Zisch-Hörner haben sich nicht bewährt


Stuttgart (rd.de) – Vor einem Jahr rückten Stuttgarter Notärzte erstmals mit so genannten “Zisch-Hörnern” aus. Doch diese neue Signaltechnik stiftete offenbar mehr Verwirrung als messbaren Nutzen.

Tatü-Ta-Zisch! Mit einem elektronisch erzeugten zischenden Zusatzgeräusch boten die neuen Notarzt-Einsatzfahrzeuge vom Typ Posche Cayenne in Stuttgart auch akustisch neue Eindrücke.

Der neue Toneffekt sollte vor allen Dingen die Richtungsortung der Einsatzfahrzeuge verbessern. Autofahrer, so die Hoffnung, könnten so die Fahrtrichtung der Einsatzfahrzeuge früher als bisher bestimmen und rechtzeitig Platz machen.

Der Praxiseinsatz der neuartigen Signaleinrichtung wurde per Ausnahmegenehmigung zu Versuchszwecken vom Regierungspräsidium Stuttgart genehmigt. Doch inzwischen ist klar, dass das Zischsignal keine positiven Effekte brachte .

„Aus über 600 ausgewerteten Alarmfahrten ergab sich die klare Schlussfolgerung, dass das Zischen im realen Straßenverkehr nicht zu einer besseren Wahrnehmung führt“, erklärt Christian Schwarze, Leiter der Abteilung Technik der Feuerwehr Stuttgart. “Allerdings“, so weiß Schwarze weiter zu berichten, „versuchten Passanten oft, die NEF-Besatzungen auf das wohl defekte Sondersignal aufmerksam zu machen.“

In der Konsequenz wurden die „Zisch-Hörner“ an den Porsche-NEF wieder stillgelegt.

Rumbler: Vorschlag aus den USA

Die technische Problemstellung bleibt allerdings weiter bestehen. Während die maximale Lautstärke der Sondersignale aus Gründen des Gesundheitsschutzes begrenzt ist, sorgt die gute Schallisolierung moderner Fahrzeuge für immer kürzere Reaktionszeiten zwischen der ersten akustischen Wahrnehmung des Einsatzfahrzeuges und dem Zeitpunkt, an dem das Einsatzfahrzeug das vorausfahrende Fahrzeug passieren würde, wenn der Blaulichtfahrer nicht in die Bremse ginge.

Der US-Sondersignalhersteller Federal Signals versucht das Problem der besseren Wahrnehmung mit einem System, das auf den Namen „Rumbler“ hört, zu lösen. Der „Rumbler“ kann mit vielen Federal-Signal-Sondersignalanlagen kombiniert werden und stößt bei Bedarf tiefe Tonfrequenzen mit hohem Schalldruck aus.

Der Warneffekt ergibt sich hier weniger aus dem Hören des Bass-Signals, sondern vielmehr durch Vibrationen, die im ganzen Fahrzeug spürbar sein sollen und so die Aufmerksamkeit des Fahrers auf sich ziehen.

Der „Vibrationsalarm“ für vorausfahrende Autos ist in einem Warnzyklus auf acht Sekunden begrenzt und soll besonders in städtischen Kreuzungsbereichen deutliche Vorteile bringen.

Über den erzeugten Schalldruck des US-Warnsystems „Rumbler“ schweigt sich der Hersteller aus. Die zum System gehörenden Druckkammer-Speziallautsprecher haben einen Übertragungsbereich zwischen 182 und 400 Hz. Der Zusatzton verläuft dabei parallel zum gebräuchlichen US-Sirenenton.

Während Rettungsdienste in den USA auf dieses System schon zurückgreifen können, verbietet in Deutschland die Straßenverkehrs- und Zulassungsordnung abweichende Signaltöne. Interessant ist die Idee eines spürbaren „Bassfundaments“ für Sondersignalanlagen aber in jedem Fall.

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