Vorsicht bei Kolonnenfahrten


(rd.de) – Anfang der Woche rasselten auf der Bundesstraße 111 bei Zempin fünf von sechs Rettungsfahrzeugen einer Fahrzeugkolonne ineinander, weil das zweite Fahrzeug in der Kolonne verkehrsbedingt anhalten musste. Das Fahren im Verband will gelernt sein.

Die Mitarbeiter des Katastrophenschutzes aus Brandenburg waren auf dem Rückweg von einer Übungsveranstaltung auf der Insel Usedom, als es krachte. Das Kolonnefahren erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Erfahrung und an der mangelt es häufig.

Darum sollte man immer fragen, ob eine Kolonnenfahrt – oder korrekt gesagt, das Fahren in einem geschlossenen Verband, außerhalb der einsatzstrategischen Anweisung überhaupt durchgeführt werden soll.

Fahrten in einem geschlossenen Verband sind im § 27 StVO geregelt. Folgende Punkte sind dabei zu beachten:

  • der geschlossene Verband muss für andere Verkehrsteilnehmer als solcher deutlich erkennbar sein.
  • Blaue Flaggen am Führungsfahrzeug, güne Flagge am Schlußfahrzeug, Einschalten des Fahrlichtes an allen Fahrzeugen, Einschalten des Rundumkennleuchten und / oder Warnblinkanlagen am ersten und letzten Fahrzeug.
  • gleiche Fahrzeugart (z.B. Rettungs- und Krankenwagen)
  • gleichmäßige Marschgeschwindigkeit
  • gleichmäßiger Abstand (Stadt 25 m, Land 50 m, Autobahn 100 m)

Was viele zivile Verkehrsteilnehmer nicht wissen und nicht beachten: Der Fahrzeugverband gilt als ein Verkehrsteilnehmer. Insofern sollten Autofahrer nicht in eine Kolonne einscheren.

Weiterhin ist das Einschalten des Blaulichts nicht mit der Inanspruchname von Sonderrechten verbunden. Das bedeutet auch, dass Verbände im Zweifel an auf Rot umspringenden Ampeln zerissen werden, wenn die Kreuzungsbereiche nicht für den querenden Verkehr gesperrt wurden.

In einigen Ortsverbänden wird die Fahrt im Verband geübt, was sinnvoll sein kann. Dort lernt man auch, leicht versetzt zum Vordermann zu fahren, um mehr sehen zu können, als nur das unmittelbar voraus fahrende Fahrzeug und ständig auf seinen Hintermann zu achten. Muss der nämlich anhalten, soll der ganze Verband zum Stehen kommen.

Polizei startet Sicherheitsinitiative

„Sicherheit für Fahrzeuge können wir kaufen, Sicherheit im Umgang mit unseren Fahrzeugen müssen wir erlernen“, sagte Polizeipräsident Alfred Soetbeer am 25.8.2008, anlässlich eines Pressegespräches in Laatzen bei Hannover. Dort führte man am Fahrsicherheitszentrum Hannover Messe zusammen mit den ADAC ein spezielles Fahrtraining für das Kolonnefahren durch.

Die Wahrnehmung polizeitypischer Aufgaben, wie beispielsweise Einsatz-, Verfolgungs- oder Kolonnenfahrten setzt ein hohes Verantwortungsbewusstsein der im Team agierenden Besatzung voraus. Gleichzeitig muss das Risiko für die Fahrzeugführerin oder den Fahrzeugführer sowie die anderen Verkehrsteilnehmer kalkulierbar bleiben. Dies erfordert eine deutlich höhere fahrerische Kompetenz, als dies üblicherweise mit dem Erwerb der Fahrerlaubnis verbunden ist. „Mit dem ADAC Fahrsicherheitszentrum haben wir einen flexiblen und professionellen Partner gefunden, der uns die nötigen Rahmenbedingungen für ein selbst entwickeltes Training bietet“, lobte Soetbeer die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen in Laatzen. Die Einsatz- und Fahrtrainer der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) fänden vor Ort optimale Bedingungen, um in einem geschützten Raum abseits des öffentlichen Verkehrsraums mit unerfahrenen Berufsanfängern gezielt üben zu können, so der Polizeipräsident weiter.

Noch dieses Jahr sollen über 200 Beamtinnen und Beamte an den verschiedenen Trainings teilnehmen. Dafür steht ein finanzielles Budget in Höhe von rund 30.000 Euro zur Verfügung. Lässt sich durch diese Art der Vorbereitung nur ein Totalschaden vermeiden, hat sich diese Investition bezahlt gemacht.

(Foto: DRK-Bereitschaften im Kreis Segeberg üben das Fahren im Verband, DRK Segeberg)

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