Spree-Neiße: Hinter den Kulissen gärt es weiter


Falck_Image 399Forst (rd.de) – Auch nach dem 31. Dezember 2012 verfügt der Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg) über einen funktionierenden Rettungsdienst. Nach den Querelen, die es kurz vor dem Wechsel des Betreibers Ende 2012 gab, war damit nicht zwangsläufig zu rechnen. Doch hinter den Kulissen gärt es weiter.

Vier der betroffenen 49 Angestellten der ehemaligen DRK Rettungsdienst Spremberg gGmbH haben mittlerweile einen Vertrag der Firma Falck Kranken-Transport Herzig GmbH unterschrieben. Die anderen arbeiten unter Vorbehalt für den neuen Dienstleister. Sie erhalten derzeit das hausinterne Grundgehalt zuzüglich Schichtzulagen. Vor Gericht muss geklärt werden, ob Falck dazu verpflichtet ist, die deutlich höheren Bezüge zu zahlen, die noch im Dezember 2012 galten. Acht Mitarbeiter sowie der Betriebsrat haben vor dem Arbeitsgericht in Cottbus Klage eingereicht. Sollte Falck unterliegen, dürften Nachzahlungen fällig werden. Die juristischen Streitigkeiten könnten aber sehr lange dauern.

Derweil ist Falck auf weitere Ungereimtheiten beim Betreiberwechsel gestoßen. So sollen nur drei der 49 Rettungsfachkräfte ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Fortbildungspflicht nachgekommen sein. Laut Landesrettungsdienstgesetz sind 24 Stunden pro Jahr erforderlich, für die der Arbeitgeber in der Pflicht steht. Strenggenommen dürften derzeit demnach 46 Mitarbeiter gar nicht eingesetzt werden. Falck teilte auf Nachfrage mit, dass man diesbezüglich „mit dem Kreistag eine Lösung erarbeitet“.

Die finanziellen Einbußen, die die neuen Falck-Mitarbeiter hinzunehmen haben, sind aber offenbar nicht nur auf den neuen Arbeitgeber zurückzuführen. Nach Informationen, die www.rettungsdienst.de vorliegen, warten die Rettungsfachkräfte auch noch auf die Auszahlung von etwa 3000 Überstunden sowie Nacht-, Wochenend- und Feiertagszuschläge aus Dezember 2012. Dafür wäre die DRK Rettungsdienst Spremberg gGmbH zuständig gewesen.

Auf politischer Bühne soll es jetzt am Mittwoch (23.01.2013) weitergehen. Für diesen Tag wurde eine weitere Sondersitzung des Kreistages angesetzt. SPD und Linke wollen ihren zunächst gescheiterten Versuch wiederholen, die Vergabe an Falck zurückzuziehen. Ein Ende Dezember 2012 erfolgter Beschluss des Kreistages wurde postwendend vom Landrat (CDU) kassiert. Grund waren seine rechtlichen Bedenken. Sollte die neuerliche Abstimmung am Mittwoch erfolgreich sein, würde das Problem ans Innenministerium nach Potsdam weitergereicht – und das ist SPD-geführt.

(Foto: Falck Kranken-Transport Herzig GmbH)

11 Responses to “Spree-Neiße: Hinter den Kulissen gärt es weiter”

  1. Xy ungelöst on Januar 22nd, 2013 16:15

    Ohne die Freiwillige Arbeitskraft der Mitarbeiter könnten die gar keinen Rettungsdienst in Spree Neiße betreiben. Immer schön vor der eigenen Haustür fegen.

  2. John Gage on Januar 23rd, 2013 09:19

    Genau, der AG ist für die Fortbildungsstunden allein verantwortlich. Da zeigt sich doch mal wieder, wie – bei allem Verständnis für die Situation der Kollegen – arrogant die Kollegen sind!!

    Der RettAss ist SELBST ebenfalls für seine FoBi-Stunden verantwortlich!
    Bekommen die es nicht hin, sich für ihre Qualität selbstständig zu kümmern, oder müssen die Kollegen von Mami und Papi noch an die Hand genommen werden?!?

    Wer so denkt, dessen Berufsurkunde gehört umgehend ins Streifenfax – denn offensichtlich sind gravierende Mängel in der Berufsauffassung!

