Vor 20 Jahren: Flugzeugabsturz in Remscheid


Remscheid (rd.de) – Eine US-amerikanische Militärmaschine vom Typ „Thunderbolt“ stürzt am 8. Dezember 1988 in Remscheid (NRW) in ein Wohngebiet. Sechs Menschen sterben, 50 Personen werden teilweise schwer verletzt. Bei der anschließenden Rettungsaktion verläuft nicht alles reibungslos. Ein Rückblick.

Ein lauter Knall erschüttert um 13.26 Uhr Remscheid. Doch diesmal ist es nicht, wie manche vermuten, der Überschallknall eines Düsenjägers. Eine US-amerikanische Militärmaschine vom Typ A-10-Thunderbolt II ist abgestürzt. Augenzeugen berichteten später, dass Flugzeug sei brennend über das Wohngebiet hinweg gezogen, bevor es in der Stockder Straße in mehrere Wohnhäuser krachte.

Sekunden später sind die beiden Notrufleitungen der Feuerwehr-Leitstelle blockiert. Ein Anruf jagt den nächsten. Um 13.27 Uhr rückt ein Löschzug der Berufsfeuerwehr aus, das Stichwort: „Explosion größeren Ausmaßes.“ Ein LF 24, DLK, TroTLF, ELW und ein RTW sind auf dem Weg zur Unfallstelle. Die Rauchsäule über der Stadt lässt erahnen, dass etwas Größeres passiert sein muss. Noch auf der Anfahrt fordert der Einsatzleiter die Verstärkung von drei freiwilligen Feuerwehren an.

An der Einsatzstelle bietet sich ein chaotisches Bild. Der Rauch der brennenden Häuser und der Flugzeugtrümmer verdunkeln die Straßen, Gärten und Wege sind mit Trümmern übersät, Autos brennen, Menschen schreien. Und die ganze Zeit explodiert Munition.

In den ersten Minuten retten die Feuerwehrleute elf Menschen aus akuter Gefahr. Kurz darauf wird auch die Brandbekämpfung aufgenommen.

Als erster Hubschrauber trifft „Christoph 3“ aus Köln ein. Eine halbe Stunde nach dem Absturz sind insgesamt sieben Helikopter an der Unglücksstelle, darunter ein SAR-RTH und „Christoph 8“ aus Lünen. Aus den Kliniken sind vier Notärzte an die Unglücksstelle gefahren. Die Feuerwehr Wuppertal, die zur Un-terstützung anrückt, bringt den Abrollbehälter „Rettung“ mit. In ihm ist medizinisches Material für fünf Notärzte vorhanden, auch zwei aufblasbare Zelte werden mitgeführt.

Unter den 106 Kräften der alarmierten Schnelleinsatzgruppen sind weitere fünf Notärzte. An der Verletzten-sammelstelle tauchen jedoch kaum Patienten auf, die meisten Opfer werden direkt in die Krankenhäuser gefahren, zwei von ihnen per RTH geflogen. Insgesamt werden 50 Verletzte gezählt, darunter sind auch leichte Blessuren. Eine Versorgung, wie sie beim Massenanfall von Verletzten gelehrt wird, erfolgt nicht.

Zum Einsatz kommen dafür aber viele andere Kräfte – die niemand alarmiert hat. Von nah und fern rücken Sanitäter und Feuerwehrleute an, ohne dass sie angefordert wurden. Lösch- und Rettungsfahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen stehen in den Straßen um die Absturzstelle. Alle wollen helfen – und verursachen letzlich ein heilloses Chaos.

Erst zweieinhalb Stunden nach dem Crash löst der zuständige Hauptverwaltungsbeamte Katastrophenalarm aus. Zu diesem Zeitpunkt immer noch unklar, was die Militärmaschine geladen hat. Weil die Behörden Uran in dem Düsenjäger nicht ausschließen können, wird ein ABC-Zug alarmiert.

Um 19 Uhr sind alle Brände gelöscht. Erst dann kann die Suche nach vermissten Personen an der gesamten Unglücksstelle beginnen. Rettungshundestaffeln durchstreifen die Trümmer, weitere Überlebende gibt es nicht. Die Leiche einer Frau wird entdeckt. Am Ende werden sechs Tote gezählt, darunter ist auch der Pilot. Ihm ist es nicht mehr gelungen, sich mit dem Schleudersitz zu retten. Sein Helm und Fallschirm werden in einem Baum gefunden.

In Deutschland entbrennt nach dem Unglück ein Streit über die Notwendigkeit militärischer Tiefflüge. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Peter Kurt Würzbach, verhängt ein vorübergehendes Tiefflugverbot. Allerdings in Abwesenheit des damaligen Bundesverteidigungsministers Rupert Scholz. Das Verbot sorgt für politische Turbulenzen, in deren Verlauf Würzbach fünf Tage nach dem Absturz zurücktritt.

Text: Michael Klöpper. Dieser Beitrag erschien erstmals im Rettungs-Magazin, Ausgabe 6/2000

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