Berufseinstieg: 20 Tipps damit es klappt (Tipps 1 bis 5)


Malteser NT auf dem Festplatz OberboihingenBremen (rd_de) – Rettungsdienst hat viel mit Routine und Erfahrung zu tun. Neulingen mangelt es hieran zwangsläufig. Wir haben 20 Tipps zusammengestellt, die den Einstieg in den Berufsalltag erleichtern werden. In diesem Beitrag geht es beispielsweise um die Kommunikation im Rettungsdienst und die Zusammenarbeit mit dem Notarzt. Hier die ersten 5 von 20 Tipps.

Tipp 1: Den Rettungswagen richtig abstellen

Auch nach dem Erreichen der Einsatzstelle ist Sicherheit – wie schon auf der Anfahrt – das höchste Gebot. Ein oftmals vernachlässigter Aspekt ist dabei die korrekte Parkstellung des Rettungswagens.

Um die Einsatzstelle als solche zu markieren, sollte neben dem schon bei der Anfahrt eingeschalteten Abblendlicht und der Warnblinkanlage grundsätzlich das blaue Blinklicht und – wenn vorhanden – die Umfeldbeleuchtung genutzt werden. Dies hat zweierlei Gründe: Zum einen werden vorbeifahrende Fahrzeugführer daran erinnert, ausreichend Sicherheitsabstand zu halten. Zum anderen ist die Einsatzstelle für nachrückende Rettungsmittel wie Notarzt- Einsatzfahrzeug oder Rettungshubschrauber schon von weitem bzw. aus der Luft erkennbar.

Die Einsatzstelle sollte zudem möglichst „überfahren“ werden. Das bedeutet, dass nicht unmittelbar vor einem Wohnhaus gehalten werden soll, sondern fünf bis zehn Meter weiter. So kann die Patientenfahrtrage direkt im Eingangsbereich vorbereitet werden, ohne sich selbst im Weg zu stehen.

Handelt es sich um einen Verkehrsunfall, muss individuell entschieden werden, wo der Rettungswagen zum Halten kommen soll. Entweder, der Fahrer stellt seinen RTW vor der Unfallstelle ab, um diese vor dem noch laufenden Verkehr zu schützen. Oder er überfährt, wie oben beschrieben, die Einsatzstelle, um in einem sichereren Bereich arbeiten zu können.

Rettungsdienst - Notarzt

Abgestellte Rettungswagen an der Einsatzstelle.

Ist die Feuerwehr zwecks technischer Hilfeleistung ebenfalls erforderlich, daran denken, dass zum Beispiel ein Rüstwagen relativ dicht an die unmittelbare Unfallstelle platziert werden muss. Zuvor eingetroffene Rettungsfahrzeuge können da leicht zu Hindernissen werden. Zum Teil gibt es regionale Absprachen zwischen den Fachdiensten, wie geparkt werden sollte.

Prinzipiell ist es ratsam, Rettungswagen in einer schrägen Parkposition abzustellen. Gerade bei einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten (MANV) oder bei der Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Polizei, ist das wichtig. So können die Rettungsfahrzeuge problemlos abrücken, und das Ein- bzw. Ausladen beispielsweise der Trage wird ebenfalls nicht behindert.

Tipp 2: Notarzt – ja oder nein?

Wird ein RTW-Team ohne Notarzt zu einem Notfall geschickt, gilt es, vor Ort möglichst zügig herauszufinden, ob nicht doch ein Arzt erforderlich ist.

Um in allen Situationen und auch unter Stress richtig entscheiden zu können, empfiehlt es sich, nach Algorithmus vorzugehen. Auch wenn es anfangs ungewohnt sein mag, immer dieselben Fragen zu stellen und dieselben Arbeitsschritte durchzuführen, ist es wichtig, konsequent vorzugehen.

Am verbreitetsten dürfte das ABCDE-Schema sein. Egal, ob Unterschenkelfraktur oder Herzinfarkt, Hyperventilation oder Schlaganfall – immer gilt es abzuklären: Sind die Atemwege frei? Ist die Atmung suffizient? Wie ist die Kreislaufsituation? Zeigt der Patient neurologische Ausfälle und wie ist der Blutzucker? Liegen Begleitverletzungen vor und wie sind die äußeren Umstände der Verletzung bzw. der Erkrankung? Außerdem gilt es, die Schmerzsituation zu beachten.

Ist ein Organsystem gestört, mit Komplikationen zu rechnen oder ist die Situation nur mit erweiterten medizinischen Maßnahmen zu beherrschen, muss ein Notarzt nachalarmiert werden. Auch wenn sich ein Patient dazu entscheidet, den Transport zu verweigern, sollte ein Notarzt hinzugezogen werden.