  3. Robert on Januar 23rd, 2013 14:31

    Jetzt spinne ich mal ein wenig weiter und frage mich was wäre wenn jetzt Falck nicht gewonnen hätte und das DRK hätte weiter machen dürfen,wäre das jemals raus gekommen mit denn Fortbildung Std? Oder mit denn noch zu zahlenden Überstunde und Zulagen? Wäre Verdi und die SPD+Linke auch so für ihre „retter “ eingesprungen?

    SO schlimm scheint es ja dann doch nicht zu sein,4 Haben denn Vertrag Unterschrieben und nur 8 + Betriebsrat haben klage eingereicht.
    Wahrscheinlich sind die 8 noch selber im Betriebsrat.

  4. Henning on Januar 23rd, 2013 14:52

    Oh man. Ich sehe es so das der Falck Kranken-Transport Herzig GmbH noch so richtig dicke Eier ins Nest gelegt worden sind. Toi toi das dort sich noch alles richtet.

  5. Jupp Schmitz us Kölle on Januar 23rd, 2013 16:44

    Danke Henning, Robert und John Gage.

    Wenn dies so alles stimmt… DANN hat das DRK aber Falck ein paar Osternester vorbereitet und dies nicht!!! kurzfristig… Hier wäre ja schon zu prüfen, ob das DRK weiterhin überhaupt ein „geeigneter Partner“ des Landkreis wäre/ war….

    Aber wie ich ja schon beim „Nachbarverlag“ zuhören bekam, da ist ja alles „supi beim DRK dort und und und….“.

    Mal schauen, ob ver.di da jetzt auch so auf den „“Putz haut“, wenn wirklich 3.000 Std. beim DRK noch nicht bezahlt sind… Jedoch wird die Gesellschaft vermutlich schon „abgewickelt sein“ und die Kollegen dann wirklich in die Röhre gucken…

    So kann man auch seinem Nachfolger wirklich Eier ins Nest legen und gefrustete Mitarbeiter, wenn dies alles so stimmt…

    Mhhh, ob jetzt wirklich Falck der schlimmere „Unternehmer“ oder ein Tochterunternehmen im Zeichen der „Menschlichkeit“ (welch ein Hohn)…

    Achja, nochmal für alle, die es nicht glauben wollen oder können… Kein Falcke, kein DRK’ler aber halt auch ein Retter…

    Es grüßt Euch aus Kölle

    Jupp Schmitz

    PS: Aber faszinierend, dies mit den Fortbildungsstunden… Kompliment, wenn Falck wirklich sich versucht für die Leute einzusetzen, dass Ihr da weiter fahren könnt… Selbst wenn die Stunden derzeit fehlen… Respekt… -klar, die Nörgler werden sagen… „Falck ist auf uns angewiesen und muss uns nehmen…“.

    Warten wir ab, was der Landrat und der Kreistag nach so einem „Knall“ wirklich entscheiden… Ein Referenzsschreiben des DRK möchte ich mit den Fortbildungsstunden aber nicht wirklich sehen müssen…

    Es bleibt spannend…

  6. Frank on Januar 24th, 2013 19:53

    Toll, wenn sich hier die Fachleute aus Kölle aufspielen, die haben von der Situation wohl die meißte Ahnung, ich bin da eher etwas näher(sehr nahe)dran und muß leider feststellen, es wird ein haufen Mist, lügen und Halbwahrheiten geschrieben, halt so wie mans braucht. Allein auf einmal das geschreibe mit der Weiterbildung, klingt ja so als ob es so etwas in den letzten Jahren nicht gegeben hätte. Die wahrheit ist, Witerbildungen waren immer ein Thema und wurden auch durchgeführt, allerdings, wer ist denn da so schlau und weiß genau wer wieviel Stunden hat. Sicher ist es möglich das einigen Kollegen einige Stunden(von 24)fehlen, vielleicht sogar ganz wichtige sache wie „rechte im Straßenverkehr“(wir haben alle die Fahrerlaubnis) oder wie verarbeite ich einen schweren autobahnunfall(wir haben hier keine in der Nähe) sei es das auch andere Sachen ausgefallen sind aber man bedenke auch, es gab 2012 viele Kranke für die eingesprungen wurde(siehe Überstunden)da ist es dann schlecht mit Fortbildung, andere Stunden waren durchaus gut besucht, allerdings meldete sich der Mentor aus, sicher wichtigen Gründen, kurzfristig ab, und das nicht nur einmal, dann kann es schon mal vorkommen das man am Jahresende nicht mehr hinterher kommt aber davon zu Sprechen, es wurden keine Weiterbildungen besucht, ist einfach nur eine Frechheit und scheint nur dazu zu dienen, mit „Dreck“ zu schmeißen und die Kollegen madig zu machen.

