Weniger Notarzteinsätze dank Telematik?


Berlin/Köln/Aachen (DLR/rd.de) – Die Verwendung mobiler Informations- und Kommunikationstechnologien kann für tiefgreifende Veränderungen der Arbeitswelt sorgen und dabei auch im Rettungsdienst seine Spuren hinterlassen.

Auf dem SimoBIT-Kongresses „Mobiles Internet – Wie sich die Arbeitswelt verändert“, der Ende letzter Woche in Berlin stattfand, stellte das Förderprogramm SimoBIT des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, BMWi, zwölf Projekte vor, die der Technologieentwicklung und Markterschließung dienen sollen.

Die Aktivitäten der zwölf SimoBIT-Projekte erstrecken sich auf die vier Anwendungsbereiche, das Gesundheitswesen, der Maschinenbau, die öffentliche Verwaltung sowie das Handwerk und kleinere Unternehmen. Damit fokussiert sich SimoBIT auf die vielversprechendsten Bereiche mobiler IKT-Anwendungen, die ein besonders hohes Wachstumspotenzial aufweisen.

Für das Gesundheitswesen wies Prof. Harald Korb, Ärztlicher Direktor von Vitaphone, darauf hin, dass durch das mobile Monitoring rund sechzig Prozent der Krankenhauseinweisungen vermieden und die Liegezeiten in den Kliniken erheblich verkürzt werden könnten. Eine Entlastung der Krankenhäuser käme unmittelbar der Behandlung der stationär betreuten Patienten zu Gute. In der Notfallmedizin ließe sich dem akuten Ärztemangel entgegen wirken, da künftig der Austausch von Informationen und entsprechende Anweisungen über die Telematik erfolgen könnten. Nur bei 14,3 Prozent der Notarzteinsätze ist die physikalische Anwesenheit eines Arztes direkt am Unfallort erforderlich.

Damit nimmt Prof. Korb Bezug auf das Simobit-Projekt Med-on-@ix: Untersuchungen hätten gezeigt – so ist in der Projektbeschreibung nachzulesen – dass bei den meisten Einsätzen nicht die manuellen Fertigkeiten, sondern insbesondere das Fachwissen des Notarztes gebraucht wird.

Einen intravenösen Zugang legen, dem Patienten eine Infusion und Medikamente zu verabreichen, das kann ein gut ausgebildeter Rettungsassistent handwerklich alleine erledigen. Typische Probleme, die sich dann aber ergeben, sind zum Beispiel die Beurteilung eines unregelmäßigen Herzrhythmus, die Abgrenzung einer Diagnose zu einem anderen, verwandten Krankheitsbild oder die Entscheidung zum Transport des Erkrankten in ein geeignetes Krankenhaus. In diesen Momenten ist ein erfahrener Notarzt unverzichtbar. Hier soll das Programm „Med-on-@ix“ Lösungen bieten, aber auch dem Notarzt vor Ort bei besonderen Fragestellungen zur Seite stehen.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Med-on-@ix“ arbeitet die Uniklinik Aachen gemeinsam mit verschiedenen Partnern aus Industrie und Forschung an der Entwicklung eines neuartigen Tele-Assistenzsystems für den Rettungsdienst. Daten, Gespräche und Bilder werden direkt von der Einsatzstelle oder aus dem Rettungswagen an ein Kompetenzzentrum, das mit sehr erfahrenen Notärzten besetzt ist, gesendet. Zum Instrumentarium soll sogar ein Tele-Stethoskop gehören, das die Übertragung von Herz- und Atemgeräuschen ermöglicht.

Weitere Informationen:http://www.medonaix.de/

SimoBIT ist die Abkürzung für „Sichere Anwendung der mobilen Informationstechnik zur Wertschöpfungssteigerung in Wirtschaft und Verwaltung“. Das Projekt ist Teil der High-Tech-Strategie der Bundesregierung und des Regierungsprogramms „Informationsgesellschaft Deutschland 2010“ (iD2010).

One Response to “Weniger Notarzteinsätze dank Telematik?”

  1. campesino on Dezember 15th, 2008 22:16

    „Typische Probleme, die sich dann aber ergeben, sind zum Beispiel die Beurteilung eines unregelmäßigen Herzrhythmus, die Abgrenzung einer Diagnose zu einem anderen, verwandten Krankheitsbild oder die Entscheidung zum Transport des Erkrankten in ein geeignetes Krankenhaus. In diesen Momenten ist ein erfahrener Notarzt unverzichtbar.“

    Auch in diesen Momenten ist ein Notarzt ganz sicher nicht unverzichtbar. Das ziegen uns Länder wie Großbritannien schon lange.
    Ein professioneller Rettungsdienst mit ausschließlich gut ausgebildeten, erfahrenen Paramedics ist dem deutschen Notarztsystem ganz sicher überlegen.
    Wie lange ist die durchschnittliche Verweildauer eines Notarztes im Notarztdienst? Wie oft arbeiten Ärzte nur im Rettungsdienst, weil sie es vertraglich müssen?
    Dass in sich in Deutschland Ärzte jeglicher Fachrichtung dazu berufen fühlen, Notfallmedizin zu betreiben, ist ein Skandal und führt immer wieder zu vermeidbaren Zwischenfällen.
    Lieber engagierte, erfahrene Rettungsassistenten/Paramedics, die ihr Leben lang in diesem Job arbeiten.
    Hier liegt das Potenzial zur Effizienzsteigerung, nicht in einer noch größeren Entfremdung zwischen Personal und Helfendem durch irgendwelche Elektronischen Systeme.
    Und zu wem soll die Telemetrie dann gehen? Zum Geriater, der vorher auf dem NEF mitgefahren ist?

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