Unbegründete Angst vor heimischen Spinnen


Bern (idw) – Spinnenbisse werden in der Öffentlichkeit häufig als gefährlich wahrgenommen. Bisher lagen zur Gefährlichkeit heimischer Spinnenarten jedoch keine verlässlichen Daten vor. Nun geben Schweizer Spinnenforscher und Mediziner Entwarnung. Von Bienen und Wespen ginge eine deutlich größere Gefahr aus, so die Wissenschaftler.

Spinnenforscher Wolfgang Nentwig vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern (Schweiz) wollte wissen, ob die weit verbreitete Angst vor Spinnen und Spinnenbissen eine medizinische Grundlage hat. Zusammen mit Medizinern des Instituts für Hausarztmedizin und der Klinik für Klinische Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsspitals Zürich und des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums hat er erstmals Daten zu Spinnenbissen in der Schweiz gesammelt und ausgewertet. Bisher gab es zu Spinnenbissen europaweit keine verlässlichen Daten. Die Ergebnisse zeigen: Die Gefährlichkeit von Spinnen wird nicht nur in der Bevölkerung allgemein, sondern auch von Ärztinnen und Ärzten überbewertet.

Höheres Risiko durch Bienen- und Wespenstiche

Ausgewertet wurden Daten von allen Schweizer Hausärztinnen und -ärzten zu Spinnenbissen, die dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum gemeldet worden waren. Wolfgang Nentwig identifizierte jeweils die gefangenen Spinnen. Insgesamt wurden 14 Spinnenbisse registriert, die von fünf einheimischen Arten wie etwa der Hauswinkelspinne stammten. Alle Bisse riefen nur leichte Symptome hervor wie schwache Schmerzen, Rötungen und Schwellungen. In zwei Fällen wurden ältere Frauen wegen etwas stärkerer Schmerzen zur Sicherheit ins Spital geschickt, wo die Symptome innerhalb von Stunden ohne Nachwirkungen wieder verschwanden.

„Verglichen mit der Anzahl Spinnenarten, die in der Schweiz und in Europa leben, ist die Zahle der Bisse sehr gering“, sagt Wolfgang Nentwig. In Europa sind 4.500 Spinnenarten heimisch, in der Schweiz sind es rund 1.000. Viele davon sind groß genug, um den Menschen zu beißen und dabei die Hautschicht zu durchdringen. „Dennoch beißen sie kaum, obwohl viele davon in der Nähe des Menschen und auch im Haus leben“, betont der Spinnenforscher. Zudem rufen Spinnenbisse nur leichte Symptome hervor.

Ganz anders als die Stiche von Wespen und Bienen, die laut Nentwig „tödliche Tiere“ in Europa seien: „An Wespen- und Bienengift sterben wegen allergischer Reaktionen in Europa mehrere Menschen pro Jahr, während weltweit seit 50 Jahren kein einziger Todesfall wegen einer giftigen Spinne registriert wurde – auch nicht in Ländern wie Brasilien oder Australien, wo die gefährlichsten Spinnen beheimatet sind.“

Ärztinnen und Ärzte besser informieren

Diese Diskrepanz zwischen der Angst vor Spinnenbissen und ihrer medizinischen Harmlosigkeit führt der Spinnenforscher einerseits auf irrationale Ängste gegenüber Spinnen zurück. Andererseits seien Ärztinnen und Ärzte zu wenig geschult, um Spinnenbisse tatsächlich als solche zu erkennen. Vieles, was wie ein Spinnenbiss aussehe, sei in Wirklichkeit keiner.

(26.10.2013)

One Response to “Unbegründete Angst vor heimischen Spinnen”

  1. Oliver EXi G-Man via Facebook on August 26th, 2013 10:18

    Ich hab selbst zu Hause mehrere terrarientiere, und muss sagen das die heimischen auch sehr hübsch sind u d man keine Angst haben muss!!

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