Treibstoffkosten bedrohen den Rettungsdienst


Bonn (rd.de) – Die ersten Kreisverbände schlagen Alarm: Mit den hohen Spritpreisen schliddern viele Hilfsorganisationen in die Roten Zahlen. Eine Entspannung der Kostensituation an der Zapfsäule ist nicht zu erwarten, und die Kostenträger pochen auf die Laufzeit der verhandelten Verträge.

Steigende Fahrleistungen plus steigende Spritpreise treiben den Rettungsdienst vielerorts in eine wirtschaftliche Krise. Zwar sind steigende Spritpreise Teil der Kalkulation, die als Grundlage zur Verhandlung mit den Kostenträgern dient, doch der explodierende Dieselpreis, der das Superbenzin praktisch eingeholt hat, war in dieser Form nicht vorherzusehen.

Und die Auswirkungen sind erheblich. Wie die Wormser Zeitung berichtete, rechnet der DRK-Sprecher Udo Bangerter vom Landesverband Baden-Württemberg mit Mehrkosten von einer Million Euro pro Jahr. Dienststellen, die ihren Aufgaben mit hoher Kilometerleistung nachkommen, sind demnach existenziell gefährdet. Die Defizite müssen aus eigener Tasche ausgeglichen werden und das können die Dienststellen nicht auf Dauer leisten. Die Polizei in Baden-Württemberg kommt mit ihren Budgets zum Betrieb der dieselbetriebenen Streifenwagen auch nicht hin. Die Polizeigewerkschaft befürchtet, dass zum Jahresende weniger Streife gefahren wird, wenn das Innenministerium nicht Spritgeld nachschießt.

Steigende Spritpreise sind nicht neu

Auch die Johanniter in Nordrhein-Westfalen sehen die Entwicklung der Spritpreise mit Sorge: „Die Verträge mit den Kostenträgern haben über die Laufzeit Gültigkeit. Das heißt, auf den erheblichen Mehrkosten für Treibstoff bleiben die Dienste sitzen“, bestätigt JUH-Sprecher Frank Tewes. Der Johanniter-Landesverband NRW beziffert die laufenden Mehrbelastungern durch die gestiegenen Treibstoffpreise im Jahr 2008 auf rund 600.000 Euro. „Wirtschaftlich bedrohliche Schieflagen erwarten wir dieses Jahr glücklicherweise nicht“, erklärt der Johanniter Landesvorstand Wilfried Nelles. „Die Verbände können die Mehrbelastungen über Rücklagen und Überschüsse anderer Dienste noch ausgleichen.“ Einen Rückgriff auf Spendenmittel schließt der Landesverband jedenfalls aus.  Dass die Spritkosten steigen, ist aber keine ganz neue Entwicklung, mit der sich die Johanniter-Dienststellen in Nordrhein-Westfalen schon hinreichend auseinandergesetzt haben. Eine Antwort ist der Gasantrieb: „Bochum hat drei Fahrzeuge auf Gas umgestellt, der Regionalverband Niederrhein zwei Fahrzeuge, beim Regionalverband Mittlerer Niederrhein sind es fünf Fahrzeuge mit Gasantrieb und Münster hat auch fünf Gasfahrzeuge“, zählt Tewes auf und betont, dass diese Beschaffungs- und Umrüstungsentscheidungen als Konsequenz zum allgemeinen Spritpreistrend getroffen wurden. Der Rettungsdienst fährt mit seinen RTWs hingegen überwiegend mit Dieselfahrzeugen und da scheint noch keine Änderung in Sicht.

Retter geben künftig Gas?

Kurzfristige Sprit-Sparmaßnahmen sind im Rettungsdienst nicht zu realisieren. Die Neubeschaffung von Gasfahrzeugen ist da eher eine strategische Entscheidung für künftige Fahrzeugbeschaffungen. Groß ist die Auswahl passender RTW-Basisfahrzeuge derzeit allerdings nicht. Mercedes bietet seinen Sprinter in einer Erdgasversion an, der Iveco Daily ist in einer 136-PS-Gasversion zu haben und der Ford Transit ist ebenfalls mit 136-PS-Gasantrieb erhältlich.

(23.07.2008)

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