Virtuelle Katastrophe: Hilfe dank Twitter und Facebook


x24+twitterbirdSan Diego (rd.de) – Am 29. März 2011 wird ein Erdbeben der Stärke 7,3 Montenegro, Kroatien, Bosnien und den Kosovo erschüttern. Das Epizentrum wird unter der Adria vermutet und löst einen Tsunami aus. Onliner werden die Schäden, die das Beben und die Flutwelle anrichten, live auf Twitter verfolgen können. Doch keine Sorge: Es handelt sich nur um eine Übung.

Die Übung wird von Genf aus geleitet, während das Szenario von der Universität in San Diego (USA) entwickelt wurde. X24 Europe soll staatliche Stellen und Katastrophenschutzorganisationen zusammenbringen, um die Möglichkeiten der Katastrophenkommunikation in sozialen Netzwerken und der Datenanalyse mit verteilten Rechenressourecen im Cloud-Computing-Verfahren zu testen. Die Europäische Übung bietet die Herausforderung, eine länderübergreifende Koordination eines Hilfseinsatz mit vielen beteiligten Organisationen zu erproben. Die Beteiligung an X24 Europe steht allen interessierten Gruppen und Organisationen offen.

Einsatzkoordination mit freien Werkzeugen

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Ein Erdbeben der Stärke 7,3 in der Adria, ein Nachbeben, eine Flutwelle, die Kroatiens Küste trifft und deren Auswirkungen bis in die Lagune von Venedig spürbar sein werden: Das X24 Szenario erzeugt eine komplexe Kaskade von Katastrophenereignissen, von den primären Erdbebenschäden über Feuer, Erdrutsche, Dammbrüche und Überflutungen. Die Aufgabe besteht darin, Informationen zu sammeln und einen Hilfseinsatz virtuell zu koordinieren, der vielen tausend Menschen das Leben retten soll. Während die Twittermeldungen – die stets mit den Worten „Test- not real“ beginnen sollen – auf einzelne lokale Schadensereignisse hinweisen, besteht die Aufgabe der Cloud-Computing-Plattform offenbar darin, Hilfsressourcen zu erfassen und den einzelnen Schadensereignissen zuzuordnen, um so eine optimale Koordination der Einsatzeinheiten zu erreichen.

Twitter half auch auf Haiti

Davon, das Twitter und Facebook einen wertvollen Beitrag zur Koordinierung von Hilfsmaßnahmen in Katastrophenfällen leisten können, ist Christoph Dennenmoser vom DRK-Kreisverband Bad Säckingen und Mitglied der Hilfsorganisation Humanity Road, fest überzeugt. Wie er der Badischen Zeitung schilderte, hat er bei dem schweren Erdbeben auf Haiti 2010 selbst erlebt, wie hilfreich Lagemeldungen über die sozialen Netzwerke sind. Er empfing die Twittermeldung einer Missionarin, die für einen schwer kranken Jungen einen Hubschrauber anforderte. Sie bekam einen Hubschrauber der UN und rettete so vielleicht das Leben des Jungen.

In den USA fand eine erste solche Übung im September 2010 statt. An der Übung waren 12.500 Personen aus 79 Ländern und 90 Stellen der U.S.-Regierung, Hilfsorganisationen sowie private Partner beteiligt.

Virtuelle Katastrophenhelfer gesucht

Gruppen, die sich als virtuelle Katastrophenhelfer an X24 Europe beteiligen möchten können sich unter der E-Mail-Adresse x24@eushare.org melden. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite http://x24.eushare.org

One Response to “Virtuelle Katastrophe: Hilfe dank Twitter und Facebook”

  1. Status3 on März 6th, 2011 13:43

    Bravo, Masse statt Klasse.
    Der Trend zu Twitter ist mir unbegreiflich und bringt nur eins zum Ausdruck: Ungefilterte Infos aus völlig unüberprüfbaren Quellen haben es in den Rang von Nachrichtenagenturen geschafft. Der Trend und die Folgen waren schon oft genug bei vergangenen Ereignissen zu beobachten.

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