Ärztemangel bei der Bundeswehr


Berlin (rd.de) – Gestern legte der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, seinen aktuellen Wehrbericht vor. Ein Schwerpunkt: Defizite in der personellen Ausstattung des Sanitätsdienstes.

„Der anhaltende Spagat zwischen dem Primärauftrag der Einsatzversorgung einerseits und der truppenärztlichen Grundversorgung andererseits bereitet dem Sanitätsdienst der Bundeswehr zunehmend erhebliche Probleme. In seiner gegenwärtigen Struktur wird er den veränderten Herausforderungen und dem neuen Aufgabenprofil einer Einsatzarmee nicht gerecht“, bilanziert Robbe in seinem aktuellen Bericht. Das gilt insbesondere im Hinblick auf die personelle Ausstattung.

Ärztemangel, das ist ein generelles Problem: Weniger Medizinstudenten, Ärzte die wegen besser Arbeitsbedingungen ins Ausland abwandern und ein Tarifsystem im zivilen Gesundheitssektor, welches attraktiver ist als das starre Vergütungsschema der Bundeswehr, bringen den Sanitätsdienst in Schwierigkeiten.

Die Arbeitsbelastung und mangelnde Planungssicherheit durch ständige Abwesenheiten im Rahmen von Auslandseinsätzen hat die Lage weiter verschärft. „Aus meiner Sicht“, so der Wehrbeauftrage, „ist die Motivation der Ärzte in der Bundeswehr in erschreckendem Ausmaß „gekippt“. Rund 100 Offiziere haben dem Sanitätsdienst im vergangenen Jahr durch einen rechtlich möglichen Wechsel in ein Beamtenverhältnis oder durch Kündigung den Rücken gekehrt.“ Bereits jetzt fehlen dem Sanitätsdienst rund 430 Sanitätsoffiziere.

One Response to “Ärztemangel bei der Bundeswehr”

  1. thomaswagner on März 29th, 2009 06:16

    Dieses Problem mahnt der Deutsche Bundeswehrverband (DBwV) schon seit Jahren an. Interessant finde ich, dass es die Politik hier genauso wie im zivilen Rettungsdienst nicht zu interessieren scheint, dass der Druck immer weiter wächst und die Motivation in den Keller fällt, siehe z. B. Bezahlung, berufliche Verbesserung und Weiterentwicklung, die mittlerweile in jahrzehnte zu rechnende Debatte um die RettAssG-Novellierung…
    Dass jedoch in der gegenwärtigen Lage, in die sich Deutschland selbst manövriert hat, der zivile Gesundheitssektor finanziell besser dasteht, wage ich in weiten Teilen zu bestreiten. Immerhin muss sich ein Bw-Arzt nicht um irgendwelche Budgets scheren und sich damit Gedanken um sein Einkommen machen. Das starre Denken der 60er und 70er Jahre hat sich dort allerdings bis heute gehalten und bietet einem jungen Mediziner genauso wenig persönliche Weiterentwicklungschancen wie dem RD-Personal im Zivilsektor.

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