Telenotarzt-Projekt NRW zieht positive Bilanz


Telenotarzt bei der Arbeit. Foto: RWTH AachenAachen (pm) – Das Forschungsprojekt „Med-on-@ix“, das den Einsatz mobiler Telekommunikationstechnik in der Notfallmedizin erforscht, ist nach mehr als 500 erfolgreichen Einsätzen zu Ende gegangen. Die Initiatoren ziehen eine positive Bilanz und deuten an, dass es ab nächstem Jahr eine Fortsetzung geben wird.

Mobile Geschäftsanwendungen bestimmen inzwischen viele Bereiche des täglichen Lebens. Ein Hauptfeld für deren Einsatz ist zunehmend die Gesundheitswirtschaft. Sie bildet daher auch einen Schwerpunkt im Rahmen des Förderprogramms „SimoBIT – sichere Anwendung der mobilen Informationstechnik (IT) zur Wertschöpfungssteigerung in Mittelstand und Verwaltung“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi).

Eines dieser Forschungsprojekte ist „Med-on-@ix“, das den Einsatz von mobiler Telekommunikationstechnik in der Notfallmedizin zum Gegenstand hat. Im Kern geht es darum, Rettungsdienstmitarbeiter zu unterstützen und ihnen an der Einsatzstelle mit dem gebündelten Wissen erfahrener Notärzte zu helfen. So kann beispielsweise der geringen Abdeckung durch Notärzte im ländlichen Raum Rechnung getragen und kompetente Hilfe bis zum Eintreffen des Rettungsteams bei Spezialisten im Krankenhaus geleistet werden. In der aktuellen Ausgabe des Rettungs-Magazins (4/2011) wird das Projekt eingehend vorgestellt.

Im Rahmen des Projektes entstand eine Telenotarzt-Zentrale, an die direkt aus dem Rettungswagen sowie von der Einsatzstelle Daten, Messwerte und Live-Videos übertragen werden. „Wir ermöglichen mit dem Telenotarzt-System eine notärztliche Versorgung noch vor Eintreffen des Arztes und die Unterstützung der Rettungsdienstmitarbeiter, falls kein Notarzt angefordert wurde“, sagt Dr.-Ing. Michael Tobias (P3 communications GmbH), Projektleiter Med-on-@ix. „Das Ziel ist nicht nur die bestmögliche Behandlung des Patienten sicherzustellen, sondern auch einsatztaktisch zu beraten. Med-on-@ix will notärztliche Hilfe jederzeit und an jedem Einsatzort zugänglich machen.“

Der Notarzt in der Zentrale beurteilt hierbei Lage und Werte, kann bereits Informationen aus Datenbanken oder anderen Krankenhäusern einholen und assistiert dem Team vor Ort, indem er sein Wissen weitergibt.

Nach mehr als 500 erfolgreichen Einsätzen zur Unterstützung der Aachener Rettungskräfte hat das Projekt heute offiziell seine Laufzeit beendet. Ab 2012 wird das Telenotarzt-System im Rahmen einer Folgeförderung durch das Landesministerium für Innovation in Nordrhein-Westfalen online gehen und fünf unterschiedliche Rettungsdienstbereiche an die bisherige Zentrale in Aachen anschließen. Bereits auf der Medica 2010 wurde der Staffelstab an das Nachfolgeprojekt „TemRas – Telemedizinisches Rettungsassistenzsystem“ übergeben, um die erfolgreiche Arbeit des Konsortiums fortzuführen.

4 Responses to “Telenotarzt-Projekt NRW zieht positive Bilanz”

  1. N. on Juli 11th, 2011 16:26

    Im Prinzip kann das eine gute Sache sein. Nur verstehe ich nicht ganz, wieso teures (Förder-) Geld ausgegeben werden muss, um Dinge zu bestätigen, die man eigentlich schon lange weiss. Telemetrie gestütze Systeme gibt es z.B. in den USA schon lange. Auch wenn dieses Modell mit dem dortigen nicht direkt vergleichbar ist, so ist die Erkenntnis dass ein `zugeschalteter`, physisch nicht anwesender Arzt, nicht zwangsläufig eine Verschlechterung der Patientenversorgung bedeuten muss, keine Überraschung.

  2. R on Juli 13th, 2011 10:50

    Woher weiss man das denn lange? Ein wissenschaftlicher Nachweis dazu existiert nicht, ein so umfassendes System genausowenig, denn in den USA gibt es nur vereinzelt Telefonie- bzw. Funk-unterstützte Systeme, die mit umfassender Live-Datenübertragung absolut nichts zu tun haben.

  3. N. on Juli 13th, 2011 22:03

    Hallo R,

    natürlich hast du Recht wenn du sagst, dass das in den USA praktizierte System
    mit dem der Live-Datenübertragung, so wie es bei diesem Projekt stattfindet, nichts zu tun hat (meines Erachtens habe ich aber darauf hingewiesen, dass die Systeme nicht direkt vergleichbar sind, however).
    Versteh mich auch bitte nicht falsch, ich bin keineswegs ein Gegner dieses Projektes. Die technischen Möglichkeiten und damit einhergehende Potenziale, zumal in einer Zeit zunehmenden (Not-)Arztmangels, sind sehr interessant.
    So beeindruckend dieses System im einzelnen auch sein mag, letztlich ist das Ziel vermutlich dasjenige zu zeigen, dass es auch ohne (Not-)Arzt an der Einsatzstelle eine qualitativ hochwertige Versorgung geben kann.
    Daran kann ich aber nichts neues erkennen, sorry.

  4. Jörn on Juli 26th, 2012 09:49

    Für die Modellsammler unter uns Rettern gibt’s Neuigkeiten:

    Herpa liefert gerade das weitestgehend originalgetreue Miniaturmodell des Aachener telenotarzt.de-RTWs im Maßstab H0/1:87 an den Fachhandel aus. Es handelt sich bei dem MB Sprinter ’06 RTW mit Fahrtec-Kofferaufbau um eine limitierte Auflage (Art.-Nr. 090070).

    Weitere Infos gibt’s auch auf der Homepage: http://www.herpa.de

    Sommerlich-warme Grüße aus dem Südwesten der Republik

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