Prinzipiell gilt: Wer im Zweifel ist, ob ein Notarzt benötigt wird oder nicht, sollte ihn nachfordern.   

Tipp 3: An den Eigenschutz denken!

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) dient der Einsatzkraft als Schutz vor diversen Gefahren unterschiedlichster Art. Angefangen bei der Kontamination mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten bis zu herabstürzenden Gegenständen, kann die PSA wortwörtlich lebensrettend sein.

Standard bei jedem Einsatz sind S3- Sicherheitsschuhe zusammen mit einer Einsatzhose mit Reflexstreifen und einem T-Shirt bzw. Poloshirt oder einem Hemd. Letztere sollten grundsätzlich in der Hose getragen werden, um einem Hängenbleiben vorzubeugen.

Rettungsdienst_Tipps_Berufseinstieg_III

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) dient der Einsatzkraft als Schutz vor diversen Gefahren unterschiedlichster Art. Foto: Maximilian Kippnich

Konsequent sollten möglichst schon auf der Anfahrt Einmalhandschuhe angezogen werden. Diese sind während der gesamten Einsatzdauer zu tragen bzw. gegen neue auszutauschen. Bei einigen Meldebildern kann es indiziert sein, ein zweites Paar überzuziehen. Eine Ausnahme stellt der Fahrer dar. Er sollte während der Fahrt noch keine Einmalhandschuhe tragen oder diese mit Erreichen des Zielortes gegen ein neues Paar austauschen. Die Gefahr, dass die Handschuhe während des Fahrens Schaden nehmen und dadurch ihre Schutzwirkung einbüßen, ist groß.

Erweitert wird die PSA bei schlechtem Wetter, bei Einsätzen im Straßenverkehr sowie bei der technischen Rettung um eine genormte Einsatzjacke. Bei Bränden, Verkehrsunfällen oder der Rettung aus einem Gefahrenbereich muss die PSA um einen Helm ergänzt werden. Auch schwerere „TH-Handschuhe“ können beim Umgang mit Schaufeltrage, Spineboard und Tragestuhl im engen Treppenhaus hilfreich sein.

In angloamerikanischen Rettungsdiensten ist es bereits vorgeschrieben, Schutzbrille und Mundschutz bei invasiven Maßnahmen wie Intubation, Legen einer Thoraxdrainage oder einer großlumigen i.v.-Kanüle anzuziehen. Besteht die Gefahr, mit Körperflüssigkeiten des Patienten in Kontakt zu kommen, sollte daran gedacht werden.

Tipp 4: Was mitgenommen werden sollte

Das Meldebild der Leitstelle kann stark von der tatsächlich Situationen abweichen, auf welche die Rettungskräfte vor Ort treffen. Aus diesem Grund ist es schwer vorherzusagen, welche Geräte und welche Ausrüstung bei der Versorgung des Notfallpatienten benötigt werden.

Mit Notfallrucksack, EKG/Defi, Beatmungsgerät sowie Absaugpumpe lassen sich in der Regel alle Szenarien beherrschen. Deshalb sollte diese Ausrüstung standardmäßig mit zum Notfallpatienten genommen werden.

Eine wichtige Ausnahme stellen Kindernotfälle dar. Taucht bei der Meldung ein Hinweis auf ein beteiligtes Kind oder einen Jugendlichen auf, ist das erwähnte Set um den Kindernotfallkoffer zu ergänzen.

Zusätzliche Spezialausrüstung wird oft auf Notarzt-Einsatzfahrzeugen mitgeführt. Vom NEF-Fahrer muss daher auf der Anfahrt überlegt werden, ob bestimmte Ausrüstungsgegenstände benötigt werden könnten. Ist eine Reanimation zu erwarten, wäre dies zum Beispiel eine automatisierte Thoraxkompressions- Hilfe.

Bei traumatologischen Notfällen bzw. Einsatzstellen in größerer Entfernung empfiehlt es sich, Spineboard mit Zervikalstütze, Notfallrucksack, Absaugpumpe und Sauerstoffeinheit mit Beatmungsgerät auf die Fahrtrage zu legen und das gesamte Equipment zum Patienten mitzunehmen. Das spart Kraft und Zeit.

Tipp 5: Kommunikation im Rettungsdienst ist das A und O

Der Team-Gedanke sollte bei einer RTW-Besatzung einen hohen Stellenwert haben. Um im Einsatz als Einheit zu funktionieren, ist Kommunikation das A und O. Alle sollten zu jedem Zeitpunkt auf demselben Informationsstand sein und wissen, was die anderen im Team gerade machen.

