Ausgelaufenes Lösungsmittel führte zu Großeinsatz


Künzelsau (pol) – Ausgelaufenes Lösungsmittel führte in der Nacht zum Dienstag zu einem Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. 80 betroffene Personen wurden evakuiert – fünf Personen mussten stationär im Krankenhaus aufgenommen werden.

Mehrere besorgte Anrufer meldeten sich am Montag kurz nach 22 Uhr beim Polizeirevier, weil es im Bereich der Schlossgasse in der Künzelsauer Innenstadt „komisch riechen“ würde.

Eine sofort entsandte Streifenbesatzung stellte vor Ort einen extrem unangenehmen Geruch fest. Bei der Suche nach der Ursache trafen die Beamten auf eine ältere Frau. Die 89-Jährige gab zu verstehen, dass sie dort früher eine Apotheke betrieben hatte und diesbezüglich im Keller des Hauses noch ein kleines Museum in Form eines Apothekenkellers unterhält.
Am Montagabend hatte sie einen Nachbarn gebeten, dort einen größeren Glaskolben mit einem Lösungsmittel heraus zu holen, um diesen in einen Plastikbehälter umzufüllen.

Als der 71-Jährige den Glasbehälter gegen 19 Uhr nach oben trug und gerade den Ausgang zur Schlossgasse erreicht hatte, brach plötzlich der Boden des Behälters heraus und die darin befindliche Flüssigkeit verteilte sich auf der Gasse. Dabei handelte es sich um etwa 20 bis 30 Liter Lösungsmittel.

Der 71-Jährige versuchte danach rund zwei Stunden selbst den Gestank durch Verdünnen mit Wasser einzudämmen, was ihm aber nicht gelang.

Die Polizisten konnten dann von der Verantwortlichen schließlich erst gegen 23 Uhr in Erfahrung bringen, dass es sich bei der ausgelaufenen Flüssigkeit um „Kresol Phenol“ handelt, wobei sie diese Lösung vor rund 20 Jahren als Arzneimittel selbst angefertigt hatte.

Aufgrund dieser Aussage erbrachten weitere, umgehend durchgeführte Recherchen, dass diese Stoffkombination je nach Konzentration sehr giftig und auch ätzend sein kann. Der Stoff ist sowohl Bestandteil von Desinfektionsmitteln, wird aber auch zur Herstellung von Arzneimitteln und Kunststoffen verwendet. Kresol-Vergiftungen können „recht unspezifische Symptome hervorrufen“. Als Vergiftungsanzeichen können hierbei unter anderem Kopfschmerzen, Husten- und Brechreiz bis hin zu Bewusstlosigkeit und Atemlähmung auftreten.

Großalarm für die Rettungskräfte

Da mehrere Anwohner bereits über akute Halsschmerzen klagten, wurden von der Einsatzleitung der Polizeizentrale die Rettungsleitstelle und die Feuerwehr alarmiert. Das DRK löste daraufhin einen Großalarm für die Rettungskräfte aus.

Aufgrund der Gefahr, dass sich durch das verflüchtigende Lösungsmittel für umliegende Anwohner nicht absehbare Gesundheitsschäden ergeben könnten, wurde der Bereich um die Schlossgasse weiträumig abgesperrt und rund 80 betroffene Bewohner evakuiert. Diese wurden von Sanitätern in die zwischenzeitlich geöffnete Stadthalle gebracht und dort behandelt.

Von der Feuerwehr wurde der ABC-Trupp der Öhringer Wehr angefordert. Die weiteren Überprüfungen ergaben schließlich, dass es bei der ausgelaufenen Flüssigkeit um eine „Kresol Seifenlauge“ handelt, wobei die genaue Konzentration aufgrund der Eigenherstellung nicht mehr nachvollziehbar ist. Die Feuerwehr übernahm die weitere Verdünnung des ausgelaufenen Lösungsmittels, die Spülung der Kanalisation und die Durchlüftung des betroffenen Gebäudes.

Von dem Vertreter der unteren Wasserbehörde wurde der sofortige Aushub des kontaminierten Untergrunds angeordnet und von einer angeforderten Baufirma noch in der Nacht angegangen.

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