Praktikum an Lehrrettungswachen


Praktikum Lehrrettungswache

Bremen (rd.de) – Bis Ende 2014 bestand die Möglichkeit, eine Ausbildung als Rettungsassistent zu beginnen. Wer die Chance genutzt hat, wird im Rahmen seiner Ausbildung unter anderem 1600 Stunden praktische Tätigkeit an einer Lehrrettungswache absolvieren müssen. Den erforderlichen Praktikumsplatz muss sich der angehende Rettungsassistent in der Regel selbst suchen. Hier unser Praktikums-Leitfaden.

Angehende Rettungsassistenten (RA) kommen an einem Wachenpraktikum nicht vorbei. Mindestens 1600 Stunden praktische Tätigkeit im Rettungsdienst müssen nachgewiesen werden, um die Voraussetzung zu erfüllen, später die Berufsbezeichnung „Rettungsassistent“ führen zu dürfen. Das Praktikum an einer Lehrrettungswache ist ein zentraler Punkt der Ausbildung. Dabei stellen sich unter anderem die Fragen:

• Wird meine Zeit als Rettungssanitäter anerkannt?
• Welche Voraussetzungen muss eine Lehrrettungswache erfüllen?
• Wie und wo finde ich einen Praktikumsplatz?
• Wie erkenne ich eine gute Lehrrettungswache?
• Welche Rolle spielt der Lehrrettungsassistent?
• Welche technische und räumliche Ausstattung muss die Wache besitzen?
• Was sind Zwischengespräche und Tätigkeitsnachweise?
• Wie wichtig ist das Abschlussgespräch?

Ausbildung: Rettungssanitäter-Zeit wird anerkannt

Eine Ausnahme von der Vollzeitausbildung zum Rettungsassistenten über zwei Jahre bilden Rettungssanitäter (RS), die nach dem 520-Stunden-Programm der Hilfsorganisationen ausgebildet worden sind. Sie müssen einen Sonderlehrgang absolvieren (vgl. Paragraph 8 RettAssG) und haben dann die Möglichkeit, statt eines 1600-stündigen Praktikums dieselbe Zeit in Form von Einsatzstunden auf RTW oder NAW nachzuweisen. Die Einsätze müssen nach bestandener RS-Prüfung erfolgt sein.

Die für die Schule zuständige Behörde entscheidet, ob die bereits abgeleisteten Stunden als RS anerkannt werden. In Niedersachsen wird die RS-Zeit nur bis zum RA-Examen anerkannt. Fehlen noch Stunden, müssen sie im Status „RA-Praktikant“ abgeleistet werden. In anderen Bundesländern – zum Beispiel NRW – werden die RS-Stunden von Kreis zu Kreis sehr unterschiedlich bewertet. Einige Behörden erkennen grundsätzlich nur bis zu 800 Stunden an. In jedem Fall muss dort die zweite Hälfte als Praktikant geleistet werden.

Da in diesen Fällen immer die Zulassungsbehörde der Rettungsdienstschule entscheidet, empfiehlt es sich bereits im Vorfeld der Ausbildung gemäß Paragraph 8, Absatz 2 RettAssG, die rechtlichen Gegebenheiten bei der Schule abzuklären.

Lehrrettungswache: die Voraussetzungen

Zu absolvieren sind die Praktika an Lehrrettungswachen. Sie sind personell und materiell darauf eingerichtet, Berufsanfängern das erforderliche praktische Wissen zu vermitteln. Von diesen Besonderheiten abgesehen, handelt es sich um „normale“ Rettungswachen, an denen zumindest ein Rettungswagen im 24-Stunden-Betrieb vorgehalten werden muss.

Die Entscheidung, ob sich eine Wache „Lehrrettungswache“ nennen darf, trifft die zuständige Behörde. In manchen Ländern wird die Zulassung zum Beispiel vom Innen- oder Sozialministerium geregelt. In anderen liegt die Zuständigkeit bei den Bezirksregierungen oder Landkreisen bzw. kreisfreien Kommunen. Durch das Notfallsanitätergesetz haben sich die Kriterien für Lehrrettungswachen verschärft.

