Suizidversuche mit Paracetamol


Bonn (rd.de) – Ab dem 1.4.2009 wird man in den Apotheken Paracetamol ohne Rezept nur noch in kleinen Packungen erhalten. Grund: Zu viele Selbstmordversuche werden mit Paracetamol unternommen.

Es sind spontane Suizidpläne, die zum heimischen Arzneimittelschrank führen und dort sind häufig größere Paracetamolbestände greifbar. Dabei droht bei einer Dosis von 10-15 Gramm ein akutes toxisches Leberversagen.

Eine Paracetamolvergiftung verläuft in zwei Phasen. Der Rettungsdienst trifft im Normalfall in der ersten Phase, maximal 24 Stunden nach der Einnahme beim Patienten ein. In diesem Zeitraum ist ein ein weitgehend Symptom-freies Intervall zu beobachten. Übelkeit im Verbindung mit Erbrechen, gegen Ende der ersten Phase eventuell leichte Oberbauchbeschwerden klingen zunächst wenig dramatisch.
Erst in der zweiten Phase werden Anzeichen einer Leberinsuffizienz sichtbar. Da der Patient einen Selbstmordversuch typischerweise nicht freiwillig einräumt, schöpfen Hausärzte und Rettungsdienst nur selten Verdacht und darin liegt das Risiko.

Bereits vier Stunden nach der Paracetamol-Überdosis kann nach Serumabnahme der Paracetamolspiegel ermittelt werden. Als Antidot wird Acetylcystein – gewöhnlich bekannt als Schleimlöser ACC – eingesetzt. Das Acetylcystein wird in Form von Fluimucil-Injektionslösung großzügig infundiert. Wird dem Rettungsdienst eine Paracetamol-Überdosis bekannt, empfiehlt sich die Gabe von Kohlekompretten. Der Therapieerfolg hängt allerdings entscheidend davon ab, ob die Paracetamolvergiftung rechtzeitig vor einer irreversiblen Leberschädigung entdeckt wurde. Zu spät entdeckte Vergiftungen enden mit einem tödlichen Leberversagen.

Paracetamol ist nicht nur in den bekannten Tabletten enthalten, sondern auch in Ben-u-Ron-Zäpfchen, Gelonida, Thomapyrin, Neopyrin und Grippostad C sowie in Erkältungssäften wie Wick Medinait.

Das Problem der Paracetamolüberdosis ist mit rund 4.000 Vergiftungsfällen jährlich groß genug, um das Gesundheitsministerium auf den Plan zu rufen. Ab 1.April 2009 wird es deshalb die Paracetamol 500mg in Packungsrößen über 20 Tabletten (=10g) nur noch auf Rezept geben. In England und Frankreich sind die kleineren Packungsgrößen bereits üblich und die Fallzahlen gemeldeter Paracetamolvergiftungen deutlich gesunken.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?