VeRSiert könnte Großveranstaltungen sicherer machen


Personenzählkamera (Foto: Gongolsky)Köln (rd.de) – Durch elektronische Personenzählung und Live-Simulation lassen sich gefährliche Drängeleien bei Großveranstaltungen vermeiden. Dies bestätigt auch das Forschungsprojekt VeRSiert, dessen Ergebnisse gestern in Köln vorgestellt wurden.

Das Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit dem sperrigen Titel „Vernetzung von Nahverkehrsgesellschaften, Einsatzkräften, Veranstaltern und Fahrgästen im Öffentlichen Personennahverkehr bei Großveranstaltungen“ ist gestern in Köln offiziell beendet worden. Es kombiniert eine elektronische Personenzählung mit einer Simulation der Personenströme und kann den Verantwortlichen eine Vorwarnzeit geben, bevor es zu kritischen Personendichten kommt.

Dr. Wolf Junker, Leiter des Referates Sicherheitsforschung des Bundesforschungsministeriums, war voll des Lobes. Das Projekt sei eine perfekte Verbindung aus Technologie im Dienste des Menschen gewesen und die Ergebnisse ab sofort konkret nutzbar. Das Interesse an dieser Sicherheitslösung hat bereits jetzt eine Nachfrage ausgelöst. „VeRSiert ist ein gutes Beispiele für die Sicherheitsforschung des Bundes, bei der keine reinen Technologieprojekte gefördert werden, sondern stets ein gesellschaftswissenschaftlicher Aspekt mit im Vordergrund steht.“ Nach drei Jahren Projektzeit und knapp drei Millionen Euro an aufgewendeten Fördermitteln steht mit VeRSiert ein erfolgreich getestetes System zur Verfügung, um die Sicherheit bei Großveranstaltungen zu erhöhen.

Schneller reagieren

„Seit drei Jahren messen wir den Personenfluss zwischen dem Kölner Hauptbahnhof und den Stationen der Kölner Verkehrs-Betriebe“, erläuterte Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer der Nahverkehr Rheinland GmbH. Bei der Großveranstaltung Kölner Lichter im Jahr 2009 und 2010 wurden die Fahrgastströme gemessen und die Entwicklung der Personendichte simuliert. Das Fazit ist eindeutig: „Das System bringt uns fünf Minuten Vorwarnzeit, bevor die Situation kritisch wird. Ein wertvoller Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit bei Großveranstaltungen.“

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters wies auf die zahlreichen Großveranstaltungen in Köln hin. „Die Situation im Hauptbahnhof beim Weltjugendtag 2005 war gefährlich. Da hat Köln einfach Glück gehabt“, erinnert sich Roters und ist froh, mit VeRSiert jetzt für mehr Sicherheit sorgen zu können.

Die Personenzählung mit Spezialkameras erzeugt eine zeitnahe und dynamische Simulation. Die Daten stehen nicht nur den Sicherheitskräften, sondern auch den Verkehrsbetrieben und dem Veranstalter zur Verfügung. Die Personenflussdaten werden zusammen mit Karten in einem webbasierten Kooperationsportal bereit gestellt. Im Lagezentrum können Informationen von hinterlegten Örtlichkeiten des Veranstaltungsraums ausgewählt werden, um Fragen nach Zufahrtswegen und Sanitätsstationen schnell beantworten zu können.

Mobile Dienste

Anwendungsbeispiel: Eine Fan-App für den 1. FC Köln mit Notfallmeldefunktion.

Anwendungsbeispiel: Eine Fan-App für den 1. FC Köln mit Notfallmeldefunktion.

Mit zum Forschungsprogramm gehörte die Entwicklung von mobilen Diensten. Für den 1. FC Köln wurde beispielhaft eine Fan-App auf Twitterbasis entwickelt. „Damit Besucher sich eine App mit Sicherheitsfunktion herunterladen, muss die Anwendung einen attraktiven Mehrwert bieten“, veranschaulichte Dr. Wolf Engelbach vom beteiligten Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart. Die Fan-App enthält einen Freundefinder und ermöglicht die Übermittlung von Tweets rund um das Spiel. Doch auch eine Notfall-Taste ist enthalten. Die Art des Ereignisses wie Gedränge, Feuerwerkskörper oder Schlägerei kann zusammen mit einer Standortangabe gemeldet werden. Experimentiert wurde auch mit Gefahren-Warnmeldungen, die per Mobilfunk als so genanntes Cell-Broadcast ausgestrahlt werden. Cell-Broadcasts können kostenfrei von allen Mobiltelefonen in einer Mobilfunkzelle empfangen werden.

Die Leistungen des VeRSiert-Sicherheitssystems werden bei vielen Kommunen und Verkehrsbetreiben mit großem Interesse aufgenommen. Dr. Junker vom Bundesforschungsministerium stellte in Aussicht, das Projekt in eine Verlängerung gehen zu lassen: „Gedacht ist an einen erweiterten Einsatz in Leverkusen und Bonn.“ In Bonn ist der Einsatz der Technologie zum Tag der Deutschen Einheit im Gespräch.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?