Überzogene US-Prognose über neue H1N1-Welle


Aufbau von Grippeviren (Zeichnung: M. Eickmann)Bonn (rd.de) – Die „Bild“-Zeitung berichtet über einen Rückkehr der so genannten Schweinegrippe in den USA. Dort seien die Infektionszahlen besorgniserregend gestiegen. Recherchen von rettungsdienst.de ergaben, dass an den Horrorszenarien einer neuen Grippewelle mit einem mutierten Schweinegrippevirus nicht viel dran ist.

Die in dem Zusammenhang zitierte Wissenschaftlerin Dr. Anne Schuchat ist zwar immerhin die Leiterin des staatlichen Centers for Desease Control and Prevention (kurz CDC). Was nach einer sicheren und vertrauenswürdigen Quelle klingt, gilt unter US-Journalisten allerdings längst als wenig glaubwürdig.

So empfahl Dr. Schuchat die Einnahme von Tamiflu als Vorsorgemaßnahme. Ihre Vorgängerin, Dr. Julie Gerberding, hatte seinerzeit den HPV-Impfstoff sogar gegen alle Kritik in Schutz genommen und für sicher erklärt. Pikant: Kurz darauf wechselte sie in eine leitende Position beim Pharmakonzern Merck, wo sie für Impfstoffe zuständig ist.

Eine Harvard-Forschergruppe hatte Statistiken der CDC zur Schweinegrippe nachgerechnet und festgestellt, dass die A/H1N1-Sterblichkeitsrate weitaus geringer war, als die offiziell errechneten vier Prozent.

Es sind solche Indizien, die für ein inniges Verhältnis der Pharmaindustrie zur staatlichen Gesundheitsbehörde CDC sprechen, der Glaubwürdigkeit von Einschätzungen und Prognosen allerdings einen Bärendienst erweisen.

Dennoch schüttelt Dr. Anne Schuchat von der CDC angesichts auch der in den USA zu beobachtenden Grippe-Impfmüdigkeit unverdrossen den Kopf: „Es sei noch nicht vorbei“, mahnte sie noch im Februar, um nun Ende März ihre Besorgnis über eine bevorstehende neue Grippewelle zum Ausdruck zu bringen.

Dabei widersprechen die medienwirksam verbreiteten Schreckensnachrichten den Daten, die Schuchats eigenes Haus publiziert. Auf einen Blick ist zu erkennen, dass die Zahl der gemeldeten A/H1N1-Infektionen wie auch der sonstigen gemeldeten Grippefälle seit Jahresbeginn im Keller der Unbeachtlichkeit verschwunden sind.

An der verbreiteten Pressemitteilung der CDC, die dem Bericht der „Bild“-Zeitung zu Grunde liegt, stimmt nur, dass es tatsächlich lokale Grippeaktivitäten in acht südöstlichen Bundesstaaten gibt. Die Prognose, eine neuen, gefährlichere Schweinegrippewelle könnte nun bevorstehen, ist jedoch aus der Datenlage nicht nachvollziehbar.

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