Stroke Angel gewinnt Golden-Helix-Award 2008


Graz (DSH) – Das Projekt Stroke Angel, das Schlaganfall-Patienten zur schnelleren Akutversorgung in den Kliniken verhilft, hat den angesehenen Golden-Helix-Award 2008 in Graz (Österreich) gewonnen. Während des 22. Kongresses der Europäischen Vereinigung der Krankenhausdirektoren hat eine hochkarätig besetzte Jury das Projekt mit dem „Oskar“ für Qualitätsarbeit im Gesundheitswesen ausgezeichnet.

Der Preis wird an Projekte im Gesundheitswesen vergeben, die – bei gleichzeitiger Begrenzung der Kosten – nachweislich die Versorgungsqualität für den Patienten verbessert haben.

Die Neurologische Klinik GmbH Bad Neustadt/Saale mit ihren Partnern – hier der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes Rhön-Grabfeld, das FZI Forschungszentrum Informatik Karlsruhe und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe – haben die Stroke-Angel-Initiative seit 2005 ständig weiter entwickelt und sich in dem halbjährigen Auswahlverfahren österreich- und deutschlandweit
durchgesetzt.

„Der Dank geht an alle Partner, die das Projekt mit unglaublich viel Einsatz in den letzten Jahren vorangetrieben haben. Nachdem der Stroke Angel in die Regelversorgung der Landkreise Bad Kissingen
und Rhön-Grabfeld übernommen wurde, ist es unser Ziel, das System auch bundesweit zu empfehlen“, sagte Professor Bernd Griewing, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik Bad Neustadt/Saale.

„Die Projekt-Auszeichnung mit dem Golden Helix Award konnte nur durch eine Bündelung der unterschiedlichen Kompetenzen in einem Team zustande kommen. Medizinisches, ökonomisches und
technisches Wissen mussten zusammen eingesetzt werden, um diesen Fortschritt möglich zu machen und adäquat zu dokumentieren“, attestiert Dr. Carsten Holtmann, Bereichsleiter am FZI.

Die gemeinsam entwickelte Lösung “Stroke Angel” wurde in der Region Bad Neustadt/Saale umgesetzt und erfolgreich getestet: Die Zeitspanne vom Auftreten der Symptome bis Therapiebeginn im Krankenhaus konnte verkürzt werden. Durch eine direkte Übertragung der Untersuchungsdaten vom Rettungswagen in die Klinik kann bei einem akuten Schlaganfall der Patient um durchschnittlich 23 Minuten schneller in der Klinik behandelt werden.

Die Daten werden von den Rettungsassistenten in einen tragbaren Computer eingegeben. Grundlage zur Ermittlung der Verdachtsdiagnose Schlaganfall sind hinterlegte elektronische Schlaganfall-Skalen im Minicomputer.

Besonders bei Patienten mit Hirninfarkten, die mit der so genannten Thrombolyse behandelt werden, kann mit dem Stroke Angel erheblich Zeit gespart werden. So konnte mit Hilfe des neuen Systems in der
Region Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen eine verbesserte Schlaganfall-Versorgung etabliert werden.

Das enge Zeitfenster zur so genannten Lysetherapie (Auflösen von Gerinnseln, die die Blutbahn zum Gehirn verlegen) von drei Stunden nach Erstsymptomatik des Schlaganfalls ist die eigentliche Herausforderung bei der Versorgung dieser Patienten.

Durch den Stroke Angel konnte in der Neurologischen Klinik Bad Neustadt/Saale die Lysequote in den
Jahren 2005 bis Ende 2007 von sechs auf elf Prozent erhöht werden. Bislang liegt die Lyserate in Deutschland über die Gesamtfläche betrachtet bei etwa ein bis zwei Prozent.

Aus dieser deutlich verbesserten Behandlungsquote in der Akutphase des Schlaganfalls resultiert ein niedrigerer Behinderungsgrad und weniger langfristige neurologische Ausfälle bei den Patienten zusammen mit der Möglichkeit, wieder ein unabhängiges Leben ohne bleibende Behinderung führen zu können.

„Die Auszeichnung bestärkt uns, dass wir für die nachhaltige Verbesserung der Notfall-Versorgung solche Best-Practice-Lösungen brauchen, um den Herausforderungen unseres Gesundheitswesens, insbesondere unter dem Aspekt der demografischen Entwicklung in Zukunft gerecht werden zu können“, so Charlotte Kögerl, Programmleitung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

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