Rettungsdienst_Tipps_Berufseinstieg_II

Um im Einsatz als Einheit zu funktionieren, ist Kommunikation das A und O. Foto: Markus Brändli

Umso mehr Rettungskräfte an der Patientenversorgung beteiligt sind, desto schwieriger wird dies. Deshalb ist es von größter Bedeutung, jeden Arbeitsschritt und jede Information klar an alle Teammitglieder weiterzugeben.

Das kann wie folgt aussehen: Der Rettungsassistent überträgt dem Rettungssanitäter die Aufgabe, ein 12-Kanal-EKG anzulegen. Erst wenn alle Elektroden angebracht sind, ein EKG von guter Qualität angezeigt wird, der QRS-Ton eingeschaltet ist und ein Rhythmusstreifen ausgedruckt wurde, meldet der Rettungssanitäter Vollzug: „Das 12-Kanal- EKG ist ohne Probleme angelegt, hier der Rhythmusstreifen.“

Aus diesem recht einfachen Satz kann der Rettungsassistent mehrere Schlüsse ziehen. Der Prozess ist abgeschlossen; es gab keine Schwierigkeiten. Der Rettungssanitäter ist bereit für seine nächste Aufgabe.

Auch wenn ein Notarzt hinzukommt, sollte so verfahren werden. Laut und deutlich sollte der Arzt zum Beispiel seine Verdachtsdiagnose dem Team mitteilen. Nur so können Rettungsassistent und -sanitäter mitdenken und die weiteren Schritte angehen.

Zusammengefasst: Es müssen immer klare Aufträge formuliert werden und diese dem Durchführenden mitgeteilt werden. Dieser bestätigt den Auftrag und gibt Rückmeldung, sobald er seinen Auftrag erfüllt hat.

(Text: Dr. Maximilian Kippnich, Bereitschaftsarzt und Zugführer im Bayerischen Roten Kreuz; Symbolfotos: Markus Brändli; zuletzt aktualisiert: 08.05.2017)

2 Responses to “Berufseinstieg: 20 Tipps damit es klappt (Tipps 1 bis 5)”

  1. Udo Burkhard on Oktober 28th, 2015 13:06

    Hallo, liebe Redaktion und liebe Leser,
    eine sehr nützliche Zusammenstellung! Glückwunsch!

    Allerdings kann ich mir ein paar Anmerkungen nicht verkneifen.

    1. Nicht nur im angloamerikanischen Raum, sondern auch in Deutschland ist die Verwendung von geeigneter PSA bei invasiven Maßnahmen vorgeschrieben, u.a. nachzulesen in der TRBA 250:
    „4.2.9 Augen- und Gesichtsschutz
    Wenn bei einer Tätigkeit mit Verspritzen oder Versprühen potenziell infektiöser Materialien oder Flüssigkeiten gerechnet werden muss und technische Maßnahmen keinen ausreichenden Schutz darstellen, ist der vom Arbeitgeber gestellte Augen- oder Gesichtsschutz zu tragen. …
    Je nach den Expositionsbedingungen kann ggf. ein zusätzliches Tragen von Atemschutz, z.B. FFP2-Maske, … notwendig sein.“

    2. Die Tipps zum Abstellen der Fahrzeuge sind absolut richtig, bis auf eine Kleinigkeit:
    Das Heck der Fahrzeuge sollte in der Schrägparkposition zum Straßenrand zeigen. Dies halt den deutlichen Sicherheitsvorteil, das die Trage nicht in gefährlicher Nähe zum fließenden Verkehr aus- und eingeladen werden muss, bedeutet also mehr Sicherheit für Patient und Personal.
    Auch wird beim Abrücken das sehr unfallträchtige „Rückwärtsfahren“ vermieden.

    Achso, noch ein grundsätzlicher Tipp:
    Bei der Zusammenarbeit mit der Feuerwehr bei Verkehrsunfällen sollten sich im Arbeitsbereich (5m-Umkreis um das Unfallobjekt) nur die Personen aufhalten, die dort zwingend benötigt werden (i.d.R. NA + RA/RS). Die Bereitstellung der Trage erfolgt außerhalb dieses Kreises (Bereitstellungsbereich – 10 m Umkreis). Nicht unmittelbar benötigtes Personal hält sich außerhalb dieser beiden Bereiche und außerhalb der Fahrbahn auf.

  2. Peter Horn on November 10th, 2016 13:49

    Ich kann mich dem vorherigen Kommentar nur anschließen.

    Ihr habt wirklich an alles gedacht und es toll aufbereitet. Weil ich mich gerade mit dem Thema intensiver befasse und es hier ganz gut ergänzend passt, habe ich mal ein gutes Video verlinkt, in dem beschrieben wird woran man genau einen Schlaganfall erkennt.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?