Aufwendige Rettung einer Tourengeherin


Bayerisch Gmain (BRK/ml) – Eine 56-jährige Tourengeherin musste am Samstagnachmittag in einer aufwendigen, mehrstündigen Aktion aus der Alpgartenrinne im Lattengebirge gerettet werden. Die Pidingerin war rund 250 Meter unterhalb der Einfahrt schwer gestürzt und hatte sich den linken Oberschenkel gebrochen. Arktische Verhältnisse mit eiskaltem Wind und zweistelligen Minusgraden, zeitweise dichter Nebel und das bis zu 50 Grad steile Gelände erschwerten den Rettungseinsatz erheblich.

Nach dem schweren Skiunfall in der Lechnerrinne am vergangenen Dienstag war die Bergwacht am Samstagnachmittag erneut bei einer besonders schwierigen Rettungsaktion im Lattengebirge gefordert. Eine 56-jährige Pidingerin war mit ihrem Mann in die Alpgartenrinne einfahren und nach rund 250 Metern im steilen Hang gestürzt, wobei sie sich den linken Oberschenkel brach und mit starken Schmerzen im Schnee liegen blieb. Wie durch ein Wunder stürzte sie nicht weiter über den Steilhang ab. Über Handy wurde die Leitstelle Traunstein verständigt, die daraufhin um 14.48 Uhr die Bergwacht alarmierte.

Innerhalb kurzer Zeit zieht es von oben her zu

Einsatzkräfte der Bergwacht Teisendorf-Anger waren gerade mit einer Rettungsübung an der Schlegelrinne beschäftigt und trafen nur wenige Minuten später an der Einfahrt zur Alpgartenrinne ein. Ein Reichenhaller Bergretter, der privat am Predigtstuhl unterwegs war, weitere Bergretter und ein Polizeibergführer fuhren mit Skiern zur Verunfallten ab und leisteten rasch Erste Hilfe. In der Zwischenzweit wollte die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ in der Schlegelmulde landen, um von dort aus mit dem Rettungstau ihren Notarzt, einen Bergwacht-Luftretter und Ausrüstung zum Unfallort zu fliegen, doch dann kam alles anders und der Einsatz wurde zusehends schwieriger: Innerhalb kürzester Zeit zog Nebel auf. Ein weiterer Anflug mit einem 50-Meter-Tau von Bayerisch Gmain aus scheiterte, da Pilot und Rettungsassistent die Einsatzstelle im dichten Nebel unter ihnen nicht mehr sehen konnten. Notarzt und Bergwacht-Luftretter mussten wieder im Tal abgesetzt werden. Dem Piloten gelang es noch, mit einem 75-Meter-Tau den Bergwachtarzt und einen Sanitäter samt Ausrüstung rund 100 Höhenmeter unterhalb der wolkenumhüllten Unfallstelle abzusetzen, die dann weiter mit Skiern aufstiegen.

260 Meter in die Alpgartenrinne abgeseilt

Da der Nebel nicht mehr aufriss und es bereits langsam dunkel wurde, bereiteten die Retter gegen 17 Uhr einen aufwendigen, bodengebundenen Abtransport der Patientin vor, die in der Zwischenzeit in einer gegrabenen Schneehöhle vor den frostigen Temperaturen geschützt wurde. Mit 260 Metern Statikseil mussten nacheinander zwei Einsatzkräfte durch die steile Rinne abgeseilt werden und einen Luftrettungssack und einen Akja zum Unfallort bringen. Die bereits stark ausgekühlte 56-Jährige wurde ins Vakuumbett des Luftrettungssacks umgelagert und das gebrochene Bein geschient. Mit der Predigtstuhlbahn schickte der Einsatzleiter weitere acht Bergwachtleute und zusätzliche Ausrüstung auf den Berg, die die Mannschaft am Unfallort beim Abtransport unterstützen sollten. Als sie gegen 17.45 Uhr an der Einfahrt zur Alpgartenrinne eintrafen, verzog sich der Nebel langsam wieder: Es wurde sternenklar und die Lichter von Bad Reichenhall waren zu sehen.

Mit nachtflugtauglichem Polizeihubschrauber ins Tal

Die Feuerwehr Bayerisch Gmain hatte in der Zwischenzeit neben der B20 einen ausgeleuchteten Landeplatz eingerichtet und versorgte die Einsatzkräfte im Tal mit heißem Tee. Mit dem Kerosinanhänger der Bergwacht Berchtesgaden wurde „Christoph 14“ nachgetankt; die Besatzung musste aber kurz nach 18 Uhr wegen der Dunkelheit zum Standort zurückkehren. Der Einsatzleiter forderte dann einen nachtflugtauglichen Polizeihubschrauber an, wobei „Edelweiß 8“ nach einer Zwischenlandung in Bayerisch Gmain zunächst die Patientin und einen Bergwacht-Luftretter per Winde aufnahm und ins Tal flog und dann noch ihren Mann zusammen mit dem Polizeibergführer abholte. Das Rote Kreuz stand bereits mit einem Rettungswagen und der Reichenhaller Notärztin bereit und übernahm die Patientin kurz nach 19.30 Uhr am Landeplatz. Die 56-Jährige musste zur weiteren Behandlung in die Kreisklinik Bad Reichenhall gebracht werden. „Ihre Körpertemperatur lag trotz der extremen Kälte bei 36 Grad – gute Arbeit der Retter vor Ort, die sich um den Wärmeerhalt kümmerten“, lobte Bergwacht-Pressesprecher Marcus Goebel. Die restlichen Bergwachtleute fuhren zum Teil mit Stirnlampen ins Tal ab, blieben über Nacht auf der Teisendorfer Hütte oder konnten die Seilbahn benutzen. Die Bergwacht Teisendorf-Anger will am Sonntag noch den Akja und den zweiten Luftrettungssack, den der Bergwacht-Arzt und der Sanitäter zurücklassen mussten, aus der Alpgartenrinne bergen.

Insgesamt waren 22 Männer der Bergwachten Bad Reichenhall, Teisendorf-Anger, Freilassing und Berchtesgaden, zwei Polizeibergführer, 15 Einsatzkräfte der Feuerwehr, die Besatzungen von „Christoph 14“ und „Edelweiß 8“ und der Rettungsdienst des Roten Kreuzes an der aufwendigen Rettungsaktion beteiligt. Der Einsatz dauerte über fünf Stunden. Bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche leistete das Personal der Seilbahn Überstunden, um Retter auf den Predigtstuhl und wieder zurück ins Tal zu fahren.

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