Sauerstofftherapie: Nebenwirkungen beachten!


Bremen (rd.de) – Wann und wie viel Sauerstoff benötigt ein Notfallpatient? War längere Zeit generell die hoch dosierte Sauerstoffgabe das Maß aller Dinge, hat mittlerweile ein Umdenken eingesetzt. Es wird ein differenzierteres Vorgehen empfohlen. Das Motto scheint zu lauten: Sauerstofftherapie? Nebenwirkungen beachten!

So scheint die hoch dosierte Sauerstoffgabe bei Patienten mit einem unkomplizierten Myokardinfarkt für den Patienten schädlich zu sein. Die Datenlage hierzu ist allerdings beschränkt. Dennoch empfiehlt das ERC bei Patienten mit unkompliziertem Myokardinfarkt eine Sauerstoffsättigung von 94 bis 98 Prozent oder 88 bis 92 Prozent Sauerstoffsättigung bei Patienten, bei denen das Risiko einer Atemdepression aufgrund eines zu hohen Kohlendioxidpartialdruckes (Hyperkapnie) besteht.

Sauerstofftherapie: Nebenwirkungen beachten!

Das bedeutet, dass nicht mehr umgehend bei jedem Patienten mit einem unkomplizierten Myokardinfarkt Sauerstoff appliziert werden sollte. Vielmehr ist zunächst die Sauerstoffsättigung zu messen und nur einem solchen Patienten ist dann Sauerstoff anzubieten, wenn seine Sättigung unter 94 Prozent liegt.

Im Rahmen der kardiopulmonalen Reanimation empfiehlt das ERC weiterhin die Beatmung mit hoch dosiertem Sauerstoff bei Erwachsenen. Sobald der Patient allerdings wieder einen Spontankreislauf erlangt, soll auch hier eine Überversorgung mit Sauerstoff vermieden werden.

Im Gegensatz dazu wird bei der Reanimation von Neugeborenen die Verwendung von Raumluft empfohlen. Erst wenn trotz optimaler Ventilation und Oxygenierung keine akzeptablen Werte erreicht werden, wird zur Verwendung von hoch dosiertem Sauerstoff geraten.

Die American Heart Association (AHA) empfiehlt zur Therapie des akuten Schlaganfalls die Sauerstoffgabe nur bei hypoxischen Patienten (Sauerstoffsättigung < 94 Prozent) oder wenn die Sauerstoffsättigung unbekannt und nicht zu ermitteln ist.

Und auf noch etwas sei hingewiesen: Der Rat, Patienten mit einer akuten Verschlechterung einer COPD oder einem Asthmaanfall nur wenig Sauerstoff zu verabreichen, da ansonsten die Gefahr eines Atemstillstandes droht, ist schon lange als Ammenmärchen entlarvt worden. Dennoch wird der Hinweis weiterhin in einigen Lehrbüchern aufgeführt.

(Text: Thomas Semmel, Dozent im Rettungsdienst, ERC ALS-Instruktor, PHTLS-Instruktor; Symbolfotos: Markus Brändli; zuletzt aktualisiert: 29.02.2016)

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