine gute Sache ist und die Wohlfahrtsverbände dringend darauf angewiesen sind“, meint Stärk. Besonders die Ausweitung des Klientenkreises sollte den Wohlfahrtsverbänden helfen die Arbeit der Zivis zu kompensieren. Bis jetzt ist der Slogan des Ministeriums bei den Adressaten für den BFD wohl noch nicht ganz angekommen. „Nichts erfüllt so sehr wie gebraucht zu werden“ – damit wirbt das Bundesministerium für die neuen Freiwilligen. Jeder kann mitmachen, egal ob Mann oder Frau. Außerdem ist die Altersgrenze nach oben unbegrenzt und die Einsatzzeiten sind auf Wunsch auch variabel. Doch bis die letzten Ausführungsbestimmungen des Gesetzes dann eindeutig klar und endgültig verabschiedet sind, muss das BRK zusehen, wie es die mageren Zeiten mit Improvisation oder anderen Diensten überbrücken kann.

Fahrdienste vorerst eingestellt

Nicht überall im BRK ist die Kompensation gelungen, im Raum Aschaffenburg hat das BRK seinen Fahrdienst einstellen müssen. Im Nachbarkreis Miltenberg-Obernburg sieht es nicht viel besser aus, dort hatte der Kreisverband seinen Fahrdienst, die Schulbegleitung und einen Eingliederungsdienst mit der Hilfe von dreißig tüchtigen Zivis bedienen können. „Das alles ist Vergangenheit“, sagt Kreisgeschäftsführer Edwin Pfeifer und hofft, dass er die Defizite mit einem anderen Modell, dem Freiwilligen Sozialen Jahr, ausgleichen kann und dass es bei der Absichtserklärung von 15 Jungen und Mädchen auch bleibt, die sich bisher dazu angemeldet haben.

Bundesfreiwilligendienst hat Zukunft

Dennoch glaubt Stärk fest an eine Zukunft für den BFD. In den variablen Gestaltungsmöglichkeiten des BFD sieht er große Chancen. „Man kann die Dienstzeit von 12 Monaten variieren, auf 6 Monate verkürzen oder auf 18 Monate verlängern. Maximal möglich sind 24 Monate Dienstdauer. Menschen, die älter als 27 Jahre sind, können auch in Teilzeit (mindestens 20 Stunden pro Woche) tätig werden.“

2 Responses to “Bewerbermangel: Zu wenig Freiwillige”

  1. Olaf on Juni 23rd, 2011 14:36

    Das unser Sozialsystem auf „Helferlein“ angewiesen ist,ist keine Neuigkeit.Mit jeder Wehrdienst- und Zivildienstverkürzung ging das Jammern von vor los,wie wichtig die Leute seien.
    Jetzt läuft das System aus und die Lücken werden Sichtbar ! !
    Um genügend Personal zu bekommen ist schon an vielen Stellen ein soziales Pflichtjahr für alle angesprochen worden. Die reine Freiwilligkeit wird,nach meiner Meinung,den Bedarf nicht decken.
    Das Pflichtjahr ist auch langfristig eine Möglichkeit vielen einen Blick in unser recht verworrenes (Murks-) Sozialsystem zu werfen,und für sich und ggf. die Familie Lehren daraus zu ziehen(„So möchte ich nicht alt/gepflegt werden).

  2. locco on Juni 24th, 2011 12:33

    Welch eine Überraschung, dass der BFD nicht funktioniert. Der Zivildienst hat der Entwicklung junger Menschen durchaus den positiven Einfluss gebracht, sich mit hilfsbedürftigen Menschen auseinandersetzen zu müssen und somit echte soziale „Soft-Skills“ zu entwickeln. Freiwillig muss sich nun keiner mehr damit auseinandersetzen. Ich selbst war Zeitsoldat, aber Gegner der Wehrpflicht und Befürworter für den Zivildienst. Schade das die Regierung mal wieder unsinnige Entscheidungen getroffen hat.

    Das unser Gesundheitssystem teuer ist lässt sich nicht bestreiten, geschweige verhindern. Mehr Arbeitsplätze werden mit der Abschaffung der Zivildienstpflicht leider auch vorerst nicht enstehen.

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