„Wir brauchen keine Helden!“


Bremen (rd.de) – Unter dem Motto „Wir brauchen keine Helden! Welche Hilfen brauchen Helfer?“, veranstaltete am vergangenen Samstag der DRK KV Bremen das 5. Bremer Symposium für Krisenintervention und Notfallnachsorge. Vor über 300 Besuchern referierten Fachleute über neue Erkenntnisse und Aspekte der psychosozialen Hilfe.

Im Mittelpunkt stand hierbei in diesem Jahr die Einsatznachsorge, das heißt, die Hilfe für betroffene Einsatzkräfte nach belastenden Erlebnissen. Dr. Jens Kowalski vom Uni-Klinikum Schleswig-Holstein berichtete zum Beispiel über die generelle Inanspruchnahme und Akzeptanz von Präventionsmaßnahmen durch Einsatzkräfte. Landespfarrer Pastor Joachim Müller-Lange griff den Bereich Notfallseelsorge auf und erläuterte, wie sich die kollegiale Hilfe im Laufe der vergangenen Jahre entwickelt hat.

Beeindruckend schilderten zu Anfang zwei Einsatzkräfte einen besonders belastenden Einsatz. Susanne Woller von der DRK Notfallnachsorge und André Mawn, Rettungsassistent beim DRK, erzählten, wie sie zu einem nächtlichen Krankentransport gerufen wurden, der sich als Heimtransport eines todkranken Kindes aus der Klinik herausstellte. Kurz nach der Ankunft zu Hause verstarb das Kind. Die daraufhin entstehende Atmosphäre beschrieben die beiden Einsatzkräfte so plastisch, dass auch ein Großteil der Zuhörer tief betroffen schien.

Professor Dr. Wolf Rolf Dombrowsky von der Katastrophenforschungsstelle der Uni Kiel stellte in seinem Vortrag die psychosoziale Hilfe als „integrierte Serviceleistung“ dar, die von unserer Gesellschaft vielfach als selbstverständlich angesehen würde, um „posttraumatische Betriebsunfälle“ zu beheben. Er bemängelte, dass immer wieder der erforderliche Respekt für die Helfer fehle. „Die Ehrenamtlichen sind seelenwund geworden und müssen wieder in der Fokus der Betrachtung gestellt werden“, forderte Professor Dr. Dombrowsky.

Neue und überraschende Erkenntnisse stellte Dr. Gernot Brauchle vom Institut für angewandte Systemforschung und Entwicklung aus Österreich vor. Er hatte das Seilbahnunglück von Kaprun im Jahre 2000 aus psychologischer Sicht unter die Lupe genommen und untersucht, inwiefern die Einsatzkräfte anschließend an einer posttraumatischen Belastungsstörung erkrankten. Nach den ihm vorliegenden Untersuchungsergebnissen kam er zu der Feststellung, dass die derzeit angewandten Methoden zur Bewältigung solcher belastenden Situationen (Stichwort Debriefing) keinen positiven Einfluss haben. Die bisher angestrebte „Reinigung“ des Bewusstseins von den belastenden Erlebnissen sei nicht möglich. Deshalb wären neue Strategien für die Einsatznachsorge erforderlich.

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