Praktikumsplatz: Wie und wo finden?

Obwohl ein Praktikum im Rahmen der Ausbildung vorgeschrieben ist, heißt das nicht, dass die ausbildende Rettungsdienstschule ihren Schülern automatisch auch Praktikumsplätze an Rettungswachen vermittelt. Für angehende Notfallsanitäter ist dies vorgeschrieben, für Rettungsassistenten hingegen nicht. Es spricht insofern für die Lehranstalt, wenn sie dem RA-Schüler Wachen benennt, mit denen sie regelmäßig kooperiert und die bevorzugt Praktikanten dieser Schule aufnehmen. Dadurch dürfte sichergestellt sein, dass die Lehrrettungswache über den Wissensstand des neuen Praktikanten orientiert ist.

In der Regel bekommen die Schüler von der Rettungsdienstschule aber nur eine mehr oder minder umfangreiche Liste mit Adressen von Lehrrettungswachen. Es bleibt dann den Schülern überlassen, sich selbst um einen freien Platz zu kümmern. Ob die Bewerbung um einen Praktikumsplatz an den Kreis- bzw. Ortsverband der Hilfsorganisation oder die Wache geschickt werden muss, ist unterschiedlich geregelt.

Wie man eine gute Lehrrettungswache erkennt

Abgesehen von subjektiven Faktoren, nach denen man sich für oder gegen bestimmte Lehrrettungswachen entscheidet (zum Beispiel Nähe zum Heimatort), gibt es auch objektiv wichtige Gründe, auf die jeder achten sollte.

Die „Gemeinsamen Grundsätze der ausbildenden Hilfsorganisationen (ASB, DRK, JUH, MHD) für die Ausbildung von Praktikanten an Lehrrettungswachen“ liefern wichtige Anhaltspunkte. Sie wurden 1991 aufgestellt, haben aber unverändert ihre Gültigkeit. Neben den genannten Organisationen richten sich heute auch viele Rettungsdienste in privater oder kommunaler Trägerschaft nach diesen Empfehlungen.

Ein wichtiges Kriterium stellen die personellen Voraussetzungen dar. So sollte jede Lehrrettungswache über einen Arzt mit Rettungsdiensterfahrung verfügen. Der Arzt muss nicht permanent auf der Wache anwesend sein. Seine Aufgabe ist es vielmehr, für eine einheitliche Lehre auf Grundlage der allgemein anerkannten Ausbildungsvorschriften an der Wache zu sorgen. Dadurch wird sichergestellt, dass dem Praktikanten bestimmte Maßnahmen von mehreren Personen nicht widersprüchlich erklärt werden und er in die Lage versetzt wird, seine Kenntnisse später auch in anderen Rettungsdienstbezirken anzuwenden.

Die Rolle des Praxisanleiters

Wichtigste Ansprechperson für den Praktikanten ist heute der Praxisanleiter, bis Ende 2014 war dies der so genannte Lehrrettungsassistent (LRA). Er besitzt nicht nur eine mehrjährige Einsatzerfahrung, sondern hat auch eine spezielle Ausbildung (200 Stunden) samt Prüfung absolviert.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Wahl der Lehrrettungswache ist die technische und räumliche Ausstattung. Die Vorhaltung eines, in den öffentlichen Rettungsdienst eingebundenen RTW ist vorgeschrieben. Je Rettungswagen und Schicht sollte nur ein Praktikant eingeplant sein. Werden zusätzlich auch KTW und Notarzt-Einsatzfahrzeug vorgehalten, erweitert das die Möglichkeiten, praktische Erfahrungen auf verschiedenen Rettungsmitteln zu sammeln.

Von den Fahrzeugen abgesehen, muss ein Raum vorhanden sein, der für Unterrichtszwecke geeignet ist. Er muss eine ausreichende Größe haben, um zum Beispiel auch mit Übungsphantomen zu arbeiten. Ferner sind Unterrichtsmittel vorzuhalten. Hierzu gehören vor allem Geräte, mit denen eine Herz-Lungen-Wiederbelebung für Erwachsene sowie Säuglinge simuliert werden kann. Auch Intubations- und Infusionstrainer sind wünschenswert.