  7. anonym on Januar 24th, 2013 20:07

    Ich hoffe nur, dass sich das Falck nicht gefallen lässt und endlich die Seilschaften mit dem DRK in den neuen Ländern aufräumt!!! Es gibt gute Kreisverbände die seriös bezahlen und ihre Mitarbeiter vernünftig behandeln, aber dieser Kreisverband ist einer der schwarzen Schafe im Rettungsdienst. Seit mehreren Jahren zahlen die niedrige Löhne und keinen hat es gejuckt. Jetzt wo Falck die Ausschreibung gewonnen hat wurde der von einigen Mitarbeitern angeregte Arbeitskampf arbeitgeberseitig nach Jahren wieder aufgenommen und zum Abschluss gebracht. Natürlich zum Vorteil der Mitarbeiter. Ich sage nur im Zeichen der Menschlichkeit. Wenn das DRK Gewonnen hätte vermute ich, wäre alles beim alten geblieben. Denn 20% mehr Lohnkosten über Angebot schafft nicht mal das DRK!!!???!!!

    anonymer Kommentar

    P.S. Habe nichts gegen das DRK und Ihre Leitsätze und Grundsätze, aber manche Geschäftsführer sind Kapitalisten und keine DRK´ler

  8. PlanB on Januar 24th, 2013 22:17

    Das sind diese typisch sinnlosen Kommentare!
    Nach euren Worten sollen alle klein bei geben, nur weil da so ein Weltkonzern kommt und denkt er kann im Osten machen was er will. Es gibt immerhin Gesetze und auch die Menschenwürde.
    Endlich stehen die Ostler mal auf und zeigen Klassenkampf !!!!
    Meine Sympathie habt ihr und ihr habt nichts zu verlieren…außer euren Stolz wenn ihr nichts tut…
    Ach und noch was: Wer kommt denn mit dieser Aussage, das die Ausbildungsstunden nicht erbracht wurden…schon mal darüber nachgedacht ?!?!

    PlanB

  9. bernd on Januar 25th, 2013 13:25

    Der Brief an den Kreistag sagt eigentlich alles aus. Lasst euch nichts gefallen! Wenn die Fal(c)ken glauben, sie könnten hier im Osten machen was sie wollen, werden wir sie eines Besseren belehren. Sie verhalten sich eben wie Raubvögel.
    Im Landkreis Görlitz stehen dieses Jahr auch Auschreibungen an. Ich hoffe, die Verantwortlichen im Kreistag bekommen mit, wie es weiter nördlich läuft, und ziehen ihre Schlüsse…!

  10. Uwe Hamb on Januar 30th, 2013 13:57

    Wann hört diese endlose Diskussion auf der Private hat dies, die HiOrg hat das. Bei dieser unsachlichen Diskussion ist eins klar, auch die HiOrg sind Private oder? Rein sachlich gesehen ist das Thema eine Frage der Rechtsnachfolge bzw. des Betriebsübergangs. Der Rechtsnachfolger übernimmt alle Rechte und Pflichten. Wenn eine Vergütungsstruktur den monetären Ausgleich von Überstunden z.B. erst nach 3 Monaten vorsieht, dann weiß ein seriöser Unternehmer davon und wird sich nach Vertragsabschluss kaum hinstellen und jammern er hätte davon nichts gewusst. Das ist alles nur angestachelte Hetze und die Leidtragenden sind die Retter. Ich wünsche den streitenden Rettern viel Erfolg.

  11. Stefan on Januar 30th, 2013 16:27

    @Uwe Hamb

    Dem ist nichts hinzuzufügen!

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