Port-Systeme und wie Retter sie nutzen können


Portkatheter_580Bremen (rd.de) – Mitarbeiter im Rettungsdienst sehen sich gelegentlich mit Patienten konfrontiert, die ein Port-System besitzen. Solche Systeme werden immer dann implantiert, wenn abzusehen ist, dass ein Patient aufgrund seiner Erkrankung häufiger einen venösen Zugang benötigen wird. Werden ein paar Besonderheiten berücksichtigt, kann auch der Rettungsdienst das Port-System in einer Notfallsituation nutzen.

Die Verweildauer eines peripher-venösen Zugangs, wie er im Rettungsdienst Standard ist, beträgt maximal 72 Stunden. Wird der Zugang länger benötigt, bietet sich ein venöses, subkutan implantiertes Port-System an. Es dient als zuverlässiger und dauerhafter Zugang zum zentralvenösen Gefäßsystem. Das System besteht aus einem Port-Körper mit einer oder zwei voneinander unabhängigen Kammern. Jede verfügt über einen röntgendichten Katheter und ein selbstverschließendes Septum. Über den Port können unter anderem Medikamente verabreicht und Blut entnommen werden.

Port-Katheter: 10 Tipps für den Rettungsdienst

Soll der Port im Rahmen der rettungsdienstlichen Versorgung eingesetzt werden, sind folgende Details zu beachten:

  • Für eine Port-Punktion dürfen nur Spezialnadeln mit „Löffelschliff“ verwendet werden. Alle anderen Nadeln würden die Silikon-Membran beschädigen.
  • Portnadeln gibt es in verschiedenen Stärken und Längen. Der Rettungsdienst hat sie in der Regel nicht an Bord. Oftmals besitzen jedoch die Patienten einen kleinen Vorrat an derartigen Nadeln.
  • Vor der Punktion muss die Punktionsstelle desinfiziert und der Katheterverlauf inspiziert werden. Scheint das System undicht zu sein oder gibt es Hinweise auf eine Entzündung an der Punktionsstelle, darf nicht punktiert werden.
  • Der Patient sollte für die Punktion eine bequeme Stellung einnehmen. Der Oberkörper ist möglichst flach zu lagern.
  • Auf aseptische Bedingungen achten. Das heißt zum Beispiel, die Punktionsstelle desinfizieren und sterile Handschuhe tragen.
  • Um die Punktion durchzuführen, das Portgehäuse zwischen Daumen und Zeigefinger fixieren. Es bildet sich eine Wölbung, in deren Zentrum die zu punktierende Membran liegt. Der Patient sollte tief einatmen und die Luft anhalten. Dadurch wird der Brustkorb stabilisiert.
  • Portnadel mit 0,9% NaCl-Lösung entlüften, rechtwinklig zur Membran einführen und langsam vorschieben. Auf Widerstand achten! Bei zu starkem Druck kann die Spitze der Portnadel verbiegen und die Membran beschädigt werden.
  • NaCl und Heparin in der Kammer sowie im Schlauch müssen mit einer 10-ml-Spritze (nicht kleiner, sonst wird der Druck zu groß!) abgesogen werden. Andernfalls gelingt mögliches Heparin in den Körperkreislauf.
  • Nach der Punktion die Nadel bis zur Klinikübergabe im Port belassen. Wird sie gezogen, muss das System mit NaCl gespült werden.
  • Auf mögliche Komplikationen achten. Druckstellen, lokale Infektionen, Paravasate oder eine Okklusion sind denkbar. Entsprechende Beobachtungen bei der Klinikübergabe mitteilen.

(Text: Dr. Ingo Blank, Chirurg und Leitender Notarzt; Symbolfoto: Markus Brändli; 22.02.2016)

3 Responses to “Port-Systeme und wie Retter sie nutzen können”

  1. Ulrich Welfers on Februar 22nd, 2016 18:34

    Kleiner Fehler: Nur die wenigsten Portsysteme verfügen über zwei getrennte Kämmen. Die gängigsten Systeme verfügen nur über eine Kamer und einen Portkatheter.

    Prinzipiell vertrete ich die Auffassung, dass man die Punktion eines Ports bereits mal geübt haben sollte und dies nicht aus der reinen Theorie heraus versuchen sollte.

  2. Ulrich Welfers on Februar 22nd, 2016 18:35

    Entschuldigen Sie die Tippfehler. In den beiden ersten Sätzen sollte es jeweils „Kammern“ bzw. „Kammer“ heißen.

  3. Michael Hoffmann on Februar 27th, 2016 11:49

    Das unterzeichne ich. Die meisten Systeme haben nur eine Kammer. Und man sollte das vorher mal selber gemacht haben. Mal in der Notaufnahme zuschauen und einfach machen. Es ist nämlich gar nicht so einfach. Aber, gut beschrieben!!!

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