Bayerns Digitalfunk wird teurer als geplant


München (pm/rd.de) – Nach den neuesten Schätzungen der Projektgruppe DigiNet, wird die Umstellung auf den Digitalfunk in Bayern die sensible Schallmauer von einer Milliarde Euro durchbrechen. Die Mitglieder des Haushaltsausschusses zeigten sich besorgt.

Die Kosten für die technische Umstellung der BOS gehen weiter nach oben als ursprünglich veranschlagt. So ergibt eine neue „Bottom-Up-Schätzung“ Mehrkosten in Höhe von 152,9 Millionen Euro. Der geplante Gesamtkostenrahmen für den Zeitraum von 2007 bis 2021 erhöht sich damit von 920,4 Millionen Euro auf dann 1,07 Milliarden Euro. Wolfgang Zacher, Leiter der Projektgruppe DigiNet im bayerischen Innenministerium, informierte gestern die Mitglieder des Haushaltsausschusses.

Seit der letzten Kostenschätzung vor zwei Jahren habe es, wie der Vertreter des Innenministeriums darlegte, in nahezu allen Bereichen Kostensteigerungen für die geplante Umstellung gegeben: Steigende Kostenentwicklungen gebe es unter anderem bei der Feinjustierung der Systemtechnik der Funkstandorte, bei der Anbindung der polizeilichen und nichtpolizeilichen Leitstellen an das BOS-Digitalfunknetz, bei der Migration der Polizeidienststellen und beim Standortmanagement der Funksender.

Bei der Standortertüchtigung geht die Realität weit an den Schätzungen vorbei. Die Kosten schossen von 26,9 Millionen Euro auf nun 61,4 Millionen Euro in die Höhe. Daran dürften Sendemaststreitigkeiten mit Bürgerinitiativen und Gemeinden ihren Anteil haben.

Bei den Kosten für die Betriebsstellen sollen die geschätzten Kosten sogar um 241,4 Prozent steigen – von 32,9 Millionen Euro auf 112,5 Millionen Euro. „Hier gibt es einen sehr hohen Personalaufwand“, erklärte Zahner. Die Kosten dafür seien deutlich unterschätzt worden.

In der anschließenden Aussprache rügte SPD-Haushaltsexperte Volkmar Halbleib die „dramatische Kostenexplosion“ bei der Einführung des Digitalfunks in Bayern: „Für mich stellt sich die Frage, ob die Staatsregierung das milliardenteure Projekt überhaupt noch im Griff hat“, erklärte Halbleib. „Wir müssen irgendwann ans Ende der Fahnenstange kommen“, forderte selbst Peter Winter (CSU).

3 Responses to “Bayerns Digitalfunk wird teurer als geplant”

  1. SH on Juni 21st, 2012 11:36

    „Für mich stellt sich die Frage, ob die Staatsregierung das milliardenteure Projekt überhaupt noch im Griff hat“

    Das ist schon längst nicht mehr die Frage. Nicht nur in Bayern wird der Digitalfunk weitaus teurer als geplant (oder behauptet), das gilt für das gesamte Projekt.
    Das liegt hauptsächlich an dem Umstand, dass man mal wieder sämtliche Einschätzungen und Mahnungen von Experten ignoriert hat. Es war von Anfang an klar, dass die Anzahl der Basisstationen keinesfalls ausreicht, um eine vernünftige Netzabdeckung zu erreichen. Auch die Kapazitäten der Basisstationen werden kaum ausreichen um mehr als den „normalen BOS-Alltag“ abzudecken.
    Sämtliche veröffentlichte Zahlen sind rein politischer Natur und haben meist mit der Realität nichts gemein. Die Verantwortlichen in den Gremien wissen das. Schon die Tatsache, dass man dort „Sprachregelungen“ (z.B. zu Kosten und Terminen für die Inbetriebnahme) vereinbart, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Veröffentlichen Zahlen nicht viel mit der Realität zu tun haben.

    „Das Ende der Fahnenstange“ ist hier noch lange nicht erreicht.

  2. Roberto Müller via Facebook on Juni 21st, 2012 11:58

    Ist es nicht immer so??? Bei allen öffentlichen Ausschreibungen ist es komischer weise immer 50% teurer als geplant!!! Woran das wohl liegt!!!

  3. Olaf Mangstl on Juni 22nd, 2012 12:49

    Digitalfunk dient dem Militär!
    Über ein europaweites zusammenhängendes staatliches Netz an Digitalfunkstationen kann man später Drohnen über weite Strecken einsetzen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Überwachung durch den Staat und die Landesverteidigung aus der Luft. Drum ist es egal wieviel das kostet. Militär und Überwachung ist wichtig!!!

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