Über den Dächern von Göppingen


Rettung aus schwindelnder Höhe (Foto: Bergwacht Göppingen, Raimund Wimmer)Göppingen (pm) – Hoch über den Dächern von Göppingen hielten Einsatzkräfte der Bergwacht eine Rettungsübung ab. Auf dem Baukran bei der Kreissparkasse probten die Rettungsspezialisten in 60 Metern Höhe den Ernstfall.

Der Kranführer ist hilflos in seiner Kanzel und muss evakuiert werden, damit er schnellstens medizinisch versorgt werden kann. Da für die Feuerwehren, mit Ausnahme der speziellen Höhenrettungsgruppen, bei 30 Metern „Ende der Fahnenstange“ ist, sind für Einsätze in größeren Höhen die Kletterspezialisten gefordert.

Im Landkreis Göppingen sind dies die Einsatzkräfte der Bergwacht. „Wir sind dankbar für jede Möglichkeit, an technischen Gebäuden zu üben“, sagt Bernd Rein, der technische Leiter. Vor allem wegen der Vielzahl der Krantypen sei dies speziell bei Baukranen besonders wichtig, so Rein.

Rasch waren die Retter mit dem erforderlichen Rettungs- und Sicherungsmaterial auf dem Kran. Während eine Gruppe den Kranführer medizinisch versorgte installierte eine weitere Gruppe die Selbstsicherungseinrichtungen für die Einsatzkräfte und Verankerungen für das Ablassen des Patienten mit seinem Retter.

Beim ersten Durchgang geschah dies mit einem Rettungssitz, in dem der Patient auf dem Rücken des Retters vom Kranausleger abgeseilt wurde. Eine Steigerung in der Schwierigkeit der Rettung war der zweite Durchgang. Der Patient musste liegend zu Boden gebracht werden. Dazu musste der Patient zuerst durch die Dachöffnung der Kanzel nach oben gebracht werden, um dann auf dem schmalen Ausleger auf einer Vakuummatratze in einem Hubschrauberbergesack transportfähig gemacht zu werden. Während der Bergretter, der mit abgeseilt werden sollte, sich bereits an der Außenseite des Auslegers fixiert hatte, wurde der Patient wie ein Kokon durch die Streben „gefädelt“ und in das Sicherungssystem des wartenden Retters eingeklinkt.  Das Ablassen der Beiden war dann wieder Routine und erfolgte zügig.

Für die fünf Mitglieder der Jugendgruppe war diese Ausbildungsübung etwas Besonderes. Zum ersten Mal konnten Sie in dieser Höhe, die ihnen den erforderlichen Respekt abverlangte, an einer Übung teilnehmen. Gesichert und betreut von ausgebildeten Bergwachtlern durften sie auch bereits Aufgaben übernehmen.

Höhepunkt war für sie dann das Abseilen vom Kranausleger, mit immerhin „60 Meter Luft unter dem Hintern“. Bei der abschließenden Besprechung dankte der stellvertretende Bereitschaftsleiter Reiner Abele der Baufirma Weiß und der Kreissparkasse als Bauherr für die Möglichkeit der praktischen Ausbildung „die im Ernstfall ja den Mitarbeitern zu Gute kommt“, so Abele. Er wünsche sich, dass auch in Zukunft solche Möglichkeiten der Bergwacht zur Verfügung stehen.

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