Anästhesisten warnen vor „Schwesternarkosen“


Nürnberg (amwf/rd.de)- Nach den Neuregelungen des am 25. April verabschiedeten Pflegeweiterentwicklungsgesetzes (§ 63 Abs. 3 c SGB V) können die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) zunächst in Modellvorhaben eine Übertragung ärztlicher Tätigkeiten im Sinne einer Substitution auf nicht-ärztliches Personal vorsehen. Die Ärzteschaft ist alarmiert.In diesem Zusammenhang warnen die Anästhesistenverbände DGAI (Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin) und BDA (Berufsverband Deutscher Anästhesisten) in der so genannten „Münsteraner Erklärung“ nachdrücklich vor einer Übertragung (Substitution) ärztlicher Leistungen an Nicht-Ärzte. Die eigenverantwortliche Übernahme von ärztlich-anästhesiologischen Leistungen bei Einleitung, Steuerung und Ausleitung der Narkose durch Nicht-Ärzte berge erhebliche Gefahren für Gesundheit und Leben der anästhesierten Patientinnen und Patienten. Mehrfach hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Durchführung sogenannter „Parallelnarkosen“, also Narkosen, die nicht adäquat fachärztlich versorgt werden konnten, so dass Patienten zu Schäden kamen, kritisiert und die Verantwortlichen verurteilt. „Die Sicherheit des Patienten ist oberstes Gebot“ – so verlangt es nicht nur die Rechtsprechung, so sehen es auch die Anästhesisten, in deren Hände der Patient vertrauensvoll sein Leben während des operativen Eingriffs legt.

Diese Kritik ist keine Absage an die Delegation ärztlicher Maßnahmen. Es gäbe durchaus Situationen, in denen ärztliche Leistungen, wenn auch nicht substituiert, so doch unter bestimmten Voraussetzungen und ärztlicher Verantwortung an speziell qualifiziertes Personal delegiert werden können, betonte Professor Bernd Landauer, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten (BDA). Hierzu existierten seit langem anerkannte rechtliche und fachliche Grundsätze. Die Narkoseeinleitung, Überwachung und Ausleitung gehöre allerdings nicht dazu.

Die Erklärung wurde im Vorfeld des 111. Deutschen Ärztetages formuliert, der am 20. Mai 2008 in Ulm stattfindet und sich mit dem Leitthema „Das Arztbild der Zukunft und
die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen“ auseinander setzen wird.

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