ADAC trainiert die Rettung in Coesfeld


Kreis CoesfeldKreis Coesfeld – (Pressestelle) Der Kreis Coesfeld schickt seine neuen Rettungswagen abseits öffentlicher Straßen in den Grenzbereich. Die Rettungsassistenten (innen) werden vom ADAC beschult.

Mit Blaulicht und Höchstgeschwindigkeit rast der Rettungswagen auf gerader Strecke über das Gelände des ADAC in Recklinghausen. Plötzlich wird eine Vollbremsung nötig – und das auf regennasser Fahrbahn. Die Front des Fahrzeugs taucht ein, und deutlich ist zu sehen, wie sich der Bremsweg verlängert. Doch das alles ist Routine: Die „Straße“ ist zuvor durch die Sprinkleranlage gezielt unter Wasser gesetzt worden. Und die Vollbremsung ist Teil eines intensiven eintägigen Fahrsicherheitstrainings, das zwölf Rettungsassistenten aus dem Kreis Coesfeld nun absolvierten.

Dabei ging es Übungsleiter Gerd Pohlmann darum, dass die Teilnehmer, die vom Deutschen Roten Kreuz und von der Stadt Dülmen eingesetzt werden, die eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen lernten – aber vor allem auch ihr neues Fahrzeug. Denn von März bis Mai dieses Jahres hat der Kreis Coesfeld insgesamt sieben neue Rettungstransportwagen (RTW) vom Typ Mercedes-Benz Sprinter mit modernster Technik in Dienst gestellt – größtenteils mit neuen, aber auch mit zwei vom jeweiligen Vorgänger übernommenen Kofferaufbauten. Schon bei der Anschaffung war klar, dass alle Rettungsassistenten die Beherrschung der neuen Wagen trainieren sollten – und zwar mit genau jenen Fahrzeugen, die sie auch im Alltag bei Sonderfahrten, also mit Blaulicht und Martinshorn bewegen. Auch wenn die Sprinter mit 135 KW (184 PS) und Voll-Automatikgetriebe technisch identisch sind: Das jeweilige Fahrverhalten hängt sehr stark von Aufbau, Ausstattung, Gewicht und Geschwindigkeit ab.

Übungsleiter Pohlmann, der sich als ADAC-Instruktor ganz auf Transporter spezialisiert hat, ermöglichte die Vorbereitung auf Extremsituationen unter realistischen Einsatzbedingungen: Auf einem mit Pylonen abgesteckten Kurs wurde das schnelle und sichere Kurvenfahren im Grenzbereich erprobt – und genau studiert, wie der RTW sich dabei verhält. Die Teilnehmer lernten frühe Signale des Fahrwerks richtig zu deuten, um ein Ausbrechen des Wagens zu verhindern – denn selbst ein modernes Fahrzeug auf dem neuesten Stand der Technik stößt irgendwann an physikalische Grenzen.

Auch das schnelle Kolonnenfahren wurde mit einem Notarzteinsatzfahrzeug und zwei RTW trainiert. „Mit diesen Übungen steuern wir der prinzipiell höheren Gefährdung bei Sonderrechtsfahrten gezielt entgegen“, betont Burkhard Neimeier, Koordinator der Trainings in der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung beim Kreis Coesfeld. Denn bei solchen Noteinsätzen haben alle Fahrer, die ihr Sonderrecht ausüben, ein hohes persönliches Unfallrisiko. Im Training können sie die eigenen Grenzen – und die ihrer Fahrzeuge – gefahrlos austesten. Ergänzt wird die Praxis durch Gesprächsrunden, bei denen etwa unterschiedliche Bremsmethoden oder allgemeine Fragen der Fahrphysik diskutiert werden. Dabei schöpfen die Übungsleiter aus einem reichen Erfahrungsschatz. Denn das Fahrsicherheitszentrum Westfalen, Partner des ADAC Westfalen, bietet seit mehr als 25 Jahren Sicherheitstrainings Kreis Coesfeldfür PKW an – und kann damit auf eine deutschlandweit wohl einmalige Erfahrung verweisen.

Im Jahr 2008 werden an fünf Terminen insgesamt 60 Rettungsassistenten – und damit fast sämtliche RTW-Besatzungen – aus dem Kreis Coesfeld auf diese Weise geschult. Landrat Konrad Püning legt besonderen Wert auf einen einheitlichen Ausbildungsstand, der ganz im Interesse des Bürgers liege: „Dies ist ein weiteres Glied in der Kette der Optimierung unseres Rettungsdienstes.“ Die zwölf Teilnehmer in Recklinghausen waren sich zum Schluss alle einig: „Das sollten wir möglichst regelmäßig wiederholen!“

(Fotos: Kreis Coesfeld)

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