Nachschlagewerke und andere Literaturquellen, beispielsweise digitale Datenbanken oder Internetzugang, sind wichtig. Hierdurch kann sich der Auszubildende in der einsatzfreien Zeit fortbilden und Einsätze nachbereiten. Die „Wachenbibliothek“ sollte die gängigen Lehrbücher und Fachzeitschriften ebenso wie thematische Fachbücher (Anatomie, Physiologie, spezielle Krankheitslehre usw.) umfassen und auf dem aktuellen Stand sein.

Zwischengespräche und Tätigkeitsnachweise

Bevor das Praktikum beginnt, werden dem Auszubildenden der Ablauf seines Praktikums, Lernziele und besondere Regelungen an der Wache erklärt. Hierzu zählt zum Beispiel das System des Dienstplans. Spätestens nach einem halben Jahr muss mit dem Praktikanten ein Zwischengespräch geführt werden. Eventuell kann es sinnvoll sein, im Laufe des Praktikums zwei bis drei dieser Gespräche zu führen, um Probleme frühzeitig zu erkennen und dem Praxisanleiter die Gelegenheit zu geben, einzugreifen.

Der Auszubildende hat während der gesamten Zeit an der Rettungswache einen Tätigkeitsnachweis zu führen. Weit verbreitet sind Berichtshefte, die den Neulingen zu Anfang ihrer Ausbildung von der Rettungsdienstschule ausgehändigt werden und die sie die gesamte Ausbildung über begleiten. Der für die Ausbildung Verantwortliche – in der Regel der zuständige Lehrrettungsassistent – prüft die Berichte und zeichnet sie ab.

Das Abschlussgespräch

Am Ende des Praktikums steht ein Abschlussgespräch. Es wird von dem Auszubildenden und seinem Praxisanleiter, unter Umständen zusammen mit dem ärztlichen Leiter der Wache sowie weiteren Personen (Wach- und Rettungsdienstleiter, Dozent der Rettungsdienstschule) geführt. Sinn dieses Gespräches ist es, festzustellen, ob der Praktikant die Ausbildung an der Rettungswache erfolgreich absolviert hat. Eine Prüfung findet nicht mehr statt. Sie musste der Praktikant bereits nach der theoretischen und praktischen Ausbildung bestehen. Bei dem Abschlussgespräch geht es nur noch um ein positives Urteil hinsichtlich des Praktikums. Liegt auch das vor, darf auf Antrag die Berufsbezeichnung „Rettungsassistent“ geführt werden.

(Text: Lars Schmitz-Eggen; Symbolfoto: Markus Brändli; letzte Überarbeitung: 09.11.2015)

One Response to “Praktikum an Lehrrettungswachen”

  1. Stefan Hauke on Mai 18th, 2015 19:51

    Sehr guter Beitrag,
    einige Verbesserungen hätte ich aber doch. Nach einem einschlägigen Urteil besteht auch in Niedersachsen seit Jahren die Möglichkeit sich geleistete Zeiten als Rettungssanitäter auch nach dem Staatsexamen zum RettAss anerkennen zu lassen. In diesem Fall müssen auch kein Abschlussgespräch geführt und kein Berichtsheft abgegeben werden. Ist an unserer Wache bisher zweimal passiert, ob das jetzt ein erstrebenswerter oder sinnvoller Weg zum Rettungsassistenten ist möchte ich jetzt lieber nicht bewerten.
    Zweitens legt nicht jeder Praxisanleiter eine Prüfung ab. Ich bin zum Beispiel ein über die jahrelange Lehrtätigkeit als Lehrrettungsassisten an der Wache und als Dozent an der Schule übergeleiteter Praxisanleiter und musste nach niedersächsischem Recht keinen Ergänzungskurs und keine Prüfung machen.
    Sonst aber in allen Punkten korrekt und sehr lesenswert für Praktikanten sowie Praxisanleiter.

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